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Medizin

Einige Krebsarten bei Teenagern häufiger tödlich als bei Kindern

Samstag, 28. Mai 2016

dpa

Mailand – Teenager und junge Erwachsene überleben Krebserkrankungen in der Regel häufiger als jede andere Altersgruppe. Bei acht Krebserkrankungen ermittelt eine Analyse europäischer Krebsregister in Lancet Oncology (2016; doi: 10.1016/S1470-2045(16)00162-5) jedoch eine schlechtere Prognose als bei Kindern, was damit zusammenhängen könnte, dass sich weder Pädiater noch Onkologen zuständig fühlen.

Epidemiologen des Istituto Nazionale Tumori in Mailand und des Istituto Superiore di Sanità in Rom analysieren regelmäßig die europäischen Krebsregister, um Trends in der Häufigkeit und der Sterblichkeit von Krebserkrankungen aufzuspüren. Die jüngste Untersuchung der EUROACRE 5-Gruppe beschäftigt sich erstmals mit Krebser­krankungen bei Teenagern und jungen Erwachsenen (AYA).

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Auf den ersten Blick ist die Prognose gut. Im Zeitraum 2005 bis 2007 haben 82 Prozent aller Krebspatienten im Alter von 15 bis 39 Jahren die Krebserkrankungen (mindestens um 5 Jahre) überlebt, wie Annalisa Trama, Mailand, und Mitarbeiter recherchiert haben. Dies ist sogar eine Verbesserung gegenüber dem Zeitraum 1999-2002, als die 5-Jahresüberlebensrate noch bei 79 Prozent lag. AYAs überleben den Krebs damit häufiger als Kinder (0 bis 14 Jahre): Hier stieg die 5-Jahresüberlebensrate in der gleichen Zeit von 76 auf 79 Prozent an.

Auf den zweiten Blick finden sich jedoch acht Krebserkrankungen, die bei AYA eine niedrigere 5-Jahres-Überlebensrate haben als bei Kindern. Dies sind die akute lymphatische Leukämie (55,6 versus 85,8 Prozent), die akute myeloische Leukämie (49,8 versus 60,5 Prozent), das Hodgkin-Lymphom (92,9 versus 95,1 Prozent), Non-Hodgkin-Lymphome (77,4 versus 83,0 Prozent), das Astrozytom (46,4 versus 61,9 Prozent), das Ewing-Sarkom (49,3 versus 66,6 Prozent), das Rhabdomyosarkom (37,8 versus 66,6 Prozent) und das Osteosarkom (61,5 versus 66,8 Prozent).

Die Gründe für die schlechtere Prognose kann Trama nicht klären. Es ist durchaus denkbar, dass sich die Biologie der Krebserkrankungen unterscheidet und die Tumore bei AYA per se eine schlechtere Prognose haben. Vorstellbar ist aber auch, dass die Krebserkrankungen bei AYA später erkannt werden als bei Kindern und dass die Behandlung weniger gut anspricht.

Es könnte jedoch auch ein strukturelles Problem vorliegen. Für die meisten Krebser­krankungen bei Kindern gibt es heute klare Leitlinien. Bei AYAs ist dies nicht unbedingt der Fall. Bei vielen Patienten ist unklar, ob sie von pädiatrischen Onkologen oder von Fachärzten für Krebserkrankungen im Erwachsenenalter behandelt werden sollten.

Eine weitere Auffälligkeit sind die im Vergleich zu älteren Erwachsenen schlechteren 5-Jahres-Überlebensraten bei Brustkrebs (83,5 versus 87,0 Prozent) und beim Prostatakarzinom (79,9 versus 89,8 Prozent). Beim Brustkrebs könnte die Beschrän­kung des Screenings auf ältere Frauen eine Rolle spielen. Prostatakrebs wird, weil er bei jüngeren Menschen extrem selten ist, vielleicht oft erst spät erkannt. Dies sind allerdings Spekulationen, da Trama nur die Erkrankungen als Ganzes betrachtet und keine Informationen über die Stadien der Erkrankungen ermittelt hat. © rme/aerzteblatt.de

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