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Medizin

Nicht-invasive Beatmung: Atemhelm verhindert Intubation und Tod

Donnerstag, 19. Mai 2016

Chicago – Ein transparenter Kunststoffhelm könnte die Effektivität der nicht-invasiven Beatmung auf Intensivstationen deutlich verbessern. Die nicht-invasive Beatmung über einen Atemhelm hat in einer randomisierten klinischen Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; doi:10.1001/jama.2016.6338) bei Patienten mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS) viele Intubationen vermieden und die Überlebenschancen der Patienten verbessert. 

Die nicht-invasive Beatmung wird heute zumeist über eine Atemmaske durchgeführt. Dies ist für den Patienten nicht nur unangenehm. Wenn bei einer nicht genau sitzenden Maske Luft seitlich entweicht, ist die Effektivität der Beatmung vermindert. In diesen Fällen wird häufig eine Intubation des Patienten notwendig, die mit infektiösen und neurologischen Komplikationen verbunden ist. Eine Beatmung über einen Helm, der bis zum Hals reicht und dort hermetisch nach außen abgedichtet ist, könnte Leckagen ausschließen. Sie würde außerdem höhere endexspiratorische Drücke (PEEP) ermöglichen. Moderne Plastikhelme erlauben dem Patienten zudem mit der Umwelt zu kommunizieren.

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Pulmologen der Universität Chicago haben jetzt erstmals einen solchen Helm mit der konventionellen nicht-invasiven Beatmung über eine Maske verglichen. An der Studie nahmen 83 Patienten teil, die bereits über acht Tage nicht-invasiv beatmet worden waren. Alle Patienten litten an einem schweren ARDS und die Ärzte schätzten die Wahrscheinlichkeit auf eine Intubation oder einen Tod auf der Intensivstation auf 50 Prozent. 

Bei 44 Patienten wurde die nicht-invasive Beatmung mit einem Helm fortgesetzt, die anderen 37 Patienten führten die Behandlung mit einer Atemmaske fort. Wie das Team um John Kress berichtet, wurden mit der Helm-basierten Atmung höhere PEEP erreicht (8,0 versus 5,2 cm H2O) und die Patienten atmeten ruhiger (24,5 versus 28,3 Atemzüge pro Minute).

Dies hatte Auswirkungen auf den primären Endpunkt der Studie: Nur 18,2 Prozent der Helmträger benötigten einen Endotrachealtubus im Vergleich zu 61,5 Prozent derjenigen, die über eine Gesichtsmaske nicht-invasiv beatmet wurden. Die Helm-Gruppe hatte zudem deutlich mehr beatmungsfreie Tage (28 versus 12,5 Tage). Und die Überlebenschancen waren besser: Nach 90 Tagen waren 15 Helmträger (34 Prozent) gestorben gegenüber 22 Patienten (56 Prozent), die weiter über eine Maske beatmet wurden. Die Nebenwirkungen waren gleich. In beiden Gruppen erlitten drei Patienten Hautulzerationen.

Die Studie wurde aufgrund der guten Ergebnisse vorzeitig abgebrochen. Aus Sicht von Kress ist die Helm-basierte Beatmung die eindeutig bessere Option für ARDS-Patienten. Jeremy Beitler von der Universität von Kalifornien in San Diego gibt allerdings im Editorial zu bedenken, dass eine Helm-basierte Beatmung nicht ohne Risiken ist: So vergrößert der Innenraum des Helms das Totraumvolumen und bei einer ungünstigen Einstellung könnte der Patient an dem ausgeatmeten Kohlendioxid ersticken. Kress fordert deshalb eine Überprüfung der Studie durch eine weitere multizentrische Studie, in der genaue Kriterien für die Helm-basierte Beatmung festgelegt werden müssten. © rme/aerzteblatt.de

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