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Politik

Schmerzversorgung „zentrales gesundheits­politisches Anliegen“

Dienstag, 7. Juni 2016

/dpa

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) hat die flächendeckende und bedarfsgerechte medizinische Versorgung von Menschen mit chronischen Schmer­zen als „ein zentrales gesundheitspolitisches Anliegen“ bezeichnet. Für Patienten, bei denen Schmerz zu einer eigenständigen Krankheit geworden ist, sei eine „besondere schmerztherapeutische Versorgung“ erforderlich, sagte Gröhe am Dienstag anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz.

Es sei von großer Bedeutung, dass alle Beteiligten und die verschiedenen medizi­nischen Fachgebiete dafür zusammenarbeiteten, so der Minister. Gröhe wies darauf hin, dass die gemeinsame Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen in der Pflicht seien. „Sie sollen für eine bedarfsgerechte Versorgung und eine angemessene Vergütung der ärztlichen Leistungen sorgen.“

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Flickenteppich in der Versorgung
Der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Michael Schäfer, bemängelte eine starke Unter- und Fehlversorgung von chronischen Schmerzpatienten. „Zwar hat die Gesundheitspolitik, beispielsweise mit der Resolution der jüngsten 88. Gesundheits­minis­terkonferenz der Länder, wichtige Zeichen gesetzt, doch insgesamt bleibt viel zu tun“, erklärte er am Dienstag vor Journalisten.

Schäfer sprach von einer „Patchwork-Landschaft“ in Deutschland, der Grat der Versor­gung sei regional sehr unterschiedlich. Problematisch seien darüber hinaus lange Warte­zeiten auf einen Termin beim Spezialisten. Der Grund sei, dass es zu wenige Schmerzex­perten gebe, die Betroffene behandeln könnten. Schäfer wies darauf hin, dass die Schmerz­gesellschaft derzeit an Richtlinien arbeite, um mehr Know-how in die Primär­ver­sorgung zu bekommen.

Es gehe darum, für die Schmerzversorgung relevantes Fachwissen vor allem an die in der Grundversorgung tätigen Kollegen zu vermitteln. Dem Präsidenten der Schmerzge­sellschaft zufolge seien etwa Allgemeinmediziner oftmals mit den spezifischen Anforde­rungen überfordert. Dieses Defizit führe auch dazu, dass viele Patienten zu spät zu Spezialisten überwiesen würden.

Ökonomischer Druck problematisch
Ursula Marschall, Leiterin der Abteilung Medizin und Versorgungsforschung der Barmer GEK, hob hervor, dass zwischen Akutschmerzen und chronischen Schmerzen zu unter­scheiden sei. „Chronische Schmerzpatienten benötigen eine komplett andere Versor­gung“, sagte sie. Sorgen macht sich die Fachärztin für Anästhesie/Schmerzmedizin unter anderem um die Qualität der stationären, multimodalen Schmerzthera­pie. Sie unter­strich, dass die Behandlungszeiten immer kürzer würden. Eine Therapie, die auf Verhal­tens­änderung setze, benötige aber Zeit.

Die Medizinerin stellte klar, dass seit diesem Jahr multimodale Schmerztherapien im Krankenhaus, die mindestens 14 Tage dauern, deutlich besser vergütet werden als bisher. Es gebe damit keinen Grund mehr, aus ökonomischen Motiven die Verweildauer dieser Patienten zu reduzieren. Schäfer betonte ebenfalls, dass der ökonomische Druck dazu führe, dass die Qualität der medizinischen Versorgung nachlasse. Er forderte einen Qualitätsindikator „Schmerz“, um die Arbeit der Einrichtungen besser vergleichen und bewerten zu können.

Mehr Pain Nurses in Pflegeeinrichtungen
Aus Sicht von Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), sollte auf Schmerzpatienten in Pflegeheimen ein besonderes Augenmerk gelegt werden. 46 bis 63 Prozent aller Bewohner litten im Zeitraum einer Befragung an Schmerzen, sagte er. Davon 45 Prozent sogar „in Ruhe“. Wagner mahnte an, die Versorgung von Schmerzpatienten in der Ausbildung stärker zu verankern. Er forderte zudem mehr Pflegefachpersonal – wie Pain Nurses – in Pflegeheimen, das auf chronische Schmerzen spezialisiert ist.

Erhebungen der Barmer GEK zufolge gibt es in Deutschland rund 3,25 Millionen Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden. Rund 655.000 wurden laut Bundes­gesundheitsminister im Jahr 2014 ambulant therapiert. An der vertragsärztlichen, qualitätsgesicherten ambulanten Versorgung nahmen zuletzt bundesweit 1.102 Ärzte teil. 381 von ihnen behandelten ausschließlich Schmerz­patienten. Nach Angaben der Barmer GEK benötigen rund zehn Prozent (300.000 Menschen) der chronischen Schmerzpa­tienten eine multimodale Schmerztherapie. 2014 wurden aber nur 61.000 entsprechend versorgt.

Der Aktionstag gegen den Schmerz findet immer am ersten Dienstag im Juni statt. Heute gab es Aktionen und Vorträge in bundesweit rund 300 Praxen, Kliniken, Apotheken und Pflegeeinrichtungen. © may/afp/aerzteblatt.de

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