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Ausgaben für Hepatitis-C-Medi­kamente gehen zurück

Freitag, 3. Juni 2016

Berlin – Die Ausgaben für Arzneimittel sind im ersten Quartal dieses Jahres um zwei Prozent auf neun Milliarden Euro angestiegen. Das geht aus Daten hervor, die das Dienstleistungsunternehmen IMS Health gestern in Berlin vorgelegt hat. Für den Anstieg sind insbesondere die patentgeschützten Arzneimittel verantwortlich, deren Kosten sich um 6,2 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro erhöht haben. Der Anstieg in diesem Bereich fällt allerdings geringer aus als im Jahr 2015, als die Preise für patentgeschützte Arzneimittel um 16 Prozent gestiegen waren.

Zurückgegangen sind insbesondere die Ausgaben für die hochpreisigen Hepatitis-C-Medi­kamente wie Sovaldi oder Harvoni, die zu einer weltweiten Diskussion darüber geführt hatten, wie hoch Arzneimittelpreise sein dürfen. 2015 gaben die gesetzlichen Kranken­kassen in Deutschland etwa 1,4 Milliarden Euro für diese Arzneimittel aus. Im ersten Quartal 2016 sanken die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent auf 259 Millionen Euro.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband hatten für die Jahre 2015 und 2016 einen Sonderbetrag für Arzneimittel zur Behandlung von Hepatitis C in Höhe von 1,4 Milliarden Euro festgelegt. „Die Sonderausgaben für Hepatitis C im ambulanten Bereich wurden sehr gut geschätzt“, kommentierte Dagmar Wald-Eßer, Senior Manager Health Policy bei IMS Health, bei der Vorstellung der Zahlen.

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Mehr Einsparungen durch AMNOG-Preisverhandlungen
Im ersten Quartal 2016 haben sich zudem die Einsparungen aus den Erstattungsbe­trä­gen, die gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) vom GKV-Spitzenver­band und den Herstellern verhandelt wurden, um 79 Prozent auf 257 Millionen Euro erhöht. Insgesamt betrug der Anteil der Arzneimittel, die ein AMNOG-Verfahren durchlau­fen haben, zwölf Prozent des Gesamtmarktes.

Die Marktdurchdringung variiert dabei je nach Medikament stark. Bei Tafamidis, einem Arzneimittel zur Behandlung der familiären Amyloid-Polyneuropathie vom Transthyre­tin-Typ, beträgt sie den IMS-Daten zufolgen 46 Prozent. Bei Ticagrelor, einem Thrombo­zytaggregationshemmer, dem als erstem Wirkstoff im AMNOG-Verfahren ein beträcht­licher Zusatznutzen zuerkannt wurde, beträgt er 22 Prozent und bei Belimumab, einem monoklonalen Antikörper zur Behandlung von systemischem Lupus erythematodes, beträgt die Marktdurchdringung vier Prozent.

Berechnung von Ausgaben oft politisch beeinflusst
Den Berechnungen von IMS Health liegen die Apothekenverkaufspreise abzüglich der von Herstellern und Apotheken zu leistenden Zwangsrabatte sowie abzüglich gemeldeter Rabatte aus den Erstattungsbeträgen des AMNOG-Verfahrens zugrunde. Einsparungen aus Rabattverträgen sind nicht berücksichtigt.

Frank Wartenberg, President Central Europe bei IMS Health, wies darauf hin, dass unterschiedliche Organisationen und Verbände die Arzneimittelausgaben auf unter­schiedliche Art berechneten. Die Zahlen variierten je nachdem, ob zum Beispiel auch die Impfstoffe, Verband- und Hilfsmittel in die Berechnung einbezogen wurden. Bei der Berechnung spielten dabei immer auch politische Interessen eine Rolle. „Die Bundesver­einigung Deutscher Apothekerverbände, ABDA, rechnet die Zahlen eher herunter, der GKV-Spitzenverband rechnet sie eher hoch“, sagte Wartenberg. Wegen der unterschied­lichen Interessen sei es auch schwer, sich auf eine einheitliche Art der Berechnung zu einigen.  

In Zukunft ständen sich Ausgabensteigerungen bei neuen Arzneimitteln für kleine Patientengruppen und der Rückgang der Ausgaben durch Patentabläufe oder die steigende Anzahl von Biosimilarverordnungen gegenüber, meinte Wartenberg. Für die nächsten fünf Jahre geht er von Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent aus. © fos/aerzteblatt.de

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