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Politik

„Man kann die Lieferengpässe nicht wegregulieren“

Montag, 6. Juni 2016

/dpa

Berlin – Der Pharmaverband Pro Generika hat eine Kampagne gestartet, mit der er „für die gesetzliche Umsetzung der Vorschläge“ werben will, die er im Pharmadialog unter­breitet hat. Im Pharmadialog hatten sich Vertreter des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) und anderer Ministerien unter anderem mit Vertretern der Arzneimittelindustrie und der Wissenschaft getroffen, um über die Zukunft der Pharmabranche in Deutsch­land zu sprechen. Die im Abschlussbericht zusammengeführten Vorschläge bilden die Grund­lage für den nun beginnenden Gesetzgebungsprozess.

Konkret wurde im Generikabereich eine Frist von sechs Monaten zwischen dem Ab­schluss eines Rabattvertrages und dem Beginn der Lieferung der Generika verab­redet. Zugleich erklärten die Dialogpartner, dass „sich die Rabattverträge im Bereich der patentfreien Arzneimittel insgesamt bewährt“ hätten. Allerdings wolle man sich in Gesprächen mit den Krankenkassen für Mehrfachvergaben bei Rabattverträgen „einsetzen“, also dafür, dass eine Krankenkasse Rabattverträge mit mehreren Herstellern abschließt. Dadurch sollen Lieferengpässe vermieden werden.

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Abschaffung der Rabattverträge nicht durchsetzbar
„Wir sind in den Pharmadialog nicht mit der Forderung hineingegangen, die Rabatt­ver­träge abzuschaffen. Denn das ist nicht durchsetzbar“, erklärte der Vorstandsvor­sitz­ende von Pro Generika, Wolfgang Späth, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. „Wir haben uns realistische Ziele gesetzt, die auch von anderen Akteuren wie den Apothe­kern unterstützt werden, zum Beispiel die Mehrfachvergabe.“ Absolut sinnvoll sei es auch, den Herstellern einen Vorlauf für die Produktion von sechs Monaten zu gewähren.

Zum Thema Lieferengpässe wurde in dem Abschlussbericht ein „Jour Fixe“ verabredet, bei dem „unter Beteiligung der Bundesoberbehörden und Fachkreise die Versorgungs­lage beobachtet und bewertet“ werden soll. Eine gesetzliche Pflicht für die Hersteller, einen drohenden Lieferengpass zu melden, wie es zum Beispiel die Arzneimittelkom­mis­sion der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) fordert, wurde im Pharmadialog nicht verabredet. So bleibt es voraussichtlich dabei, dass die Hersteller weiterhin selbst entscheiden können, ob sie einen drohenden Lieferengpass melden wollen oder nicht.

Kliniken dürfen Generika nicht zu kurzfristig bestellen
Der Geschäftsführer von Pro Generika, Bork Bretthauer, findet die Forderung nach einer Meldepflicht zwar nachvollziehbar. „Um Lieferengpässe zu vermeiden, geht es zunächst um die Frage der Information: Die Akteure im System sollten informiert sein, wenn ein Arzneimittel nicht lieferbar ist“, betonte er. „Dadurch ändert man aber nichts am Versor­gungs­geschehen.“ Daher brauche man vor allem ein gutes Engpassmanagement und eine Analyse der Ursachen der Engpässe. Hier sieht er auch die Krankenhäuser in der Verantwortung.

„Wenn Krankenhäuser ihre Lagerkapazitäten zurückfahren und dann kurzfristig ein dringend benötigtes Medikament bestellen, funktioniert das nicht“, sagte Bretthauer. Zudem dürften keine Rabattverträge für versorgungskritische Medikamente abge­schlossen werden.

Verantwortung liegt auch bei den Herstellern
Auch die Generikahersteller seien aber in der Verantwortung, ihren Teil zur Vermeidung von Lieferengpässen beizutragen, betonte Späth. Deshalb lagerten diese ihre Medika­mente laut einer McKinsey-Studie auch für durchschnittlich 60 bis 90 Tage. „Das ist schon sehr viel“, meinte Späth. „Wenn wir die Lagerzeit noch ausweiten sollen, um Lieferengpässen entgegenzuwirken, muss man auch über die Kosten dieser zusätzlichen Lagerhaltung sprechen.“

Die Verantwortung für Lieferengpässe ende für die Hersteller darüber hinaus „an den harten Grenzen der wirtschaftlichen Realität“. Er könne daher die Hersteller verstehen, die sich aus dem Markt zurückziehen, wenn sie mit der Produktion eines Generikums kein Geld mehr verdienen könnten. „Wenn das passiert, kommunizieren wir das aber ein Jahr vorher“, sagte Späth.

Politik an Ergebnisse erinnern
„Die Lieferengpässe kann man nicht wegregulieren“, meinte Bretthauer. „Es macht auch keinen Sinn, wenn Behörden Herstellern vorschreiben, dass sie bestimmte Arzneimittel produzieren müssen. Wichtig ist, dass wir miteinander über Engpässe reden und dann gemeinsam an den Ursachen von Engpässen ansetzen. Bei Generika ist das auch der Kostendruck. Das sollte bei dem Jour Fixe geschehen.“

Die Kampagne von Pro Generika umfasst Plakate „an ausgewählten Standorten“ in ganz Deutschland sowie eine Internetseite. Ziel ist es, „die Politik freundlich an die Ergebnisse des Pharmadialogs zu erinnern und für die gesetzliche Umsetzung der Vorhaben zu werben“, wie Späth erklärte. Nach der Sommerpause will sich der Bundestag mit diesem Thema befassen. © bee/fos/aerzteblatt.de

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