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Medizin

Asthma bronchiale: Verminderte Lungenfunktion kann spätere COPD ankündigen

Freitag, 13. Mai 2016

/dpa

Boston – Die meisten Asthmaerkrankungen im Kindesalter haben keine negativen Auswirkungen auf die spätere Lungengesundheit. Wenn die Lungenfunktion jedoch hinter der altersentsprechenden Entwicklung zurückbleibt, kann es bereits im früheren Erwachsenenalter zu einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kommen, wie die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2016; 374: 1842-1852) zeigen.

Das Childhood Asthma Management Program (CAMP) hatte in den Jahren 1993/95 den Wert von inhalativen Steroiden und einem Mastzellstabilisator bei Asthmaerkrankungen von Kleinkindern untersucht. Die Teilnehmer werden seit dem Ende der Interventions­studie regelmäßig untersucht.

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Dabei wird auch, wenn möglich, eine Bestimmung der Einsekundenkapazität (FEV1) durchgeführt. Die FEV1 steigt normalerweise im Kindes- und Jugendalter im Verlauf des Wachstums an und erreicht im Alter von Anfang 20 Jahren ein Maximum. Danach bleibt die FEV1 über viele Jahre konstant, bevor es ab dem mittleren Lebensalter zu einem allmählichen Abfall kommt. Eine hohe FEV1 im jungen Erwachsenenalter ist deshalb eine gewisse Lebensversicherung für eine gute Lungenfunktion im Alter.

Eine chronische Asthmaerkrankung im Kindesalter kann die Voraussetzungen verschlechtern. Von den 684 Teilnehmern der CAMP-Studie, die ein Team um Scott Weiss vom Brigham and Women's Hospital in Boston jetzt im jungen Erwachsenenalter nachuntersuchen konnte, hatte sich die FEV1 nur bei jedem Vierten normal entwickelt. Diese Patienten hatten die besten Chancen, im Erwachsenenalter die Entwicklung einer COPD zu vermeiden. Nur ein Prozent erfüllte bei der letzten Untersuchung im Alter von 26 bis 27 Jahren die sogenannten GOLD-Kriterien der COPD.

Bei einem weiteren Viertel der Kinder war es nach einer anfänglich normalen Entwicklung der FEV1 zu einem frühen Abfall gekommen. Von diesen Kindern litten im Alter von Ende 20 bereits 5 Prozent unter einer COPD. In der dritten Gruppe, bei der es von Anfang an zu einem verzögerten FEV1-Anstieg im Kindes- und Jugendalter gekommen war, wurde die COPD-Diagnose bereits bei 16 Prozent gestellt. Und in der vierten Gruppe, in der die FEV1 nach einem verlangsamten Anstieg frühzeitig wieder eine abfallende Tendenz zeigte, litten bereits 21 Prozent an einer FEV1.

Eine abnormale Entwicklung der FEV1 dürfte damit bei Kindern mit chronischem Asthma bronchiale der wichtigste Prädiktor für eine spätere Lungenerkrankung im Erwachsenenalter sein. Die Studie bestätigte zudem einige bekannte Risikofaktoren für eine verzögerte Lungenentwicklung. Dazu gehörten das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, eine verminderte Lungenentwicklung zu Beginn der Studie oder eine erhöhte Hyperreagibilität der Atemwege. Jungen waren häufiger betroffen als Mädchen, was Weiss jedoch in der Pressemitteilung auf die höhere Prävalenz von Asthma-Erkrankungen beim männlichen Geschlecht zurückführt.

Die regelmäßige Spirometrie mit Erfassung des FEV1 liefert wichtige Hinweise für die voraussichtliche Entwicklung der Lungengesundheit im Erwachsenenalter. Ob eine frühzeitige Behandlung der COPD die langfristige Prognose der Patienten verbessern kann, müsste in weiteren Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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