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Medizin

Hirnzellen nehmen Schaden durch fraktionierte Strahlentherapie

Mittwoch, 25. Mai 2016

/dpa

Rochester – Trotz der eingeschränkten Fähigkeit zur Zellteilung könnten Hirnzellen durch eine Strahlentherapie Schaden nehmen. Im International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics berichten Forscher der University of Rochester um Michael O'Banion, dass schützende Mikrogliazellen durch die radioaktiven Strahlen nicht geschont werden (http://dx.doi.org/10.1016/j.ijrobp.2016.05.005) und dies Auswirkungen auf die Neuronen habe.

Onkologisch indizierte Strahlentherapien sind bei primären und sekundären Hirntumoren eine mögliche Therapieoption. Da Strahlentherapien vor allem schnell teilende Zellen schädigen, lag lange Zeit die Vermutung nahe, dass Neuronen weitestgehend unberührt von ihr bleiben. Diese besitzen bei Erwachsenen häufig nur eine sehr eingeschränkte Möglichkeit zur Zellteilung. Dennoch klagen viele behandelte Patienten über kognitive Störungen und Einschränkungen der Merkfähigkeit. Die Ursache dieser Symptome ist nach Angaben der Autoren unzureichend geklärt. Ärzte versuchen die Schäden durch eine sogenannte fraktionierte Bestrahlung zu reduzieren. Hierbei erhalten Patienten viele kleine Strahlendosen.

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Die Forscher untersuchten bei zehn bis zwölf Wochen alten Mäusen den Effekt einer kranialen Bestrahlung. Die Tiere erhielten entweder eine einmalige Bestrahlung mit 20 Gray oder eine fraktionierte Bestrahlung mit einer Strahlendosis von sechs mal sechs Gray. Die Wissenschaftler untersuchten im Nachgang die Gehirne der Mäuse.

Es zeigte sich, dass eine Zellvariante mit dem Namen Oligodendrozyten-Progenitorzellen (OPC) besonders durch die Bestrahlungen geschädigt wurde. Diese Vorläuferzellen differenzieren sich zu den Oligodendrozyten, welche die isolierenden Myelinscheiden der Hirne ausbilden. Die Bestrahlung sorgte außerdem dafür, dass verbliebene Progenitor­zellen verstärkt aktiviert wurden. Diese aktivierten Zellen hatten eine noch größere Sensibilität für Strahlenschäden. Dies könnte insbesondere bei fraktionierten Strahlungs­schemata von Bedeutung sein. Sowohl die einfach als auch die fraktioniert bestrahlten Mäuse zeigten eine Abnahme der weißen Hirnsubstanz.

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass eine fraktionierte Bestrahlung nicht zwangsläufig die entstehenden Schäden an der weißen Substanz verhindert. Der einzige Weg Strahlenschäden zu minimieren sei daher, die Gesamtdosis für gesundes Hirn­gewebe so gering wie möglich zu halten, meinen die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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