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Medizin

Morbus Parkinson: Transplantierte Zellen überlebten 25 Jahre

Freitag, 6. Mai 2016

Stammzellen können heute im Labor hergestellt werden /dpa

Lund – Embryonale Stammzellen können nach einer Transplantation im Gehirn langfristig überleben. Bei einem Patienten mit Morbus Parkinson, der vor 25 Jahren an einer klinischen Studie in Schweden teilgenommen hatte, haben die Zellen vermutlich bis zu seinem Tod noch Dopamin produziert, wie eine Publikation in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2016; doi: 10.1073/pnas.1605245113) zeigt.

Forscher der Universität Lund haben in den späten 1980er und 1990er Jahren begonnen, Parkinson-Patienten mit embryonalen Stammzellen zu behandeln. Die klinischen Versuche wurden später aufgrund ethischer Hindernisse und unklarer Ergebnisse nicht weitergeführt, obwohl es bei einigen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome gekommen war.

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Dazu gehörte auch ein damals 59 Jahre alter Patient, dem mesenzephales Gewebe von vier menschlichen Embryonen an drei Orte des rechten Putamens transplantiert wurden. Der Patient, der vor der Operation unter L-Dopa bereits deutliche On-Off-Phänomene gezeigt hatte, was ein Versagen der Therapie anzeigt, erlebte nach der Operation eine deutliche Besserung.

Über fast vier Jahre konnte er L-Dopa sogar absetzen. Eine Untersuchung mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigte, dass das Gehirn zehn Jahre nach der Operation Dopamin produzierte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ärzte die Immun­suppression bereits abgesetzt.

Zwölf Jahre nach der Transplantation benötigte der Patient erstmals Dopamin-Agonisten, im 14. Jahr nach der Transplantation kam es zu einer deutlichen Verschlechterung der motorischen Symptome und erstmals auch zu kognitiven Störungen. Der Patient lebte dann noch zehn weitere Jahre. Er verstarb 24 Jahre nach der Transplantation an Herzversagen.

Das Team um Olle Lindvall, der in den 1980er Jahren das Transplantationsprogramm aufgebaut hatte, konnte nach dem Tod das Gehirn des Patienten untersuchen. Die Pathologen konnten die drei Implantate lokalisieren. Die transplantierten Zellen hatten sich vollständig in das Netzwerk des Putamens integriert, schreibt Lindvall. Das Enzym Tyrosine-Hydroxylase, das im Gehirn Dopamin produziert, war immunhistochemisch im Transplantat nachweisbar, nicht aber auf der anderen nicht behandelten Seite des Gehirns. Lindvall geht deshalb davon aus, dass viele transplantierte Zellen bis zum Tod des Patienten überlebt haben.

In 11 bis 12 Prozent der transplantierten Zellen fanden die Forscher jedoch Lewy-Körperchen. Es handelt sich um Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein, die für die Parkinson-Erkrankung kennzeichnend sind. Lindvall vermutet, dass die Erkrankung im Verlauf der Jahre auf die transplantierten Zellen übergegriffen hat.

Die Ergebnisse sind für die schwedischen Forscher eine Motivation, ihre Stammzell-Forschung fortzusetzen. Zum Einsatz kommen heute allerdings nicht mehr die Hirnzellen von Feten aus Schwangerschaftsabbrüchen. Stammzellen können heute im Labor hergestellt und in Dopamin-produzierende Zellen differenziert werden.

© rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Freitag, 6. Mai 2016, 17:40

Toller Bericht,

das ist konsequente Durchführung und Nachbetreuung.
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