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Politik

Digitalisierung wird Prozesse im Krankenhaus deutlich verändern

Donnerstag, 9. Juni 2016

v.l.: Gunter Trojandt, Tomas Pfänder, Gerhard M. Sontheimer und Michael Philippi. /WISO

Berlin – Die Digitalisierung wird die Prozesse im Krankenhaus künftig deutlich verän­dern. Dieser Meinung waren Experten gestern bei der Veranstaltung „Medizin 4.0 im Krankenhaus“ auf dem Hauptstadtkongress in Berlin. „Früher ging es vor allem darum, mehr Ärzte einzustellen. Im Zuge der Digitalisierung des Krankenhauses werden dem Personal verschiedene Aufgaben abgenommen. Dann stellt sich die Frage, ob wir beim Personal noch alles so brauchen, wie es heute ist“, sagte Jens Scholz, Vorstands­vorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Bei einem Pflegemangel werde man zum Beispiel über Pflegeroboter nachdenken. Und wenn keine Ärzte mehr auf dem Land arbeiten wollten, werde man die Krankenhäuser auf dem Land irgendwann schließen müssen.

Ähnlich sei es auch im ambulanten Bereich. Für manche sei der Hausarzt hier der richtige, um die Behandlung der Patienten zu leiten. Es gebe aber auch andere, die befürworteten, Entscheidungen nach bestimmten Kriterien mit Hilfe von Computern zu fällen.

„Wenn wir zu wenige Ärzte haben, müssen wir die Prozesse verändern“
Der Wandel zu mehr Digitalisierung im Gesundheitssystem werde dann zunehmen, wenn der Druck von außen größer werde, meinte Michael Philippi, Vorstands­vorsitzender der Sana Kliniken. Ein Treiber sei dabei das Personal. „Wenn wir wegen des Fachkräftemangels keine Ärzte haben, die wir einstellen können, müssen wir beginnen, die Prozesse zu verändern“, sagte Philippi.

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Heute sei der Druck dafür offensichtlich noch nicht groß genug. Erst wenn Unter­nehmen wie Google damit begännen, Krankenhäusern ihr Geschäft wegzunehmen, würden die Krankenhäuser reagieren. Wie erfolgreich sie dabei sein würden, sei allerdings eine andere Frage. Ein dritter Treiber für den Wandel seien schließlich die Patienten. „Wenn nur fünf Prozent unserer Patienten beginnen, das Thema Digitali­sierung voranzutreiben, wird sich die Welt mit Rasanz verändern“, meinte Philippi.  

„Die jüngere Generation verwaltet ihre Gesundheitsdaten heute ganz selbst­verständlich“, betonte Tomas Pfänder von der Managementberatung Unity. „Sie nutzen Gesundheits-Apps dann, wenn sie einen Nutzen daraus ziehen können. Und wenn der Nutzen groß genug ist, werden sie auch die Sicherheitsbedenken ignorieren. Ich glaube nicht, dass wir das aufhalten können.“ An die neuen Systeme im Krankenhaus könnten diese Apps dann angedockt werden. Pfänder gab zu bedenken, dass das iPhone erst seit dem Jahr 2007 auf dem Markt sei und in sehr kurzer Zeit die Prozesse weltweit verändert habe.

„Innovationen müssen in die bestehenden Prozesse passen“
Jens Peukert von dem Krankenhausberater Lohfert & Lohfert betonte, dass eine moderne IT im Operationssaal nichts nutze, wenn sich das Krankenhaus zuvor keine Gedanken darüber gemacht habe, die organisatorischen Abläufe zu verändern. Diejenigen Krankenhäuser, die heute Probleme hätten, hätten diese Probleme nicht, weil sie die Medizin 4.0 noch nicht implementiert hätten, sondern weil sie kein gutes „Changemanagement“ eingeführt hätten. „In den letzten Jahren hatten wir weniger Erkenntnisprobleme, als Probleme dabei, Veränderungen im operativen Geschäft schnell und verbindlich umzusetzen“, sagte Peukert. „Innovationen sind toll, aber sie müssen in die bestehenden Prozesse hineinpassen.“

