Politik

Zu viele Kinder kommen mit fetalem Alkoholsyndrom zur Welt

Donnerstag, 9. Juni 2016

Berlin – Strafen bei Drogendelikten müssten „verhältnismäßig“ sein, Kleindelikte sollten nicht „unangemessen“ ­ bestraft werden­ – generell erteilt die Bundesdrogenbeauftragte, Marlene Mortler ­(CSU) aber den Forderungen, Cannabis-Konsumenten zu entkrimina­lisieren eine klare Absage. „Die Forderung nach Legalisierung von Cannabis ist eine absolute Verharmlosung der Droge, die Psychosen auslösen kann, die Konzentrations­fähigkeit senkt und der Hauptgrund für das Aufsuchen von Drogenberatungsstellen ist“, sagte Mortler bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung heute in Berlin. Wenige Tage zuvor hatten die Vertreter des Alternativen Drogenberichts erneut die Aufhebung der Strafverfolgung Konsumierender gefordert.

Mortler wies auf die Erfolge ihrer Arbeit hin. Bei den legalen Drogen gebe es einen positiven Trend: Der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol sei seit 1980 um fast drei Liter zurückgegangen. Auch jugendliches Rauschtrinken nehme ab. Doch obwohl es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen gegeben habe, würden immer noch jedes Jahr mehr als 15.000 Fälle von Krankenhauseinweisungen aufgrund von Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren registriert.

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Fetales Alkoholsymdrom vollständig vermeidbar
Besonders am Herzen liegt der Drogenbeauftragten die Vermeidung von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. „2.000 Säuglinge kommen jedes Jahr mit dem Vollbild eines Fetalen Alkoholsyndroms (FASD) auf die Welt“, berichtete Mortler. „Dabei ist die Erkrankung vollständig vermeidbar.“ Insgesamt seien in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen von FASD betroffen. Bisher würden Menschen mit FASD häufig über lange Zeit nicht oder fehldiagnostiziert. „Wir haben deshalb eine S3-Leitlinie auf den Weg gebracht, die Ärzte und Psychotherapeuten unterstützt, FASD zu erkennen“, hob die  Drogenbeauftragte hervor.

„Beim Tabakkonsum ist die Entwicklung aus gesundheitlicher Sicht ebenfalls positiv“, betonte die Drogenbeauftragte. Zwar rauchten immer noch knapp 25 Prozent der Bevöl­kerung in Deutschland, doch der Trend sei rückläufig. Bei den 12- bis 17-Jährigen rauchten nur noch 7,8 Prozent.

Um diesen Trend weiter fortzusetzen, brauche es dringend ein umfassendes Tabak­werbeverbot, forderte Mortler. Ein im April vom Bundeskabinett beschlossener Gesetz­entwurf sieht vor, Tabakwerbung auch auf Plakaten, Litfaßsäulen und im Kino zu verbie­ten. Die Tabakindustrie ist dagegen. „Eine Lobby ist selten so aktiv wie hier“, sagte Mort­ler. Zudem würde die Branche 200 Millionen Euro im Jahr für Werbung ausgeben, die Ausgaben hätten sich seit 2006 verdreifacht.

Ausbau der Präventionsarbeit zu Folgen von Crystal-Meth-Konsum
Schließlich will die Drogenbeauftragte ihre Präventionsanstrengungen in Bezug auf Crystal Meth fortsetzen. Die illegale Droge war das Schwerpunktthema im vergangenen Jahr und auch das Thema ihrer Jahrestagung im November.

Methamphetaminabhängigkeit: Heterogene Konsumentengruppen

Die Behandlungszahlen von Crystal-Meth-Abhängigen steigen. Die Bundesdrogenbeauftragte widmete dem Thema ihre Jahrestagung. Bundesärztekammer und das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin erarbeiten einen Behandlungsleitfaden. Trotz aller Maßnahmen ist Crystal Meth in Deutschland weiter auf dem Vormarsch [...]

„Im vergangenen Jahr haben wir 500.000 Euro zusätzlich für Präventionsprojekte zu Crystal Meth zur Verfügung gestellt“, teilte Mortler mit. Gegenwärtig breite sich der Konsum von Methamphetamin nicht über die Grenzregionen zu Tschechien hinaus weiter aus. Verbreitet sei die Droge allerdings in Großstädten.

In den betroffenen Regionen sind Ärzte in Kliniken, Praxen und Einrichtungen der Sucht­hilfe jedoch zunehmend mit den Folgen des Methamphetamin-Konsums konfrontiert. Zur Unterstützung in Diagnose und Therapie liegt ganz aktuell eine S3-Leitlinie „Methamphe­ta­min-bezogene Störungen“ vor, die bis zum 23. Juni zur öffentlichen Konsultation auf der Homepage des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin bereitliegt. © pb/aerzteblatt.de

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