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Medizin

Warum Nickel im Mund seltener Allergien verursacht

Dienstag, 31. Mai 2016

Bonn – Zahnspangen könnten das Risiko einer Nickelallergie verringern. Das berichten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn im Journal of Allergy and Clinical Immunology (2016; doi: 10.1016/j.jaci.2016.03.036). Etwa 15 bis 20 Prozent der deutschen Frauen und fünf Prozent der deutschen Männer reagieren auf Nickel allergisch. Damit gilt das Metall als häufigste Ursache für Kontaktallergien.

Auch Zahnspangen enthalten Nickel und können Nickelionen freisetzen. Die Schleimhaut der Mundhöhle scheint dies jedoch nur selten zu beeinträchtigen. „Bei kieferorthopä­dischen Behandlungen im Mundraum beobachten wir so gut wie nie Entzündungsre­aktionen oder Ekzeme“, erklärte Lina Gölz, Oberärztin und Habilitandin der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Bonn. Als Grund vermuteten viele Wissen­schaftler bislang, dass im Mundraum andere Typen von Immunzellen arbeiteten. Diese würden auf das Metall weniger aggressiv reagieren als ihre Pendants in der Haut.

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Laut der Bonner Arbeitsgruppe liegt es aber vielmehr an den Fibroblasten der Mund­schleimhaut – also Bindegewebszellen – die sich offenbar anders verhalten als die der äußeren Haut. Danach produzieren Hautzellen bei Kontakt mit Nickel Interleukin-1β, ein starkes Entzündungssignal – 20fach mehr, als es die Mundschleimhautzellen unter identischen Bedingungen tun. Gleichzeitig wird durch Botenstoffe der Haut die körper­eigene Immunabwehr aktiviert. In der Mundschleimhaut werden dagegen laut den Wissenschaftlern andere Botenstoffe freigesetzt. Sie hemmen entzündliche Prozesse und die massive Einwanderung von Immunzellen.

Interessanterweise scheint eine kieferorthopädische Behandlung – etwa mit einer festen Zahnspange – die Entstehung einer Nickelallergie zu verhindern. Das konnte Gölz durch eine Analyse bereits veröffentlichter Studien zeigen. Dieser protektive Effekt war vor allem bei Menschen zu beobachten, die sich erstmals ein Piercing setzen ließen, nach­dem sie sich einer kieferorthopädischen Behandlung unterzogen hatten. „Schon die geringen Nickelmengen, die von den Spangen konstant in den Mundraum abgegeben werden, scheinen das Immunsystem zu desensibilisieren“, vermutet Gölz. Eine Zahnspange wirke also wie eine sublinguale Immuntherapie. © hil/aerzteblatt.de

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