„Digitalisierung im Gesundheitswesen meint nicht nur Robotik. Die wird ihren Weg machen“, meinte Philippi. Interessanter sei, ob man es schaffe, den permanenten Zugang zu medizinischen Informationen innerhalb des Krankenhauses, aber auch im Austausch mit dem vor- und nachstationären Bereich, zu ermöglichen. „Mit diesem Thema tun sich die Krankenhäuser schwer, weil wir alle Kompetenzen verlieren, je zugänglicher das Wissen ist“, sagte Philippi.

Digitalisierung wird auch die Patientenakquise für die Krankenhäuser verändern
Auch Jens Scholz vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein meinte, dass IT nicht nur Telemedizin und Teleradiologie bedeute. „Es geht auch darum, die Daten, die wir haben, anders zu verwenden“, sagte er und nannte das Beispiel der stratifizierten Medizin. „Manche Patienten sprechen auf neue Krebsmedikamente an, andere haben nur die Nebenwirkungen. Wir wollen mit Hilfe von IT lernen, besser damit umzugehen, damit die neuen Methoden den Patienten helfen können.“ Firmen wie Google oder Apple falle es leichter, über diese neuen Abläufe zu reden. Wenn diese Unternehmen in den Gesundheitsmarkt kämen, könnten insofern alle davon profitieren.  

„Bisher kommen die Menschen ins Krankenhaus, wenn sie krank sind“, fuhr Scholz fort. „Unternehmen wie Google bringen ihnen nun bei, ihre Daten zu erheben, wenn sie noch nicht krank sind.“ So werde sich künftig auch die Art der Behandlung verändern. Medizin­firmen böten zum Beispiel Diabetikern an, ihren Blutzuckerspiegel kontinuierlich zu messen. Bei Problemen könne dann über das Handy automatisch ein Termin im Krankenhaus vereinbart werden. In diesem Zusammenhang werde sich auch die Patientenakquise für die Krankenhäuser ändern. 

Personalbemessung: „Das ist Planwirtschaft pur“
Gerhard M. Sontheimer von Vanguard, einem deutschen Unternehmen für Sterilgut­versorgung, kritisierte die Vorgaben der Politik: „Wer nicht den Mut hat, neue Wege zu gehen, wird in diesem System nicht bestraft. Denn viele Kommunen gleichen die Verluste kommunaler Krankenhäuser aus. Wenn diese Häuser wirklich pleitegehen könnten, hätten sie auch andere Manager, die andere Risiken eingehen und Prozesse verändern würden.“

Falsch sei es zudem, den Krankenhäusern über ein Personalbemessungssystem vorzuschreiben, wie viel Personal sie einstellen müssten. „Das ist Planwirtschaft pur“, kritisierte er.  

Auch Scholz erklärte: „Wir haben Schwierigkeiten damit, dass der Markt so reguliert ist. Die Politik hat zum Beispiel die elektronische Gesundheitskarte erfunden. Zehn Jahre später kann diese Karte den Namen der Patienten lesen. Das ist Digitalisierung, wenn sie reguliert ist.“ Wäre der Telefonmarkt in ähnlicher Weise reguliert geblieben, wäre das iPhone nicht möglich gewesen. „Politiker müssen auch einmal etwas abgeben und dem Markt überlassen, damit es schneller gehen kann“, forderte Scholz. © fos/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Montag, 13. Juni 2016, 12:59

mehr digital, heißt mehr sterben,

denn der Mensch ist wirklich nicht digital,
Krankheiten des Menschen noch viel weniger.
Solche Todesfälle durch (automatische) Befolgung von "Richtlinien" habe ich real erlebt.
Demnächst gleich über google wie in England.

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