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Medizinischer Fakultätentag: Gesundheitsforschung und Medizininformatik im Fokus

Donnerstag, 26. Mai 2016

Würzburg – Einen besonderen Fokus will die deutsche Hochschulmedizin in diesem Jahr auf die Gesundheitsforschung und die Medizininformatik richten, kündigte heute Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT), zur Eröffnung des 77. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages (oMFT) in Würzburg an. Die Medizinischen Fakultäten bewegten sich derzeit in dem Spannungsfeld zwischen einerseits persis­tierenden Problemen, wie beispielsweise das der knappen finanziellen Ressourcen, die zwischen Krankenversorgung, Forschung und Lehre aufgeteilt werden müssen, und anderseits einem rasanten Wandel, wie es ihn gerade auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung gibt, sagte Kroemer.

Zentren für Gesundheitsforschung haben sich etabliert
In diesem Zusammenhang verwies der MFT-Präsident auf die mittlerweile sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, die sich in den letzten Jahren durch eine gute Kooperation von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen an 55 Standorten sehr gut etabliert hätten. Auch Otmar Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, sieht eine „erstaunlich gute Entwicklung“ der Zentren; betonte aber gleichzeitig, dass auch weiterhin noch Brücken zwischen den Einrichtungen gebaut werden müssten, um langfristige und planungssichere Programme zu etablieren. Verstärkt müsse man sich künftig auch um Modellprojekte mit der Wirtschaft bemühen. 

Georg Schütte, Staatssekretär im Bun­des­for­schungs­minis­terium (BMBF), würdigte ebenfalls die inzwischen gewachsene Zusammenarbeit der Akteure in den Zentren. „Die Basis des Vertrauens ist geschaffen. Wenn weiterhin eine solche konstruktive Koopera­tion zwischen den verschiedenen Einrichtungen besteht, wird dies den Forschungs­standort Deutschland auch international stärken“, sagte er. Das Ministerium habe jetzt  den Wissenschaftsrat gebeten, die Zentren hinsichtlich ihrer Effizienz zu begutachten sowie auch bezüglich ihrer internationalen Strahlkraft, berichtete der Staatssekretär. Die Evaluation solle Mitte 2017 vorliegen.

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Fakultäten begrüßen Fortführung der Exzellenzinitiative
Gleichzeitig wies Schütte zur Eröffnung des 77. oMFT auf das auf Einladung seines Hauses geschaffene „Forum Gesundheitsforschung“ hin, das sich im November vergangenen Jahres konstituierte und dem auch der MFT angehört. Es soll einen systematischen, organisations-übergreifenden und kontinuierlichen Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren in der Gesundheitsforschung ermöglichen und ein Beratungs­gremium für das BMBF darstellen, erläuterte der Staatssekretär.

Begrüßt wird vom  MFT zudem die jüngst von der Gemeinsamen Wissenschafts­konferenz (GWK) vorgesehene Fortführung der Exzellenzinitiative, die von den Regierungschefs von Bund und Ländern am 16. Juni beschlossen werden soll. Nach einer zweijährigen Überbrückungszeit soll das Programm, mit dem den Eckpunkten zufolge etwa 50 Exzellenzcluster und zehn Spitzenuniversitäten gefördert werden sollen, im Jahr 2019 starten. Mit dieser Vereinbarung würden Bund und Länder die durch die ersten beiden Förderrunden der Exzellenzinitiative begonnenen Anstrengungen zur Stärkung der Universitäten und des Wissenschaftsstandorts Deutschland fortsetzen. Künftig sollen sie für die Eliteuniversitäten jährlich insgesamt 533 Millionen Euro zur Verfügung stellen – wie bisher im Verhältnis von drei Viertel vom Bund zu einem Viertel von den Ländern.   

Mit der vor einer Woche von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz verabschie­deten Förderinitiative „Innovative Hochschule“ sollen zudem  kleinere und mittlere Hochschulen und Fachhochschulen sowie ihre Kooperationen untereinander und mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen gestärkt werden. Vorgesehen sind dafür bis zu 550 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Die Mittel sollen im Verhältnis 90:10 vom Bund und dem jeweiligen Sitzland getragen werden. Noch in diesem Jahr soll die Förderinitiative ausgeschrieben werden; Förderbeginn ist für 2018 vorgesehen. „Noch sind diese Förderrunden nicht in trockenen Tüchern“, warnte Schütte. Doch wenn einige strittige Punkte in den nächsten Wochen noch ausgeräumt werden könnten, würden auch diese Programme eine gute Chance für die Gesundheitsforschung darstellen.

Es wäre schade, wenn kurz vor Toresschluss eine so gute Initiative wie die neue Exzellenzinitiative noch gefährdet wäre, sagte Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und hofft auf eine positive Entscheidung der Regierungschefs von Bund und Ländern am 16. Juni. Durch die laufende Exzellenzinitiative sei viel erreicht und eine neue Dynamik an den Universitäten angestoßen worden, erklärte sie. Gleichzeitig betonte sie, dass auch der neue Wettbewerb wie bisher wissenschaftsgeleitet durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft organisiert werden wird.

Medizininformatik: Noch zu viele Daten ungenutzt
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des MFT soll in diesem Jahr auf der Medizinin­formatik liegen. „Sowohl in der Krankenversorgung als auch in der Forschung sind noch viele Daten ungenutzt“, sagte Kroemer. „Wir könnten bessere Behandlungsstrategien finden, wenn wir diese zusammenführen und auswerten würden.“ Dazu seien intelligente Lösungsstrategien erforderlich, die über die einzelnen Standorte hinausgehen.

Kroemer begrüßte in diesem Zusammenhang das Förderkonzept des BMBF zur Medizininformatik: „Es ist geeignet, solche Lösungen zu finden“, sagte der MFT-Präsident. Das Förderkonzept zur Medizininformatik, in dessen Fokus die Universitätskliniken stehen, hatte das BMBF im November 2015 erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Sein Ziel ist es, die Patientenversorgung und die Forschungsmöglichkeiten durch innovative IT-Systeme zu verbessern.

Morgen wollen die Dekane der Medizinischen Fakultäten beim 77.oMFT in Würzburg die Zukunft des Medizinstudiums im Rahmen des „Masterplans Medizinstudium 2020“ diskutieren.  Insbesondere soll es dabei um die Möglichkeiten der Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium gehen.

© ER/aerzteblatt.de

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