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Ärzteschaft

Etoposid-haltige Krebsmedikamente ab Sommer für ein Jahr nicht lieferbar

Dienstag, 24. Mai 2016

Im Himalaya-Gebirge wächst die Pflanze Podophyllum Hexandrum (Himalaya-Maiapfel).  /dpa

Berlin – Ab August dieses Jahres wird der Arzneimittelhersteller Bristol-Myers Squibb die Versorgung mit den Etoposid-haltigen Krebsmedikamenten Etopophos und Vepesid K für voraussichtlich ein Jahr unterbrechen. Das hat das Unternehmen der Deutschen Gesell­schaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) mitgeteilt.

„Es ist wichtig festzuhalten, dass die Lieferunterbrechung in keiner Weise mit der Qualität der Produkte zusammenhängt. Die eingeschränkte Verfügbarkeit der Produkte ist auf eine unerwartete Unterbrechung bei der Wirkstoffbeschaffung zurückzuführen“, erläuterte das Unternehmen auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

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Etoposidphosphat wird aus der Pflanze Podophyllum Hexandrum gewonnen, die unter das „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES)“ fällt. Diese Pflanze liefert die Substanz Podophyllotoxin, welche das Ausgangsmaterial für Etoposid ist. Es handelt sich laut dem Unternehmen um eine langsam wachsende Pflanze, die im Himalaya-Gebirge beheimatet ist, und die unter die Regularien und den Schutz von CITES fällt.

Etoposid wird als Einzelmedikation oder in Kombination bei verschiedenen Malignome eingesetzt, zum Beispiel bei Keimzelltumoren des Hodens, von kleinzelligem Lungen­karzinom, von Hodgkin-Lymphomen und hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen sowie vom Chorionkarzinom der Frau. Die Substanz spielt außerdem eine wichtige Rolle in der Hochdosischemotherapie mit autologem Stammzellersatz und in verschiedenen Protokollen in der pädiatrischen Onkologie.

DGHO warnt vor Todesfällen
„In vielen dieser Indikationen handelt es sich um kurative Therapieansätze, so dass vermeidbare Tumortodesfälle bei Fehlen der Substanzen nun auftreten könnten“, warnte die DGHO. Zwar sei über Generikahersteller alkohollösliches Etoposid verfügbar, aller­dings sei dieses für Hochdosis-Therapieprotokolle und in der pädiatrischen Onkologie wenig geeignet. In der pädiatrischen Onkologie ist nur das Etoposid-Phosphat formal zugelassen. „Dieses erneute Beispiel eines relevanten Lieferengpasses onkologischer Therapeutika zeigt einerseits die ganze Komplexität der jeweils zugrundeliegenden Ursachen, belegt aber andererseits, dass die Forderungen der DGHO nach einer vernünftigen gesetzlichen Regelung zur Sicherstellung der Versorgung aktueller denn je sind“, sagte Carsten Bokemeyer, Vorstandsvorsitzende der DGHO.

„Wir sind uns unserer Verantwortung für Patienten bewusst und arbeiten intensiv mit den relevanten Fachgesellschaften zusammen, um in dieser Zeit eine Versorgung von Patienten mit hohem therapeutischen Bedarf umfassend zu gewährleisten“, erklärte der Hersteller gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Um das sicherzustellen, sollen die Liefermengen ab sofort kontingentiert werden. Bei dem Bestellablauf sei Bristol-Myers Squibb dazu in engem Austausch mit den relevanten Apotheken. Parallel setze sich das Unternehmen dafür ein, die Produkte wieder auf den Markt zu bringen. © hil/aerzteblatt.de

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