NewsMedizinInfektionen: Wann Kinder oder Schüler zuhause bleiben sollten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Infektionen: Wann Kinder oder Schüler zuhause bleiben sollten

Dienstag, 7. Juni 2016

dpa

Stockholm – Derzeit gibt es keine einheitlichen europäischen Regelungen zum Umgang mit Kindern oder Schülern, die an ansteckenden Erkrankungen leiden. Als Vorbereitung für eine Leitlinie hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) eine Übersicht über 30 Infektionskrankheiten vorgelegt.

Ob eine einzelne Erkrankung eine Epidemie in Kita, Kindergarten oder Schule auslöst, hängt von der Infektiosität und der Dauer der Ausscheidung ab. Auch die Inkubationszeit vor Auftreten der ersten Symptome ist für die Entscheidung, wie lange ein Kind zuhause bleiben sollte, von Bedeutung. Für einige Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Keuchhusten, Röteln und Windpocken scheint ein Ausschluss nicht effektiv zu sein. In allen Untersuchungen, die der Report nennt, konnte eine Ausbreitung durch die Exklusion des erkrankten Kindes nicht verhindert werden. Zu den Impfstoffen scheint es hier keine wirkliche Alternative zu geben.

Anzeige

Bei gastrointestinalen Viruserkrankungen wie Noro- oder Rotavirus scheint dies schon eher möglich zu sein. In den Studien, die der Report zitiert, mussten die Einrichtungen jedoch häufig über mehrere Tage geschlossen und gründlich gereinigt werden, um die Epidemie zu stoppen. Erkrankte Kinder wurden frühestens 24 Stunden nach der letzten Episode der Erkrankung wieder in die Einrichtung gelassen.

Kinder mit Hepatitis A sollten ausgeschlossen werden, wenn die Erkrankung vollständig abgeklungen ist. Auch hier sollte es dank der Impfung eigentlich keine Epidemien mehr geben. Bei E. coli und anderen bakteriellen Infektionen ist es laut den Studien sinnvoll, zwei oder drei negative Stuhlproben zu fordern, bevor das Kind wieder in die Einrichtung gelassen wird.

Interessant sind die Ergebnisse zur Influenza. Bei einer schweren Grippewelle mit einer Erkrankung von mehr als 10 Prozent der Schüler hat die konsequente Schließung der gesamten Schule für ein oder zwei Tage in Studien tatsächlich einen Effekt erzielt. Bei Scharlach oder einer Streptokokken-Infektion wird häufig geraten, die Kinder über ein bis zwei Tage vom Unterricht fernzuhalten. Beim Scharlach war diese Strategie – trotz Antibiotikabehandlung – nicht immer effektiv.

Für viele andere Erkrankungen, etwa Drei-Tage-Fieber, Erythema infectiosum, RSV-Infektionen oder auch das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es kaum Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien. Auch hinsichtlich der Inkubationszeiten, der Dauer der Infektiosität oder der Dauer der Ausscheidung bestehen bei vielen Erkrankungen noch große Wissenslücken. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. September 2019
Berlin – Ein Migrationshintergrund ändert an der allgemeinen gesundheitlichen Lage von 11- bis 17-Jährigen in Deutschland nichts. Das geht aus neuen Daten zum Gesundheitszustand von Kindern und
Migrationshintergrund macht keinen Unterschied beim Gesundheitszustand
19. September 2019
Hannover – Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas ist einer Mitteilung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zufolge innerhalb von zehn Jahren um ein Drittel gestiegen. Er habe sich
KKH sieht starken Anstieg bei adipösen Kindern
19. September 2019
Stuttgart – Mit steigendem Alter ihrer Kinder nehmen Eltern Vorsorgeuntersuchungen für den Nachwuchs seltener in Anspruch. Das geht aus einer Auswertung der Versichertendaten der AOK Baden-Württemberg
Ältere Kinder seltener bei Vorsorgeuntersuchungen
17. September 2019
Moskau – Bei einer Explosion und einem anschließenden Brand ist ein russisches Labor für Biowaffen beschädigt worden. Es bestehe jedoch keine Gefahr durch das Unglück in der Anlage in Sibirien, in der
Explosion in Biowaffenlabor in Russland
16. September 2019
Jena – Sportmediziner machen sich für ein neues Schulfach „Gesundheit“ stark. Grund dafür sei, dass viele Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Bewegungsmangel, Übergewicht und
Sportmediziner mahnen mehr Bewegung für Schüler an
13. September 2019
Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat einen Wegeweiser zur Stärkung der Kindergesundheit veröffentlicht. Die Broschüre ist im Rahmen eines Fachdialoges zwischen mehr als 45
Wegeweiser soll Marschrichtung zu besserer Kindergesundheit vorgeben
12. September 2019
London – Die Einführung von Maßnahmen zur Infektionskontrolle hat auf Intensivstationen in England, Wales und Nordirland innerhalb weniger Jahre zu einem Rückgang von positiven Blutkulturen um fast 80
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER