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Medizin

Neuropathische Schmerzen: Botulinumtoxin A als Alternative

Freitag, 20. Mai 2016

Essen – Patienten, die an neuropathischen Schmerzen leiden, helfen subkutane Injektionen des Nervengifts Botulinumtoxin A, auch bekannt als Botox. Das zeigt eine Studie, die in Lancet Neurology (doi:10.1016/S1474-4422(16)00017-X) veröffentlicht wurde. Für einen Einsatz im klinischen Alltag sei es aber noch zu früh, kommentiert Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Die Therapie ist gegen neuropathische Schmerzen derzeit nicht zugelassen.

„Viele Patienten mit chronischen neuropathischen Schmerzen durch periphere Nervenläsionen oder Polyneuropathien vertragen die gängigen Medikamente zur symptomatischen Therapie nicht oder haben Kontraindikationen“, sagt die Co-Autorin Claudia Sommer vom Universitätsklinikum Würzburg. Dazu zählen etwa trizyklische Antidepressiva, Duloxetin, Gabapentin und Pregabalin oder retardierte Opioide. Für diese Patienten hat sich Botulinumtoxin in einer doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung als wirksame und sichere Alternative erwiesen.

34 Probanden erhielten Botulinumtoxin-A-Injektionen in die schmerzende Körperregion. Die Ärzte spritzten im Abstand von 1,5 bis 2 cm je 5 Einheiten Botulinumtoxin A unter die Haut. Die Gesamtdosis hing von der Größe des schmerzhaften Areals ab, überstieg jedoch nicht 300 Einheiten. Nach zwölf Wochen wurde das Procedere wiederholt. Die 32 Patienten aus der Placebogruppe bekamen entsprechende Kochsalzinjektionen.

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Deutliche Schmerzreduktion nach Botox-Injektion
Botulinumtoxin A reduzierte die Schmerzintensität auf einer Skala von 1 bis 10, verglichen mit Placebo, signifikant von 6,5 Punkten vor der Behandlung auf 4,6 Punkte in Woche 24, also 12 Wochen nach der zweiten Botulinumtoxin-Applikation. In der Placebogruppe sank der mittlere Schmerzgrad nur von 6,4 auf 5,8 Punkte. Der Effekt war anhaltend. Eine zweite Gabe von Botulinumtoxin verstärkte den analgetischen Effekt.

Patienten mit Allodynie, denen schon leichte, für gesunde Menschen völlig harmlose Berührungen wehtun, sprachen besonders gut auf die Botulinumtoxin-Injektionen an. Ebenso Patienten, deren Temperaturwahrnehmung nur wenig beeinträchtigt und deren Hautinnervation noch recht gut war. Abgesehen von Schmerzen bei der Injektion dokumentierten die Ärzte keine unerwünschten Wirkungen.

„Die Anwendung sollte auch nach einer eventuellen Zulassung auf Spezial­sprechstunden für Botox und große neurologische Kliniken beschränkt bleiben,“ empfiehlt Diener.

Angaben zum Anteil der Bevölkerung mit neuropathischen Schmerzen schwanken zwischen 3,3 und 8,2 Prozent. In Deutschland leiden demnach mindestens 2,6 Millionen Menschen unter chronischen neuropathischen Schmerzen. Häufig betroffen sind zum Beispiel Patienten mit Diabetes, Nervenverletzungen, amputierten Gliedmaßen oder Rückenmarksverletzungen. © gie/idw/aerzteblatt.de

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