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Medizin

Neurodermitis: Hartes Wasser erhöht Risiko schon bei Kleinkindern

Mittwoch, 18. Mai 2016

dpa

London – Ein hoher Kalziumcarbonat-Gehalt des Wassers im eigenen Haushalt erhöht bei Kleinkindern das Risiko an Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, AP) zu erkranken. Dieser Zusammenhang wurde in früheren Studien bereits für Schulkinder nachgewiesen. Eine aktuelle zeigt nun erstmals, dass auch für Kleinkinder bereits ein erhöhtes Risiko besteht. Die Studie wurde im Journal of Allergy and Clinical Immunology doi:10.1016/j.jaci.2016.03.031 publiziert.

Die Forscher um Carsten Flohr vom St John's Institute of Dermatology at King's College London untersuchten 1303 Babies im Alter von drei Monaten aus ganz England und Wales. Mittels SCORAD-Index (Scoring Atopic Dermatitis) wurde der Schweregrad der Neurodermitis gemessen. Zudem untersuchten die Wissenschaftler die Wasser­speicherkapazität der Haut (TEWL=transepidermaler Wasserverlust) und nahmen Blutproben, um nach einer häufig mit AP assoziierten Mutation des Strukturproteins Filaggrin zu suchen. Filaggrin-Loss-of-function-Mutationen führen zu Hautbarriere­defekten, einer verminderten lokalen mikrobiellen Abwehr und pH-Wert-Erhöhungen der Haut.  

Bei jedem vierten Baby erkannten Flohr und seine Kollegen eine Neurodermitis. Diejenigen, in deren Gegend hartes Wasser (>257 mg/l, entspricht in etwa >14,4 °dH) zur Verfügung stand, hatten ein um bis zu 87 % erhöhtes Risiko Neurodermitis zu entwickeln (Cahigh/Cllow adjusted OR (AOR) 1.8751 (95%CI 1.25-2.80, p=0.002), Calow/Clhigh AOR 1.46 (95%CI 0.97-2.21, p=0.07) and Cahigh/Clhigh AOR 1.61 (95%CI 1.09-2.38, p=0.02). Der Chlorgehalt wirkte sich auf das Risiko nicht signifikant aus. "Auch die statistische Adjustierung auf Verwendung von Feuchtigkeitscremes, der Haeufigkeit des Badens und Schaumbädern veraenderte diese Ergebnisse nicht," erklärt Flohr.

Jedoch hatten die Forscher keine Informationen darüber, wie häufig die Kleinkinder Schwimmbäder, die für gewöhnlich einen hohen Chlorgehalt haben, besucht hatten. „Unklar bleibt auch, ob die Ursache der Hautprobleme primär der Kalziumcarbonatgehalt des Wassers ist oder ob weitere Faktoren eine Rolle spielen, die vom Wasserhärtegrad beeinflusst werden, wie etwa der pH-Wert,“ so Flohr. Ob die Installation eines Wasserhärtereglers wirklich Neurodermitis verhindern kann, ist Bestandteil zukünftiger Studien.

Die Neurodermitis zählt bei Kindern zu den häufigsten Hautkrankheiten. 10 bis 15 % der Vorschulkinder in Europa leiden daran. Im Erwachsenenalter haben etwa 1 bis 2 % eine Neurodermitis.

Die Wasserhärte ist in jedem Ort unterschiedlich und kann meist auf der Homepage des Wasseranbieters abgefragt werden. Sie steht aber auch in der Wasser­jahres­abrechnung. Die Stadtwerke München geben beispielsweis eine Wasserhärte von 16,6 °dH an, was als hart einzuordnen ist. Wer ganz sicher sein möchte, kann in der Apotheke Teststreifen kaufen und selber nachmessen. © gie/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Donnerstag, 30. Juni 2016, 22:31

non credo, terrible simplification

so einfach ist das mit dem "harten Wasser" nun doch nicht. Da geht es nicht nur um "Carbonat".
Es fehlen die vielen anderen unbekannten Teile, z.B. Silikat, das so schwer messbar ist, dass es fast immer unter den Tisch fällt, aber mit biologischer Wirkung auf die Haut.
Und es fehlt natürlich viel mehr Information über Kontakt, Kontaktumfang - Zeit von Haut und Wasser, sowie wenn es um "Waschen" geht, auch etwas über Seife etc.

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