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Reform des Medizinstudiums nicht nur auf Landarztmangel fokussieren

Montag, 9. Mai 2016

/dpa

Berlin – Die unter dem Oberbegriff „Medizinstudium 2020“ zusammengefasste Reform des Medizinstudiums droht offenbar zu einseitig auszufallen. „Die Gespräche mit den Vertretern aus der Politik und den Ministerien haben uns gezeigt, dass dieser Master­plan bislang sehr einseitig auf die Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium sowie auf vermeintliche Lösungen zur sogenannten Landarztproblematik abzuzielen scheint“, sagte Heyo Kroemer vom Medizinischen Fakultätentag (MFT).

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), die Arbeits­gemeinschaft der Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der MFT und der Verband der Universitätskliniken in Deutschland (VUD) plädieren daher in einer gemeinsamen Stellungnahme dafür, auch andere drängende Probleme in der Reform zu berücksichtigen.

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„Es muss die Gelegenheit genutzt werden, auch auf die Auswahl der Studienplatz­bewerber, die inhaltliche und praxisnahe Ausrichtung des Studiums und die Verankerung der Wissenschaftlichkeit im Studium einzugehen“, betonte Kroemer.

„Die Politik ist im Augenblick sehr auf die Allgemeinmedizin fokussiert. Die Studierenden lehnen es aber ab, das Studium zu sehr auf den Hausarztberuf zuzuschneiden. Es sollte vielmehr dazu befähigen eine Weiterbildung jeglicher Art einzuschlagen“, betonte Myriam Heilani von der bvmd bereits im vergangenen Herbst gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt Medizin studieren.

Die Einführung einer sogenannten Landarztquote oder die Aufstockung der Studienplätze ohne eine deckende Zusatzfinanzierung lehnen die Organisationen ab. „Solche indirekten Maßnahmen helfen uns nicht, den Landarztmangel spürbar zu beseitigen“, sagte Michael Albrecht vom VUD. Dazu seien vielmehr bessere Rahmenbedingungen in den Versorgungsstrukturen vor Ort nötig.

Für die Auswahl zum Studium fordern die Organisationen medizinspezifische Test­verfahren stärker zu berücksichtigen und die Abiturnote geringer zu bewerten als bislang. Im Studium selbst sollten Praxis und Theorie enger verzahnt werden, wie dies in zahlreichen Modellstudiengängen bereits erprobt sei.

Die ärztliche Ausbildung sollte alle Bereiche der ärztlichen Tätigkeit umfassen, also auch die ambulante und primärärztliche Versorgung. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 11. Mai 2016, 00:19

Hausarztmedizin - weder Wunschkonzert noch "Ponyhof"!

Die Frage ist doch nicht, welche ärztlichen Institutionen, welche Forschungsgemeinschaften, welche Ärzte-Gewerkschaften oder Medizinstudierenden-Vertretungen sich für die medizinisch-ärztliche Aus- und Weiterbildung etwas wünschen können oder wollen?

Sondern es kommt auf prioritäre Zielsetzungen an. Und da sind die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd), die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Verbands der Uniklinika (VUD) und der Medizinischen Fakultätentags (MFT) meilenweit von der Realität haus- und fachärztlicher Allgemeinmedizin entfernt. Auch der Marburger Bund (MB) vertritt nie die vertragsärztliche Allgemeinmedizin, sondern ausschließlich angestellte und beamtete Ärzte.

Wie abgehoben der Diskurs ist, zeigt sich an der Absage an "vermeintliche Lösungen zur sogenannten Landarztproblematik", wie Professor Dr. med. H. Kroemer vom MFT kritisiert. Denn selbst in bevorzugten großstädtischen Kerngebieten, nicht nur in prekären Randzonen oder Problembezirken, können wir mittlerweile in die Jahre gekommenen Hausärztinnen und -ärzte keine potenziellen Praxis-Nachfolger mehr finden.

Aufenthalte in klinischen und/oder universitären bzw. fachärztlichen Einrichtungen sind in der Krankheitsbiografie unserer Patienten/-innen punktuelle Ausnahmeerscheinungen. Im ambulanten Bereich macht allein die hausärztliche Betreuung über 40 Prozent aus. Weit über 80 Prozent aller Beratungsanlässe werden im haus- und allgemeinmedizinischen Bereich abgeklärt bzw. sind einer problemadäquaten Lösung zugänglich. Die Allgemeinmedizin ist somit integraler Bestandteil der gesamten Humanmedizin.

So essenziell wie die Luft zum Atmen gehören die hausärztliche Allgemeinmedizin ebenso wie Chirurgie und Innere Medizin zur Kernkompetenz und Essenz ärztlicher Profession. Sie neben allen anderen Spezialdisziplinen auszugrenzen, Ausbildungskompetenzen zu verleugnen oder Inhalte auszusparen wäre in der Tat eine desaströse Fehlentscheidung.

Insofern gebe ich Professor Dr. med. F. M. Gerlach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), recht, der 2016 zum "Schicksalsjahr für die Allgemeinmedizin" deklariert hat.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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