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Ärzteschaft

Ärzte fordern Studien zur Gesundheitsgefahr von Fracking

Montag, 9. Mai 2016

Rotenburg/Hannover – Intensive Studien zu möglichen Gesundheitsrisiken regionaler Erdgasförderung und dem sogenannten Fracking fordert die Regionalgruppe Rotenburg der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW). Eine Delegation der Ärzteorganisation konnte das Anliegen jetzt mit dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) erörtern.

Die IPPNW-Regionalgruppe hatte im vergangenen Herbst in einem offenen Brief an Landesgesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) „auf eine besorgniserregende Häufung von hämatologischen Krebsneuerkrankungen“ bei Männern in der Gemeinde Bothel und der Gemeinde Stadt Rotenburg in Niedersachsen hingewiesen. Diesen Brief hatten 212 Ärzte der Region unterzeichnet.

Bürger und Ärzte hatten in der Region in den vergangenen Jahren eine Zunahme von Krebserkrankungen beobachtet. Sie befürchteten einen Zusammenhang mit der regionalen Erdgasförderung und dem Fracking und veranlassten eine gezielte regionale Auswertung des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen. Diese ergab laut der IPPNW eine statistisch unerwartete Häufung von hämatologischen Krebsneuerkrankungen bei Männern in den beiden Gemeinden.

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Die Ärzte forderten die Landesregierung auf, die Ursachenforschung zu beschleunigen und die notwendigen wissenschaftlichen Untersuchungen sicherzustellen. „Nötig ist zunächst eine Vorstudie, die das Design der eigentlichen Hauptstudie klären muss. In dieser Hauptstudie geht es um den möglichen Zusammenhang von Erdgasförderung und Fracking mit Blutkrebserkrankungen“, erläuterte Michael Schulte, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg und Mitglied der IPPNW-Regionalgruppe, auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

Das niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung erläuterte gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt das weitere Vorgehen: Zunächst werde eine laufende Fragebogenaktion des Landkreises ausgewertet. Eine ebenfalls noch laufende wissenschaftliche Auswertung bereits vorhandener Studien zum multiplen Myelom werde eine Übersicht über mögliche Risikofaktoren dieser Krebsart liefern.

Diese beiden Studien würden dann verglichen, in Beziehung gesetzt und ausgewertet. Die Gesundheitsbehör­den erhielten zudem alle benötigten Informationen zur Erdgasförderung in der Region Rotenburg (Wümme), insbesondere zu aktuellen Bodenuntersuchungen im Umfeld niedersächsischer Erdgasförderplätze. Aus den dann möglicherweise ableitbaren Fragestellungen und Prüfungsnotwendigkeiten ließen sich gegebenenfalls weitere Forschungs- und Studienansätze konkretisieren – in diesem Rahmen könnte eine weitere Studie in Auftrag gegeben werden. „Alle Beteiligten betreiben die Ursachensuche mit Nachdruck“, betonte das Ministerium. © hil/aerzteblatt.de

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