NewsMedizinCDK4/6-Inhibitor Abemaciclib zeigt breite Wirkung bei Krebserkrankungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

CDK4/6-Inhibitor Abemaciclib zeigt breite Wirkung bei Krebserkrankungen

Mittwoch, 25. Mai 2016

Boston – Wirkstoffe, die Cyclin-abhängige Kinasen (CDK) in Krebszellen hemmen und dadurch die Zellteilung erschweren, gelten als mögliche Kandidaten für eine Krebstherapie. Der CDK4/6-Inhibitor Abemaciclib hat in einer ersten klinischen Studie in Cancer Discovery (2016; doi: 10.1158/2159-8290.CD-16-0095) gleich bei mehreren Krebserkrankungen eine Wirkung gezeigt.

Der Zellzyklus, also die Aufeinanderfolge von Zellteilung und Ruhephase, wird in den meisten Organismen streng reguliert. Eine Schlüsselrolle haben dabei cyclinabhängige Kinasen (CDK). Bei vielen Krebserkrankungen kommt es zu Störungen, die mit einer vermehrten Aktivität der CDK 4 und 6 einhergehen. Wirkstoffe die CDK 4 und 6 hemmen, haben sich in den letzten Jahren zum Ansatzpunkt für eine neue Krebstherapie entwickelt. In den USA wurde im Februar letzten Jahres mit Palbociclib der erste CDK4/6-Inhibitor zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem, HER2-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen. Palbociclib hatte zuvor in einer klinischen Studie die Überlebenszeit der Brustkrebspatientinnen von 10,2 auf 20,2 Monate verlängert.

Im Oktober erteilte die FDA dann Abemaciclib eine „Breakthrough Therapy Designation“, die eine beschleunigte Zulassung verspricht, sofern sich in den klinischen Studien ein „Durchbruch“ abzeichnet. Abemaciclib hat eine höhere Selektivität für CDK 4 als Palbociclib, was laut Geoffrey Shapiro vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston zu einer besseren Verträglichkeit führen sollte. Außerdem passiert Abemaciclib im Gegensatz zu Palbociclib die Blut-Hirn-Schranke, so dass das Mittel auch bei Hirntumoren eingesetzt werden könnte.

Anzeige

In den letzten Jahren wurden an verschiedenen US-Zentren 225 Patienten mit Abemaciclib behandelt. Dabei konnte die Dosis auf bis zu 200 mg alle 12 Stunden gesteigert werden, ohne dass es zu schwerer Toxizität kam. Die Dosis-limitierende Nebenwirkung war eine Abgeschlagenheit (Fatigue vom Grad 3), wie das Team um Shapiro jetzt berichtet.

Im zweiten Teil der Studie wurde die Wirkung von Abemaciclib nicht nur beim Brustkrebs, sondern auch beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC), beim Glioblastom, beim Melanom und beim Darmkrebs untersucht. Bei Brustkrebs, NSCLC und Melanom wurde eine Wirkung beobachtet: So kam es bei 11 von 36 Patientinnen mit Hormon­rezeptor-positivem Brustkrebs zu einer Remission. Bei 18 weiteren Patientinnen konnte das Tumorwachstum gestoppt werden (stabile Erkrankung).

Unter den 68 Patienten mit NSCLC kam es zweimal zu einer partiellen Remission und bei 31 Patienten zu einer stabilen Erkrankung. Von den 26 Patienten mit Melanom erreichte einer eine Teilremission und sechs weitere eine stabile Erkrankung. Auch bei drei von 17 Patienten mit Glioblastom konnte das Krebswachstum gestoppt werden. Zwei haben bereits 19 beziehungsweise 23 Zyklen mit Abemaciclib erhalten.

Shapiro ist aufgrund dieser Ergebnisse zuversichtlich, dass Abemaciclib als gut verträgliches Medikament die Behandlung verschiedener Krebserkrankungen verbessern kann. Da der Wirkstoff oral verfügbar ist, können die Patienten sie als Tablette einnehmen, was eine Langzeittherapie erleichtern könnte. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. März 2019
Nürnberg – Novartis und GWQ ServicePlus haben für die Kymriah-CAR-T-Zelltherapie einen Vertrag über ein Erstattungsmodell abgeschlossen, das sich am Erfolg der Behandlung orientiert. Das haben beide
Novartis und GWQ schließen Vertrag über erfolgsorientierte Erstattung der CAR-T-Zelltherapie
4. Februar 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat seine umstrittene Prognose verteidigt, dass Krebs in zehn bis 20 Jahren besiegt werden kann. „Wir wollen den Krebs besiegen, indem wir ihn
Spahn verteidigt Äußerungen zu Fortschritten im Kampf gegen Krebs
4. Februar 2019
Seattle – Mehr als 80 % aller Krebserkrankungen bei Kindern können heute geheilt werden. Viele der eingesetzten Zytostatika sind jedoch kardiotoxisch. Einige Patienten entwickeln deshalb im
Chemotherapien schädigen das Herz von Kindern unterschiedlich stark
29. Januar 2019
Krefeld – Ein Heilpraktiker aus Moers muss nach dem Tod von drei Patienten nach einer alternativen Krebstherapie vor Gericht. Der Prozess in Krefeld beginne in zwei Monaten – am 29. März, teilte das
Prozess gegen Heilpraktiker wegen Tod von drei Krebspatienten
25. Januar 2019
Barcelona – Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein onkolytisches Virus bei einem Augentumor am Menschen klinisch getestet. Die Behandlung von 2 Säuglingen mit einem Retinoblastom erwies
Onkolytisches Virus zeigt (begrenzte) Wirkung beim Retinoblastom
4. Januar 2019
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat seinen ersten Bericht im Rahmen des sogenannten „ThemenCheck Medizin“ veröffentlicht. Diese
IQWiG-Bürgeranfragen: Musiktherapie erhöht kurzfristig Lebensqualität bei Krebserkrankungen
5. Dezember 2018
Brüssel – Das Europäische Parlament will in der kommenden Woche über das neue Forschungsprogramm „Horizont Europa“ abstimmen. Dabei soll insbesondere die Bekämpfung von Krebsarten bei Kindern
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER