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Medizin

Rheumatische Herzkrankheit: Ultraschall offenbart hohe Prävalenz in Endemiegebieten

Donnerstag, 2. Juni 2016

Melbourne – In Schwellen- und Entwicklungsländern sterben jährlich immer noch 233.000 bis 250.000 an den Folgen einer Rheumatischen Herzkrankheit (RHD). Die Diagnose mit einem tragbaren Echokardiographie-Gerät könnte viele unentdeckte Fälle frühzeitig aufklären. Doch die Ultraschall-Technik ist noch kein Bestandteil des öffentlichen Gesundheitswesens. Eine prospektive Studie in The Lancet Global Health (doi:10.1016/S2214-109X(16)30065-1) zeigt jetzt, wie auch Nicht-Fachkräfte in kurzer Zeit erfolgreich zu Experten gemacht werden können.

Die Forscher um Daniel Engelmann vom Royal Children’s Hospital der Universität Melbourne haben sieben Krankenschwestern von Fidschi in einem 8-wöchigen Training speziell für den Herz-Ultraschall (focused cardiac ultrasound, FoCUS) ausgebildet. Die anschließende Diagnosegenauigkeit lag über 80 %. Nur 9 von 57 Schulkindern mit RHD blieben unentdeckt. Insgesamt waren mehr als 2000 Kinder von 8 Schulen in die Studie eingeschlossen. Als Referenz diente eine Diagnose durch einen ausgebildeten Kinder-Kardiologen mit einem Standard-Ultraschallgerät.

Auch frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die Ausweitung der Diagnosestellung mittels tragbarem Echokardiographie-Gerät auf Krankenschwestern, Medizinstudenten oder Techniker erfolgsversprechend sein kann. Die RHD-Prävalenz an den untersuchten Schulen war drei bis zehnmal so hoch, als zuvor angenommen. Die Kriterien der World Heart Federation seien für diese Herangehensweise jedoch weniger praktikabel, räumt Anita Saxena vom All India Institute of Medical Sciences New Dehli in einem Lancet-Kommentar ein. Es sei zu schwierig Nicht-Fachleuten beizubringen, morphologische Fehlbildungen der Herzklappen zu erkennen. Ein einheitlicher und vereinfachter Kriterienkatalog wäre wünschenswert. Dieser sollte weniger spezifisch sein, dafür eine hohe Sensitivität haben.

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Rheumatische Herzkrankheiten, wie sie häufig bei rheumatischem Fieber auftreten, betreffen weltweit bis zu 32 Millionen Menschen. Alles beginnt mit einem bakteriellen Rachen-Infekt beim Kind mit A-Streptokokken, der mit Penicillin behandelt wird. In manchen Fällen kommt es zu einer starken Immunreaktion, so dass auch körpereigene Zellen angegriffen werden. Das führt zum rheumatischen Fieber, das ohne Antibiotika-Behandlung eine unwiderrufliche Schädigung der Herzklappen zur Folge haben kann.

Ein Großteil der Betroffenen lebt in Ländern niedrigen Einkommens. Dazu zählen etwa Sub-Sahara-Afrika, Süd-Zentral Asien, der Pazifik und die indigene Bevölkerung Australiens und Neuseelands. Zudem zeigen bis zu ein Prozent aller Schulkinder in Afrika, Asien, im östlichen Mittelmeerraum und Lateinamerika Anzeichen einer RHD. In Deutschland hingegen ist das Krankheitsbild so gut wie ausgestorben, bestätigen Experten der Deutschen Gesellschaf für Rheumatologie. Jeder Patient mit rheumatischem Fieber würde hierzulande kardiologisch untersucht. Für Pädiater und Internisten besonders interessant sei die Frage, ob Penicillin tatsächlich die Inzidenz des Rheumatischen Fiebers senkt oder, ob in der "entwickelten" Welt ein Shift des Keimspektrums vorliege. © gie/aerzteblatt.de

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