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Medizin

Diabetes Typ 1: Künstliche Bauchspeicheldrüse soll 2020 auf dem Markt sein

Freitag, 6. Mai 2016

Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULTTorben Biester - künstliche Bauchspeicheldrüse
Closed-loop System, Therapie bei Diabetes Typ 1 /Kinder- und Jugendkrankenhaus "Auf der Bult"/Torben Biester

Berlin – Weltweit versuchen Forscher eine künstliche Bauchspeicheldrüse zu entwickeln, die Menschen mit Diabetes Typ 1 die manuelle Insulininjektion abnehmen soll. „Laut Professor Philipp aus Israel, können wir davon ausgehen, dass die künstliche Bauchspeicheldrüse 2020 in der Routinebehandlung für Patienten mit Diabetes Typ 1 zur Verfügung stehen wird“, berichtet Professor Olga Kordonouri heute auf der 51. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin.

Bisher entwickelte künstliche Bauchspeicheldrüsen bestehen aus einer Insulinpumpe, einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt. Alle Geräte kommu­nizieren über Funkwellen. „Wir sprechen von einem geschlossenen System, einem Closed-loop,“ erklärt die Diabetologin vom Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche in Hannover.

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DREAM: Closed-loop Systeme rund um die Uhr im Einsatz
In Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen aus Israel und Slovenien haben die Forscher aus Hannover das sogenannte DREAM-Konsortium (The diabetes wireless artifical pancreas) gebildet, um die closed-loop-Technik weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu führen. Das MDLAP-closed loop System (Medical Doctor Artificial Pancreas) konnte in einer aktuellen Studie (DREAM4) nicht mehr nur unter Aufsicht im Krankenhaus eingesetzt werden, sondern auch über vier Nächte zu Hause unter telemedizinischer Überwachung von Ärzten. Insgesamt haben 75 Kinder, Jugendliche und Erwachsene daran teilgenommen (Alter 10-54 Jahre, Diabetesdauer 11,6+/- 8,4 Jahre). Die Patienten machen sich auch weniger Sorgen, dass eine Unterzuckerung auftreten könnte (vorher 1,04 +/- 0,53 versus nachher 0,90 +/- 0,63; p=0,017). Die Daten wurden im Journal of Diabetes Research 2015 publiziert (doi.org/10.1155/2015/590308)

Erste Diabetiker haben das System auch schon rund um die Uhr für 60 Stunden getragen (DREAM5). Bisherige Daten zeigen, dass signifikant weniger Unter­zuckerungen (Glukose < 63 mg/dl) auftreten und die Zeit im Blutzucker-Zielbereich zwischen 80-140 mg/dl deutlich zunahm.

In diesen aktuellen DREAM-Studien erfolgt die Insulinverabreichung nicht mehr vollautomatisch nach der Nahrungsaufnahme. Denn die ersten Versuche im Krankenhaus (DREAM2) hatten gezeigt, dass dies erhöhte postprandiale Blutzuckerwerte zur Folge hatte. "Stattdessen setzen wir jetzt sogenannte Hybrid-Systeme ein", so Kordonouri. Hier verabreicht der Patient manuell den Mahlzeitenbolus. Die sonstige Insulinabgabe erfolgt automatisch entweder über die Basalrate oder über eine Kombination von Basalrate und kleinen automatischen Boli (MDLAP).

Großangelegte Studien in Planung
Im kommenden Jahr sollen Closed-loop Systeme in den USA, Europa, Australien und Israel bei hunderten Patienten mit Diabetes Typ 1 überprüft werden, kündigt Professor Kordonouri an. „Hier soll dann auch getestet werden, wie künstliche Bauch­speicheldrüsen unter alltäglichen Stressbedingungen funktionieren und bei schwierigen Patienten, die etwa einen hohen HbA1c-Wert haben oder regelmäßig unter schweren Unterzuckerungen leiden.“ © gie/aerzteblatt.de

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