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Medizin

Sekundärprävention: Frühes ASS vermeidet Schlaganfall am ehesten

Sonntag, 22. Mai 2016

dpa

Oxford – Die frühzeitige Einleitung einer Therapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) könnte bei Patienten mit transitorischer ischämischer Attacke (TIA) oder Schlaganfall die effektivste Maßnahme einer Sekundärprävention sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Re-Analyse früherer randomisierter klinischer Studien im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)30468-8).

TIA und Schlaganfall sind häufig Vorboten eines weiteren ischämischen Insults. Bei 8 bis 10 Prozent tritt das zweite Ereignis innerhalb einer Woche ein. Die EXPRESS Studie hat vor einigen Jahren gezeigt, dass eine frühzeitige Sekundärprävention das Risiko deut­lich senken kann. Die Studie beschrieb die Erfahrungen einer Stroke Unit. Dort wurden Patienten betreut, die nach einer TIA oder einem kleinen Schlaganfall vom Hausarzt überwiesen wurden. In der ersten Zeit benötigten die Patienten einen Termin (was zu mehr oder weniger langfristigen Verzögerungen führte. Später konnten sich die Patienten ohne Termin vorstellen.

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In der ersten Phase hatten 32 von 310 Patienten (10,3 Prozent) innerhalb der ersten 90 Tage erneut einen Schlaganfall erlitten, in der zweiten Phase waren es nur noch 6 von 281 Patienten (2,1 Prozent). Dies war ein Rückgang um 80 Prozent (adjustierte Hazard Ratio 0,20, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,08-0,49), wie das Team um Peter Rothwell damals im Lancet (2007; 370: 1432-1442) berichtete.

In der aktuellen Studie versucht Rothwell zu ermitteln, welche der damals frühzeitig ergriffenen Maßnahmen für den Erfolg der früheren Sekundärprävention verantwortlich war. In einer ersten Analyse wertete Rothwell zusammen mit Forschern der Universitäten Utrecht, Duisburg-Essen und Lund die Ergebnisse aus zwölf früheren randomisierten Studien mit fast 16.000 Teilnehmern zur Sekundär-Prävention mit ASS aus.

Ergebnis: In den ersten sechs Wochen erlitten 84 von 8.452 (0,9 Prozent) der Patienten, die ASS erhalten hatten, einen weiteren ischämischen Schlaganfall. In der Vergleichs­gruppe ohne ASS waren es 175 von 7.326 Patienten (2,3 Prozent). Rothwell ermittelt eine Hazard Ratio von 0,42 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,32-0,55), sprich eine Reduktion um 58 Prozent. Die Zahl der Todesfälle ging sogar um 71 Prozent zurück (Hazard Ratio 0,29; 0,20-0,42).

Den größten Nutzen hatten Patienten mit einer TIA: Nur 2 von 6.691 Patienten (0,03 Prozent), die sofort mit ASS behandelt wurden, erlitten in den nächsten beiden Wochen einen erneuten schweren Schlaganfall. In der Kontrollgruppe waren es 23 von 5.726 Patienten (0,4 Prozent) gewesen. Die Hazard Ratio betrug 0,07 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,02 bis 0,31 eine statistisch hochsignifikante Reduktion um 93 Prozent.

ASS trug laut Rothwell weniger zur Vermeidung eines zweiten Insults als zu der Verminderung des Schweregrades bei. Die zusätzliche Gabe von Dipyridamol hatte dagegen keinen zusätzlichen Nutzen.

Eine weitere Analyse von drei randomisierten Studien mit 40.000 Teilnehmern zeigte, dass die frühe ASS-Gabe auch nach einem größeren Schlaganfall eine sekundär­präventive Wirkung erzielt. Am meisten profitierten Patienten, bei denen der Schlaganfall nur leichtere Schäden ausgelöst hatte. Ein Nutzen der Therapie war jedoch bereits nach zwei bis drei Tagen erkennbar. ASS senkte das  Risiko eines erneuten Insults zu diesem Zeitpunkt um 63 Prozent (Hazard Ratio 0,37; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,25-0,57).

Rothwell versteht die Ergebnisse auch als einen Appell an die Bevölkerung, nach einem Schlaganfall sofort medizinische Hilfe aufzusuchen. Dies gelte insbesondere für die TIA, deren ernste Natur von vielen Patienten nicht begriffen werde, da sich die Symptome ja innerhalb eines Tages vollständig zurückgebildet haben. © rme/aerzteblatt.de

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