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IGeL: Jeder dritte Patient ohne schriftliche Vereinbarung

Mittwoch, 8. Juni 2016

Hamburg – Viele Patienten bekommen nichts Schriftliches in die Hand, wenn sie beim Arzt eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch nehmen. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Obwohl die Ärzte verpflichtet sind, die Patienten vor der Behandlung schriftlich über die Kosten zu informieren, machen dies nur 64 Prozent der Mediziner.

IGeL gehören per Gesetz nicht zum Katalog der Krankenkassen und müssen privat gezahlt werden. Generell gilt: Der Arzt ist verpflichtet, den Patienten vor Beginn der Behand­lung schriftlich über die Kosten zu informieren und mit ihm einen schriftlichen Vertrag abzuschließen. Doch offenbar verzichten viele Ärzte darauf.

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„Das hat Nachteile für beide Parteien“, sagte Karen Walkenhorst, Bereichsleiterin bei der TK. Patienten fühlten sich schlecht aufgeklärt darüber, welche Kosten entstünden. Die Mediziner wiederum könnten im schlechtesten Fall, also beispielsweise im Streitfall, ihr Honorar nicht einfordern. „Ärzte dürfen von gesetzlich Versicherten nämlich nur dann eine Vergütung fordern, wenn diese schriftlich bestätigt haben, auf eigene Kosten behandelt werden zu wollen", erklärte Walkenhorst. Was bei IGeL wichtig und zu beachten ist, haben Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundes­ärzte­kammer in einem Ratgeber für Ärzte und Patienten zusammengefasst.

Auffällig ist der Umfrage zufolge, dass Patienten mit einem hohen Einkommen häufiger auf IGeL angesprochen wurden. Danach berichten 70 Prozent der wohlhabenderen Patienten mit einem Haushaltseinkommen von mehr als 3.000 Euro, dass sie schon Angebote für individuelle Gesundheitsleistungen erhielten. Unter den Bürgern mit weniger als 1.500 Euro waren dies nur 43 Prozent.

Frauen bekommen mit 55 Prozent öfter Selbstzahlerleistungen von ihren Ärzten empfohlen, während unter den Männern nur 45 Prozent davon berichten. Professionelle Zahnreinigungen (72 Prozent), Krebsvorsorgen (46 Prozent) sowie die Augen-Früherkennung von „Grauem Star“ (44 Prozent) sind die am meisten genutzten Zusatzleistungen, die gesetzlich Versicherte aus der eigenen Tasche zahlen.

Grafik: Techniker Krankenkasse

Die Mehrheit der Versicherten (70 Prozent) sagen „Ja“, wenn ihr Arzt ihnen eine Selbstzahlerleistung anbietet. 39 Prozent machten dies schon „mehrfach“. 64 Prozent der Patienten vertrauen der Empfehlung ihres Arztes „blind“. Nur vier von zehn gesetzlich Versicherten (36 Prozent) holen sich vor der Entscheidung für eine Zusatzleistung weitere Informationen ein – unter anderem bei der Krankenkassen oder einem weiteren Arzt.

Ärzte erzielen in Deutschland mit den Zusatzleistungen jährlich laut Wissenschaftlichem Institut der AOK einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.002 Erwachsene in Deutschland befragt. © eb/kna/aerzteblatt.de

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