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Medizin

Parkinson: Gendefekt weist auf unbekannte Pathogenese hin

Donnerstag, 9. Juni 2016

Chicago – Ein Gendefekt, der in den Nervenzellen den präsynaptischen Transport von Dopamin stört, hat in einer Familie zu einer Häufung von Parkinson-Erkrankungen geführt. Die Forscher hoffen in Nature Genetics (2016; doi: 10.1038/ng.3589), dass die neuen Einblicke in die Pathogenese zu neuen Therapieansätzen führen werden. 

Der Morbus Parkinson ist nach dem Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurode­generative Erkrankung. Die Ursache ist ein Untergang von dopamin-produzierenden Neuronen in der Pars compacta der Substantia nigra. Der fehlende Neurotransmitter lässt sich zu Beginn der Erkrankung durch L-Dopa substituieren. Im Verlauf der Erkrankung kommt es jedoch zum zunehmenden Untergang von Hirnzellen, in denen sich häufig sogenannte Lewy-Körperchen finden.

Sie bestehen unter anderem aus dem Protein alpha-Synuclein, dessen Erbinformation im Gen SNCA gespeichert ist. Mutationen in SNCA waren bisher eine von zwei bekannten genetischen Ursachen des Parkinson-Syndroms. Die andere sind Mutationen im Gen LRRK2. Es kodiert eine Serin/Threoninkinase, deren Funktion nicht genau bekannt ist.

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Das dritte Gen TMEM230 auf dem kurzen Arm des Chromosoms 20, das Han-Xiang Deng von der Feinberg School of Medicine in Chicago und Mitarbeiter jetzt mit der Erkrankung in Verbindung bringen, enthält die Information für das gleichnamige Protein. Die Forscher konnten das Protein in der Membran der präsynaptischen Vesikel lokalisieren, die den Neurotransmitter Dopamin zum synaptischen Spalt transportieren. Ein Gendefekt, den die Forscher bei 13 von 65 Mitgliedern einer Familie fanden, führt dazu, dass die Vesikel den synaptischen Spalt nicht erreichen und damit kein Dopamin freisetzen. Es liefert damit eine plausible Erklärung für den Dopaminmangel.

Die Forscher konnten TMEM230 auch in den Lewy-Körperchen nachweisen. Offenbar verhindert der Gendefekt, dass die Vesikel recycelt werden. Ihre Ablagerung in den Zellen könnte dann schließlich den Untergang der Zellen herbeiführen. Die Studie liefert nicht nur neue Einblicke in die Pathogenese des Morbus Parkinson, sondern auch neue Therapieansätze. Wirkstoffe, die den Transport der Vesikel wieder herstellen, könnten die Symptome des Parkinson-Syndroms lindern und – was auf Dauer noch wichtiger wäre – den Untergang der Zellen verhindern.

Vor drei Jahren hat ein anderes Forscherteam in Hefezellen ein Protein gefunden, das möglicherweise diese Eigenschaften hat. Das Protein NAB2 hat in vitro den Untergang von Nervenzellen von Parkinsonpatienten verhindert. © rme/aerzteblatt.de

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