NewsÄrzteschaftBündnis Junger Ärzte fordert bessere Berufsbedingungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Bündnis Junger Ärzte fordert bessere Berufsbedingungen

Dienstag, 24. Mai 2016

/Photographee.eu, Fotolia

Hamburg – Mit Sorge sehen die jungen Ärztinnen und Ärzte der großen deutschen Berufsverbände und Fachgesellschaften die Zukunft der Medizin in den deutschen Kliniken. Mit einem gemeinsamen Satellitensymposium im Rahmen des 119. Deutschen Ärztetages in Hamburg verwiesen das Bündnis Junger Ärzte und die Bundesärztekammer (BÄK) am Montag bei Diskussionsrunden zu den drei Themenkomplexen „Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung“, „Kind und Klinik“ sowie „Forschung und Weiterbildung“ auf die Probleme bei der künftigen Ausübung des Arztberufs.

„Wir haben den Anspruch an uns, eine moderne und menschlich zugewandte Medizin zu machen. Doch durch den zunehmenden ökonomischen Druck werden Krankenhäuser zur Prozessoptimierung gezwungen und reagieren mit Personaleinsparungen“, erklärte Matthias Krüger, Sprecher des chirurgischen Nachwuchses im Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Zwangsläufig komme es zu einer sich zuspitzenden Arbeits­verdichtung. „Ärzte dürfen nicht zum Renditefaktor verkommen“, warnte er. „Wir sind Leistungserbringer, nicht Kostenfaktoren!“

Anzeige

Zugleich bemängelte der Chirurg stellvertretend für die Nachwuchsmediziner anderer Fachrichtungen im Bündnis Junger Ärzte die unzureichende Abbildung wichtiger Aspekte im DRG-System, veraltete Technik und fehlende Infrastruktur an den Krankenhäusern sowie eine Überflutung der Ärzte mit Dokumentations- und Organisationsaufgaben. „Es muss den vorhandenen Ärzten ermöglicht werden, ihre Zeit auf ihre Kernkompetenzen zu begrenzen und nicht-ärztliche Aufgaben zu delegieren“, betonte Krüger. Er forderte eine Reform der Arbeitsabläufe, innovative Arbeitszeitmodelle sowie eine verstärkte Investition der Kliniken in effizientere IT-Systeme. „Wir müssen Medizin neu denken: interdisziplinär und multiprofessionell!“

Aufgaben umschichten
Unterstützung erhielt Krüger vom BÄK-Präsidenten Frank Ulrich Montgomery: „Das Kerngeschäft der Ärzte lässt sich nicht substituieren – wohl aber Dokumentations­aufgaben“, bestätigte er. „Wir brauchen andere Arbeits- und Finanzierungsmodelle.“ Dies fordere der Marburger Bund (MB) seit Jahren. „Wir versuchen ständig eine Ehrlichkeit in dieser Richtung in Politik und Gesellschaft anzustoßen“, betonte Montgomery.

Derzeit gebe es viele Vorschläge dafür, wie junge Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung und ihren Beruf mit Familie und Kindern vereinbaren können, jedoch viel zu wenige Maßnahmen, findet Hannah Arnold, Sprecherin der Jungen Urologen. „Das Hauptproblem liegt in den Köpfen: Die alten Hierarchien bestehen dort noch!“ Das Bündnis Junger Ärzte fordert deshalb sowohl eine strukturelle als auch eine finanzielle Förderung der Vereinbarkeit des Arztberufes mit einer Familie, Kinderbetreuungs­konzepte, die angepasst an ärztliche Arbeitszeiten sind, familienfreundliche Arbeitszeit­modelle sowie Stellenschlüssel an den Kliniken, die Schwangerschaftsvertretungen und Elternzeiten durch eine zeitnahe Einstellung von Ärzten ermöglichen.

Eine Hauptforderung der jungen Ärzte ist eine strukturierte Weiterbildung, die eine Familienplanung auch tatsächlich zulässt. „Wir brauchen eine Anerkennung auch kürzerer Weiterbildungsabschnitte“, erklärte Jürgen Konczalla, Sprecher der Jungen Neuro­chirurgen. Markus Wenning, Geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Westfalen-Lippe, zeigte Verständnis: „Die bisherige Zeitenfixierung bei der Anerkennung der Weiter­bil­dungs­zeiten ist tatsächlich eine Katastrophe“, räumte er ein. Dies werde jedoch mit der Novellierung der Weiterbildungsordnung geändert. Der Fokus solle künftig auf den erworbenen Kompetenzen liegen.

Mehr Angebote und andere Strukturen wünschen sich auch diejenigen jungen Ärztinnen und Ärzte, die sich in der Forschung engagieren. „Forschende Nachwuchsärzte sind derzeit mit deutlichen Erschwernissen konfrontiert“, kritisierte Kevin Schulte, Sprecher der Jungen Internisten in deren Berufsverband. Meist verlängere sich die Facharztweiter­bildung und führe zu einer Zusatzbelastung auf Kosten der Work-Life-Balance. „Wir brauchen eine sinnvolle und verlässliche Verzahnung von Forschungsinhalten mit der Facharztweiterbildung“, forderte er.

Das Bündnis Junge Ärzte gibt es seit drei Jahren. Verbands- und fachgesellschafts­übergreifend schlossen sich 2013 junge Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fach­richtungen zusammen, um gemeinsam für eine bessere Patientenversorgung sowie für bessere Berufs- und Arbeitsbedingungen einzutreten. Mittlerweile sind Vertreter von 16 Fachgesellschaften und Berufsverbänden in dem Bündnis vertreten. Regelmäßig finden Treffen mit den Landesärztekammern und dem MB statt. Im vergangenen Jahr veran­staltete das Bündnis ein Symposium gemeinsam mit dem Marburger Bund, den Nachwuchsärzten in der Allgemeinmedizin (JADE) und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). © ER/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER