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Medizin

USA: Regelmäßiges Screening von MSM auf Syphilis gefordert

Mittwoch, 8. Juni 2016

Washington – Ein stetiger Anstieg von Syphilis-Erkrankungen bei Männern, die Sex mit anderen Männern (MSM) haben, veranlasst die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) zur Empfehlung an alle MSM und anderen Personen mit erhöhtem Risiko, regelmäßig – vorzugsweise alle drei Monate – einen Antikörpertest durchführen zu lassen. Die Empfehlung und wissenschaftliche Begründung wurden im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 2321-2327 und 2328-2337) veröffentlicht.

Seit Anfang des Jahrhunderts steigt in den USA (wie in ähnlicher Weise auch in Deutschland) die Zahl der Syphilis-Erkrankungen. Im Jahr 2014 wurden 19.999 Diagnosen gemeldet, mehr als dreimal so viele wie im Jahr 2000. Neun von zehn Infektionen entfallen auf Männer, sechs von zehn Infektionen auf die Gruppe der MSM. Weitere Risikogruppen waren (unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung) junge Männer im Alter von 20 bis 29 Jahren sowie Afroamerikaner (Männer und Frauen). Wie in anderen Ländern ist die Prävalenz in den Städten am höchsten, in den USA kommt noch ein Süd-Nord-Gefälle hinzu.

Wem der Arzt das Screening anbieten sollte, legt die Leitlinie USPSTF nicht fest (zumal die Tests natürlich freiwillig sind). Die Gruppe der MSM dürfte aber immer dazugehören. Bei den übrigen Risikogruppen sollen die Ärzte die lokale Häufigkeit der Erkrankung beachten. Das Screening besteht aus Antikörpertests in zwei Stufen. Für die erste Stufe empfiehlt die USPSTF einen indirekten Test wie VDRL oder RPR. Sie weisen die Reaktionen des Immunsystems auf die Gewebezerstörung durch den Erreger nach. Bei einem positiven Ergebnis folgt dann ein Antikörpernachweis von Antigenen des Erregers T. pallidum - eventuell durch mehrere Tests.

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Der Aufwand ist nach Einschätzung der USPSTF gerechtfertigt, da etwa 15 Prozent aller Infektionen zu einer fortgeschrittenen Syphilis führen, deren Schäden dann nicht mehr reparabel sind. Eine Früherkennung durch ein Screening kann dies verhindern, da eine Syphilis in der Regel problemlos mit Penicillin behandelt werden kann. Eine Resistenz von Treponema pallidum ist bisher nicht bekannt.

Das USPSTF empfiehlt den betroffenen Personen, die Tests alle drei Monate wiederholen zu lassen. Die Risiken werden als sehr gering eingeschätzt. Sie bestehen in der Regel in der Möglichkeit von falsch positiven Testergebnissen. Die Verträglichkeit von Penicillin ist in der Regel gut. Die Empfehlung gelten für nicht-schwangere Erwachsene. Für schwangere Frauen hatte die USPSTF bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine Empfehlung veröffentlicht.

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in Stockholm strebt für Europa eine ähnliche Empfehlung an. Im vergangenen Jahr wurde dazu ein Guidance-Dokument veröffentlicht. Das Problem besteht darin, die Zielpersonen zu erreichen, die – außer bei einer bekannten HIV-Infektion – in der Regel aufgrund ihres jungen Alters nicht in ärztlicher Behandlung sind.

Es wird deshalb überlegt, das Screening an Orten anzubieten, die der Anbahnung sexueller Kontakte zwischen MSM dienen, wie etwa Saunen, Sexclubs oder Pornokinos. Internet oder Apps für Smartphones werden ebenfalls als Kommunikationskanäle diskutiert. Ein Handlungsbedarf besteht auch in Deutschland, wo parallel zu den USA die Neuerkrankungszahlen gestiegen sind. Im Jahr 2014 wurden dem Robert Koch-Institut 5.722 Syphilis-Fälle gemeldet. © rme/aerzteblatt.de

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