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Nicht-allergene Substanzen aus Pollen verstärken Immunreaktion

Dienstag, 31. Mai 2016

/dpa

München – Beim Kontakt mit der Nasenschleimhaut setzen Pollen nicht nur Allergene frei, sondern auch zahlreiche andere Stoffe. „Diese nicht-allergenen Bestandteile von Pollen beeinflussen die Reaktion des Körpers maßgeblich“, berichten Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz-Zentrums München in der Zeitschrift Clinical and Experimental Allergy.

Dafür filterten die Forscher um Claudia Traidl-Hoffmann die Stoffwechselprodukte von Birkenpollen, so dass nur noch nicht-allergene niedermolekulare Substanzen in dem Extrakt enthalten waren, also Stoffe mit besonders kleinen Molekülen.

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Für die Untersuchung haben die Forscher verschiedene Kombinationen aus Allergen und niedermolekularen Substanzen mit einem Prick-Test auf der Haut von Pollen-Allergikern getestet. Außerdem verabreichten sie den Testpersonen einige der Mischungen auch über die Nase.

Beim Prick-Test und bei der Aufnahme über die Nase waren die Reaktionen deutlich stärker, wenn nicht nur das Allergen, sondern zusätzlich auch die niedermolekularen Substanzen verabreicht wurden. Über die Nase aufgenommen sorgte die Mischung für starke Schleimbildung, und der Körper der Testpersonen bildete zahlreiche Antikörper. Bei Allergikern, an denen nur die niedermolekularen Substanzen getestet wurden, zeigte sich keine Wirkung.

Auffällig war, dass das Extrakt aus Birkenpollen nicht nur bei Testpersonen eine Reaktion auslöste, die empfindlich auf das Birken-Allergen reagieren. Die Wirkung zeigte sich auch bei Menschen, die gegen Gräserpollen allergisch waren und das entsprechende Allergen in Kombination mit dem Birkenpollen-Extrakt über die Nase erhielten. „Die entzündliche Wirkung der niedermolekularen Bestandteile ist ein unspezifischer Effekt, der nicht mit einem bestimmten Allergen zusammenhängt“, erläutert Traidl-Hoffmann.

Die Erkenntnis, dass auch nicht-allergene Substanzen in Pollen großen Einfluss auf die Reaktion des Körpers haben, könnte die Behandlung von Allergien verändern. Bei einer spezifischen Immuntherapie verabreichen Ärzte im Augenblick eine Flüssigkeit, die Pollen mit allen Bestandteilen enthält. Dadurch geraten auch Stoffe wie die in der aktuellen Studie untersuchten niedermolekularen Substanzen in den Organismus. „Derzeit schlagen nur 60 bis 70 Prozent der Hyposensibilisierungstherapien an“, so Traidl-Hoffmann. Ein Grund dafür könnten nicht-allergene aber entzündungsfördernde Inhaltsstoffe sein, die sich negativ auf die Behandlung auswirkten. © hil/aerzteblatt.de

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