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Medizin

PREDIMED-Studie: Fette machen schlanker

Mittwoch, 8. Juni 2016

dpa

Barcelona – Eine mediterrane Ernährung, die reich an pflanzlichem Fett aus Olivenöl oder Nüssen ist, hat in einer randomisierten Studie das Körpergewicht besser gesenkt als eine fettarme Diät. Dies geht aus einer neuen Analyse der PREDIMED-Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2016; doi: 10.1016/S2213-8587(16)30085-7) hervor. 

An der „Prevención con Dieta Mediterránea“ (PREDIMED) hatten in den Jahren 2003 bis 2010 an elf Krankenhäusern in Spanien 7.447 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 80 Jahren teilgenommen. Da sie an einem Typ 2-Diabetes litten oder andere kardio­vaskuläre Risikofaktoren aufwiesen, wurde ihnen in einer der wenigen randomisierten Interventionsstudien zur Ernährungsbehandlung eine von drei unterschiedlichen Diäten angeboten.

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In der ersten Gruppe erhielten sie wöchentlich kostenlos eine Flasche Olivenöl, das sie zum Kochen benutzen sollten. Sie sollten sich mediterran ernähren, Einschränkung der Kalorienmengen gab es jedoch nicht. In der zweiten Gruppe sollten die Teilnehmer im Rahmen der mediterranen Kost täglich mindestens 30 Gramm Nüsse verzehren. Auch hier gab es keine Einschränkungen in der Energiezufuhr. Die dritte Gruppe wurde von den Diätassistenten auf eine fettarme Kost eingeschworen, die seit Jahrzehnten von Ernährungsexperten zur Vermeidung von Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen wird. 

Frühere Auswertungen der PREDIMED-Studie hatten bereits ergeben, dass Olivenöl und Nüsse den Teilnehmern halfen, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden. Auch das Krebsrisiko wurde gesenkt. Die aktuelle Auswertung von Ramon Estrich von der Universität Barcelona zeigt, dass die beiden Diäten darüber hinaus einen günstigen Einfluss auf das Körpergewicht haben, obwohl der Fettgehalt hoch war. Die Teilnehmer in der Olivenöl-Gruppe nahmen 41,8 Prozent der Kalorien über Fette zu sich. In der Gruppe mit einem erhöhten Verzehr von Nüssen betrug der Anteil sogar 42,2 Prozent, während es in der fettarmen Diät nur 37,4 Prozent waren.

Trotzdem war die Auswirkung auf das Körpergewicht unter der fettarmen Diät am geringsten. Unter der Mittelmeerdiät mit Olivenöl hatten die Teilnehmer nach fünf Jahren im Durchschnitt um 0,43 kg mehr abgenommen als unter der fettarmen Diät. Unter der nussreichen Kost war die Gewichtsreduktion im Durchschnitt um 0,08 kg höher als unter den Empfehlungen zur fettarmen Ernährung. Auch hinsichtlich des viszeralen Fettgewebes, das für das kardiovaskuläre Risiko besonders ungünstig ist, hatte die fettarme Kost das Nachsehen. Der Taillenumfang ging unter der Oliven-Öl-Kost im Durchschnitt um 0,55 cm und unter der Nussdiät im Durchschnitt um 0,94 cm mehr zurück als unter der fettarmen Kost.

Die Studie zeigt für Dariush Mozaffarian von der Tufts Universität Boston erneut, dass der Fettgehalt einer Nahrung kein sinnvoller Maßstab für die langfristigen Vorteile und Risiken einer Diät sind. Die Annahme, dass wenig Fett und wenig Kalorien in Nahrungsmitteln automatisch zur Gewichtsabnahme führen, sei schlichtweg ein Mythos. Er habe dazu geführt, dass statt gesunder Vollmilch zunehmend mit Zucker gesüßte fettfreie Milch verzehrt werde. Nahrungsmittelproduzenten hätten die gesunden pflanzlichen Öle zugunsten von fettreduzierten Produkten von zweifelhaftem Gesundheitswert gestrichen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Dienstag, 14. Juni 2016, 09:55

Presse-Schlagworte und Statistik statt seriöse Ernährungswissenschaft.

Man sollte bitte nicht verwirren, sondern "erklären".
Richtig ist, dass Zucker den Stoffwechsel deutlich mehr belastet als Fett, streng genommen gehört noch das Wort "isokalorisch" dazu, ISOKALORISCH . Es gibt nun mal kein Übergewicht ohne zu viele Kalorien.
Deshalb kann Fett noch lange nicht schlank machen!
Eine "mediterane Diät" ist was genau? Etwa Pizza? Das ist also nichts klar definiertes, eher ein Mythos.
Ein noch schlimmerer Mythos ist die "Gesundheitsförderung" von "pflanzlichem Fett" bzw. Öl.
In Oliven-Öl ist überhaupt nichts "gesundheitsförderndes" und zu viel ommega-6 Öl, sehr verbreitet in Pflanzenölen ist entzündungsfördernd, also ungesund.
Am Schlimmsten ist (industriell) "gehärtetes" Pflanzenfett, das ist eindeutig GESUNDHEITSSCHÄDLICH.
Und schließlich ist nur das ommega-3 Fett essentiell, also lebenswichtig wie ein Vitamin, da es der menschliche Stoffwechsel nicht selbst herstellen kann, wie manche Aminosäure auch und das findet man keineswegs nur in Pflanzenfetten, sondern z.B. auch in Fleisch von Grasfressern. Vor allem in Meerestieren.

Das reicht jedoch nicht zu sagen Fett macht schlank!
Schön wäre es trotzdem, wenn es dazu beitrüge, das traditionelle gesundheitsschädliche Übergewicht der Kohlenhydrate in der Ernährung zu kritisieren, woran es der DGE massiv mangelt.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 9. Juni 2016, 09:32

ESTRUCH, nicht "Estrich"!

"Effect of a high-fat Mediterranean diet on bodyweight and waist circumference: a prespecified secondary outcomes analysis of the PREDIMED randomised controlled trial" ist eine Sekundäranalyse der PREDIMED-Studie von Dr. Ramon Estruch, MD, et al. publiziert im LANCET.

Sie desavouiert erneut die leider immer noch einflussreiche Fraktion der "Fettaugenzähler" in der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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