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Medizin

ALS: Pestizide könnten Erkrankungsrisiko erhöhen

Dienstag, 10. Mai 2016

dpa

Ann Arbor – Die berufliche Exposition mit Pestiziden könnte das Risiko erhöhen, an einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zu erkranken. Dies kam in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Neurology (2016; doi: 10.1001/jamaneurol.2016.0594) heraus, die bei den betroffenen Patienten auch erhöhte Konzentrationen bestimmter Pestizide im Blut fand.

Mit der Ausnahme weniger genetischer Fälle ist die Ursache der ALS, die infolge einer fortschreitenden Degeneration der Mononeurone im Rückenmark innerhalb weniger Jahre zum Tode führt, nicht bekannt. Für einen Einfluss von Umweltfaktoren spricht eine ungleiche geografische Verteilung und die Erfahrungen einer Epidemie auf der Pazifik­insel Guam, wo es in den späten 1950er Jahren zu einer ungewöhnlichen Häufung von Erkrankungen gekommen war, die in zwischen wieder abgeebbt ist.

Im Verdacht stehen seit längerem Chlorkohlenwasserstoffe, die als Pestizide eingesetzt werden, aber auch polychlorierte Biphenyle, die bis in die 1980er Jahre als elektrische Isolatoren verwendet wurden, oder auch polybromierte Biphenyle, die als Flamm­schutzmittel in Kunststoffen und Textilien enthalten sind. Diese Stoffe sind nachweislich neurotoxisch, weswegen viele inzwischen verboten sind. Sie reichern sich außerdem im Körper an, so dass sie langfristig die Gesundheit stören können.

Ein Team um Eva Feldman von der Universität von Michigan in Ann Arbor hatte bereits in einer früheren Untersuchung Pestizide mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht. Jetzt untermauert es die These durch die Untersuchung von Blutproben. Die Fall-Kontroll-Studie umfasst 156 Patienten mit ALS und 128 gesunde Menschen gleichen Alters. Die Befragungen ergaben, dass die ALS-Patienten fünfmal häufiger in Berufen gearbeitet hatten, in denen sie Pestiziden exponiert waren (Odds Ratio OR 5,09; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,85-14,0). Unter diesen beruflichen Risiken war auch eine Beschäftigung bei der US-Armee (OR 2,31; 1,02-5,25).

Die Untersuchung von 122 verschiedenen Toxinen ergab eine Assoziation mit zwei Chlorkohlenwasserstoffen. Dies waren Pentachlorbenzol (OR 2,21; 1,06-4,60) und cis-Chlordan (OR 5,74; 1,80-18,20). Beide wurden in der Vergangenheit als Pestizide eingesetzt, sind inzwischen jedoch verboten. Weitere Assoziationen bestanden zu PCB 175 (OR 1,81; 1,20-2,72) und PCB 202 (OR 2,11; 1,36-3,27) sowie zum polybromierten Diphenylether 47 (OR 2,69; 1,49-4,85).

Die Ergebnisse können nicht beweisen, dass die Chemikalien tatsächlich eine ALS auslösen können. Zum einen stimmten die Ergebnisse der Blutuntersuchungen nicht immer mit der erfragten beruflichen Exposition überein. Außerdem ist die Konzentration im Blut nicht unbedingt repräsentativ für die lebenslange Exposition. Die Pestizide reichern sich vor allem im Fettgewebe an, aus dem sie dann ans Blut abgegeben werden. Chronische Erkrankungen wie die ALS führen zu einem Abbau von Fettgewebe, was zu einer erhöhten Freisetzung auch von Toxinen führt, die nicht ursächlich für die Erkrankung sind. 

Wie schwierig die Bewertung von Fall-Kontroll-Studien ist, zeigt auch der überraschende Befund einer niedrigeren Erkrankungsrate bei Patienten, die beruflich mit Blei exponiert waren (OR 0,32; 0,13-0,81). Niemand würde behaupten, dass Blei, das eine neuro­toxische Wirkung hat, vor einer ALS schützt. Sollten die Pestizide tatsächlich für einen größeren Anteil der ALS-Erkrankungen verantwortlich sein, müsste die Inzidenz eigentlich abnehmen, da viele Toxine inzwischen verboten sind. Ein solcher Trend ist jedoch nicht erkennbar. © rme/aerzteblatt.de

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Christamüller
am Dienstag, 21. November 2017, 13:28

Blei ist grundsätzlich neurotoxisch

Blei-Neurotox hängt aber an zahlreichen Zusatzfaktoren.Blei-Arbeiter in der Zink-Galvanik waren hohen Schwermetallkonzentrationen in Luft / Staub ausgesetzt, hatten Blut-Blei bis 500 Mikrogramm/ Liter und höher, und keine Probleme- bis auf Chromosomenbrüche in Leukozyten. Hohes Blut-Zink hat hier offenkundig neuroprotektiv geschützt, möglicherweise über Metallothionein-Induktion. Der freie, nicht an Eiweiss gebundene Anteil von Blei ist entscheidend für die Neurotoxizität, genau wie bei den Pestiziden. Im Bauchfett oder retroperitoneal abgespeichert wohl eine andere Wirkung als unmittelbar im Motorneurongewebe.

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