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Politik

Medizintechnik: Forschung muss sich am medizinischen Bedarf ausrichten

Dienstag, 31. Mai 2016

/dpa

Berlin – Mit einem neuen Programm Medizintechnik will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft begegnen, Erwartungen an eine moderne und möglichst individuelle Medizin genügen und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten. „Forschung soll sich stärker als bisher am medizinischen Bedarf ausrichten und in anwendungsfähigen Produkten münden, die tatsächlich geeignet sind, die Gesundheitsversorgung in Deutschland und auch international zu verbessern“, erläuterte Georg Schütte, Staats­sekretär des BMBF, heute bei der Vorstellung des neuen Programms bei der vom BMBF ausgerichteten Nationalen Strategiekonferenz Medizintechnik in Berlin.

Das Fachprogramm Medizintechnik sei ein wichtiger Meilenstein, der den Paradigmen­wechsel in der BMBF-Förderung im Bereich Medizintechnik untermauere, sagte Schütte. Bereits im Entwicklungsprozess von Medizinprodukten müsse künftig erkennbar sein, dass sie die Hürden zur Integration in die Versorgung überspringen könnten. Das BMBF wolle den Unternehmen dafür den Zugang zu Versorgungswissen erleichtern. Konkret stellt das Ministerium in den nächsten fünf Jahren dafür rund 240 Millionen Euro bereit, wobei 2017 40 Millionen Euro und ab 2018 jeweils 50 Millionen Euro pro Jahr ausge­ge­ben werden sollen.

Medizintechnik ist eine der forschungsintensivsten Branchen
Das neue Fachprogramm Medizintechnik ist ein Ergebnis des nationalen Strategie­pro­zesses „Innovationen in der Medizintechnik“, den das BMBF vor fünf Jahren gemein­sam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung und der Selbstverwaltung ins Leben gerufen hat, um die Forschungs-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik zu vernetzen.

Dabei verweisen die Ministerien auf die Entwicklung der Medizintechnik: Sie ist mittlerweile eine der forschungsintensivsten Branchen, die seit Jahren überdurch­schnittliche Erfolge vorweist, die sich auf den gesamten Versorgungs­prozess von der Prävention und Diagnose über Therapie, Nachsorge und Rehabilitation bis zur Pflege auswirken.

„Das Patientenwohl ist eng an den medizinischen und technischen Fortschritt geknüpft. Innovative Medizinprodukte tragen wesentlich dazu bei, dass Menschen bis ins hohe Alter ein aktives Leben führen können und dass eine soziale Teilhabe von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen gesichert ist“, erläuterte Schütte.

„Um Erfolge zu erzielen, ist es jedoch besonders wichtig, dass Forscher, Hersteller und Anwender zusammenarbeiten und Produkte gemeinsam von der Idee bis zur Marktreife bringen“, betonte Christoph Miethke, geschäftsführender Gesellschafter der Christoph Miethke GmbH & Co KG. Nur auf diese Weise würden Wissen und Kreativität aller Beteiligten möglichst effektiv eingesetzt. Produktideen müssten von Beginn an nach ihrem Nutzen für die Patientenversorgung bewertet werden und während der Entwick­lung müsse ein stetiger Dialog mit den klinischen Anwendern aufrechterhalten werden.

„Für uns als Hersteller heißt das aber auch, dass wir den medizinischen Nutzen innova­tiver Produkte stärker belegen müssen“, sagte Miethke. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die „das innovative Rückgrat der Branche“ bildeten, könnten häufig aber den hohen Aufwand und die steigenden Kosten für klinische Studien kaum aus eigener Kraft stemmen. Eine BMBF-Förderung helfe hier sehr. Mit seiner Fördermaß­nahme „KMU-innovativ: Medizintechnik“ stelle das BMBF deshalb seit 2013 20 Millionen Euro Fördermittel pro Jahr zur Verfügung, ergänzte Schütte.

Innovationen am Versorgungsbedarf ausrichten
Schütte präsentierte eine weitere BMBF-Fördermaßnahme: den Aufbau der „Industrie-in-Klinik-Plattformen“, für den insgesamt 30 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Mit den Plattformen wolle sein Haus insbesondere dazu beitragen, dass sich neue Medizinpro­dukte entsprechend einer Empfehlung aus dem Nationalen Strategieprozess „Innovatio­nen in der Medizintechnik“ noch stärker als bisher am tatsächlichen Versorgungsbedarf ausrichten. 

„Hierfür sind industriell orientierte Infrastrukturen in Kliniknähe von beson­derer Bedeutung. Kliniker, Unternehmer und Investoren müssen vor Ort die Möglichkeit erhalten, gemeinsam innovative Produkte im klinischen Umfeld zu entwickeln und zu erproben“, erklärte der Staatssekretär. Aus 17 eingereichten Projektskizzen wählte das BMBF jetzt fünf Plattformen für die Erprobungsphase aus. Sie werden innerhalb von drei Jahren modellhaft getestet.

Industrie geht direkt in die Kliniken
Ein Markenzeichen dieser Plattformen soll es sein, dass sich nicht die Kliniker mit der Industrie wie bisher lediglich vernetzen, sondern die Industrie direkt in die Kliniken geht. Die räumliche Nähe soll es industriellen Entwicklergruppen aus der Medizintechnik ermöglichen, medizinische Expertise und die Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag in der Klinik in den Innovationsprozess zu integrieren. Der Plattformbetreiber soll hierfür die notwendige Infrastruktur, Logistik und Fachexpertise bereitstellen und auf diese Weise Innovationsprozesse in der Medizintechnik durch ein koordiniertes Zusammen­wirken von Entwicklern und Klinikern beschleunigen. © ER/aerzteblatt.de

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