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Älter werdende Bevölkerung: Anspruch an Ärzte wird steigen

Donnerstag, 2. Juni 2016

Berlin – Eine älter werdende Bevölkerung wird in den Jahren 2020 bis 2035 insbeson­dere Urologen, Augenärzte, Fachinternisten und Hausärzte zeitlich stärker in Anspruch nehmen als im Vergleichsjahr 2012. Das berichten Wissenschaftler des sogenannten Versorgungsatlas auf der Basis einer Modellrechnung für die rund 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland.

Danach wird die Beanspruchung der Urologen im Bundesdurchschnitt um 23 Prozent steigen, jene der Augenärzte um 20 und die der Fachinternisten um 15 Prozent. Für Hausärzte erwarten die Wissenschaftler eine zusätzliche Beanspruchung von durch­schnittlich neun Prozent.

Die Studie „Zukünftige relative Beanspruchung von Vertragsärzten – Eine Projektion nach Fachgruppen für den Zeitraum 2020 bis 2035“ betrachtet zehn Facharztgruppen: Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, Hausärzte, HNO-Ärzte, Fachinternisten, Kinder­ärzte, Nervenärzte, Orthopäden und Urologen. Sie zeigt eine erhöhte Beanspruchung von Facharztgruppen, die hauptsächlich an der Behandlung älterer Menschen beteiligt sind. Aufgrund der Demografie erwarten die Forscher eine im Vergleich zu heute vermin­derte künftige Beanspruchung von Kinderärzten und Frauenärzten.

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In die Analyse flossen Daten aus verschiedenen Quellen ein: eine bundesweite Ver­sicher­tenstichprobe auf Basis ausgewählter Geburtstage, die Resultate des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) sowie die sogenannten Raumordnungsprognose 2035. Um den Effekt der demografischen Entwicklung auf die künftige Beanspruchung der niedergelassenen Ärzte abzubilden, haben die Wissenschaftler angenommen, dass sich im Projektionszeit­raum weder die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen je Altersgruppe noch die hierfür jeweils durchschnittlich erforderliche ärztliche Arbeitszeit verändern.

Die Studie zeigt nicht nur bundesweite allgemeine Tendenzen, sondern gibt auch regio­nale Prognosen ab – denn der demografische Wandel in Deutschland vollzieht sich nicht einheitlich. Die wirtschaftlich starken Zuwanderungsregionen locken vor allem Jüngere an. Der Bedarf an vertragsärztlichen Leistungen wird dort vor allem aufgrund der wachs­en­den Einwohnerzahlen steigen. Setzt dort die demografische Alterung dieser Bürger ein, wachsen die Ansprüche an die ärztliche Versorgung erneut. Diesen verzögerten, aber dann umso deutlicheren Demografie-Effekt erwarten die Forscher für den Großraum München, den Großraum Berlin, sowie Regionen um Hamburg, Bonn, Frankfurt und Trier. Auch Regionen in West-Niedersachsen sowie in Teilen Baden-Württembergs werden davon betroffen sein, hieß es.

In Abwanderungsregionen steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung nach heutigen Vorausberechnungen stark an, da die jüngeren Menschen wegziehen. Aber wenn die Bevölkerungszahlen sehr stark sinken, was Experten insbesondere in Teilen der neuen Bundesländer erwarten, kann in einigen Regionen trotzdem der Bedarf an Arztzeit in der ambulanten Versorgung insgesamt zurück gehen.

„In jedem Fall führt der neue Index vor Augen, dass heutige Vorstellungen davon, welche Regionen über- oder unterversorgt sind, mit Blick auf die nahe Zukunft auf den Prüf­stand gehören“, sagte Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).

Der Versorgungsatlas ist eine Einrichtung des Zi. Ein Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung. © hil/aerzteblatt.de

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