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Versorgung von Wunderkrankungen kostet acht Milliarden Euro

Dienstag, 10. Mai 2016

Unterschenkelgeschwüre sind häufige Wunderkrankungen. /dpa

Berlin – Die Zeit vom ersten Arztkontakt bis zu einer akkuraten Diagnosestellung einer Wunderkrankung ist mit durchschnittlich 3,9 Jahren zu lang. Das kritisierte der Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Matthias Augustin, heute bei einer Veran­staltung in Berlin. „Das ist verschleppte Zeit“, sagte Augustin. „Besser wäre es, bei ersten Symptomen frühzeitig zu intervenieren.“ Vom ersten Symptom der Grund­erkrankung bis zum Entstehen einer offenen Wunde dauere es im Schnitt sogar 11,1 Jahre.

„Chronische Wunden sind überwiegend vermeidbar“, betonte Augustin. In Deutschland gebe es etwa 1,2 Millionen Patienten mit Wunderkrankungen. Die meisten von ihnen seien älter als 70 Jahre und multimorbid. Viele litten an Diabetes, Unterschenkel- oder Druckgeschwüren. Ihre Behandlung koste konservativ gerechnet etwa acht Milliarden Euro pro Jahr.

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Telemedizin ist erfolgreich
„Für eine gute Wundversorgung müssen verschiedene Gruppen im Gesundheitssystem zusammenarbeiten. Bei uns arbeiten wir im Schnitt innerhalb eines Jahres mit 5,8 Mitbehandlern, das sind Ärzte, aber auch Physiotherapeuten, der Sozialdienst oder das Sanitätshaus“, sagte Augustin. Wichtig sei dabei, die Kommunikation zwischen den einzelnen Behandlern zu koordinieren.

„In Hamburg haben wir 2010 ein Comprehensive Wound Center gegründet, in dem ambulante und stationäre Ärzte in einer Einheit zusammenarbeiten“, so der Derma­tologe. „Die Patienten werden hier an einem einzigen Tag von allen Disziplinen gesehen. Das ist sehr vernünftig.“ Zudem arbeite das Center mit Telemedizin. Die Patienten erhalten dabei ein Telefon mit nach Hause, mit dem sie täglich ihre Wunde fotografieren und das Bild an ihre behandelnden Ärzte schicken. „Bei Bedarf bestellen wir die Patienten ein oder geben Pflegetipps“, erklärte Augustin. „So haben wir 40 Prozent weniger Krankenhausauf­enthalte erreicht.“

Nur 40 Prozent der Ulcus-Cruris-Patienten erhalten Leitlinientherapie
Wie gut die Versorgung von Wunden in Deutschland sei, hänge im Übrigen nicht mit dem Sozialstatus der Patienten zusammen, nicht mit deren Krankenkasse und auch nicht damit, wie groß die Wunde ist, sondern ob der Patient an einen spezialisierten Arzt gerate oder nicht. Der Heil- und Hilfsmittelreport der Barmer GEK aus dem Jahr 2014 habe zum Beispiel ergeben, dass bei einem Ulcus Cruris nur 40 Prozent der Patienten eine Kompressionstherapie erhielten, obwohl diese Behandlung in den Leitlinien enthalten sei.

Augustin betonte, dass auch die Pflege chronischer Wunden Fachkräften überlassen sein sollte. Denn ausgebildete Wundexperten zeigten eine bessere Versorgungsleistung als ungeschulte Pflegekräfte.

Erwin Rüddel, Berichterstatter der Unionsfraktion im Bundestag für Pflegepolitik, wies darauf hin, dass das Thema Wundversorgung angesichts des demografischen Wandels und der Zunahme von Zivilisationskrankheiten noch weiter an Bedeutung gewinnen werde. Deshalb müsse man sehen, dass man gute Versorgungsstrukturen finde. „Wir brauchen mehr Qualifizierung im System, eine stärkere Vernetzung der Akteure und eine entsprechende Flexibilität bei den Krankenkassen“, meinte Rüddel. © fos/aerzteblatt.de

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