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Medizin

Syphilis breitet sich in Europa weiter bei MSM aus

Mittwoch, 18. Mai 2016

Stockholm – Bei fast 25.000 Menschen wurde 2014 in Europa eine Syphilis diagnostiziert. Männer erkrankten sechsmal häufiger als Frauen und zwei Drittel aller Erkrankungen entfallen auf Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. Dies geht aus einem Report des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hervor.

Laut dem Report wurden im Jahr 2014 in 29 Ländern des Europäischen Wirtschafts­raums (keine Erfassung in Österreich und Liechtenstein) den Gesundheitsbehörden ingesamt 24.541 Syphilis-Fälle gemeldet. Dies entspricht einer Inzidenz von 5,1 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner. Die Zahlen schwanken erheblich zwischen 0,6/100.000 in Italien und 11,5/100.000 in Malta. Männer erkrankten mehr als sechsmal häufiger als Frauen (in Deutschland beträgt das Verhältnis sogar mehr als 10 zu 1). Bei den Männern sind eindeutig die MSM in der Mehrzahl. Die ECDC gibt den Anteil der MSM an allen Erkrankungen mit 63 Prozent an. 

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Gleichzeitig ist es bei den MSM zum stärksten Anstieg der Erkrankungszahlen gekommen. Der Report kann die Ursachen nicht klären. Am wahrscheinlichsten ist jedoch eine Zunahme von sexuellen Risikopraktiken. In MSM-Kreisen wird zunehmend ein seroadaptives Verhalten praktiziert: Wenn beide Partner HIV-positiv oder HIV-negativ sind, wird großzügig auf Kondome verzichtet.

Das Robert Koch-Institut vermutete jüngst auch eine Zunahme des Sero-Positioning: Dabei richtet sich die sexuelle Position (eindringender oder aufnehmender Partner bei ungeschütztem Analverkehr) nach dem HIV-Status oder sogar nach der HIV-Viruslast, die Infizierten in der Regel bekannt ist. Ein weiterer Grund für die Zunahme des Risikoverhaltens dürfte das Wissen sein, dass eine effektive antiretrovirale Therapie das Übertragungsrisiko drastisch senkt.

Die Zahl der MSM, die prophylaktisch Medikamente einnehmen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, dürfte ebenfalls gestiegen sein. Die MSM ignorieren bei diesen Überlegungen allerdings, dass es noch andere sexuell übertragbare Erkrankungen gibt, vor denen nur Kondome schützen. Für die Vermutung einer zunehmenden Risikobereit­schaft spricht, dass neben der Syphilis auch die Häufigkeit der Gonorrhö zugenommen hat. © rme/aerzteblatt.de

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