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Neun Neugeborene in bombardierter Klinik in Aleppo nur knapp dem Tod entronnen

Donnerstag, 9. Juni 2016

Beirut – Bei den Bombardierungen Aleppos durch die syrische Luftwaffe ist es gestern in einem Kinderkrankenhaus zu dramatischen Szenen gekommen. Nach einem Einschlag vor dem Gebäude hätten die Pfleger neun Neugeborene geschnappt und seien mit ihnen in den Keller gerannt. „Es war ein schrecklicher Moment, die Kranken­schwestern sind übereinander getrampelt, um die Babys zu retten, viele begannen zu schreien“, schilderte Chefkinderarzt Hatem.

Die Aktivistengruppe The Syria Campaign veröffentlichte Hatems Schilderung am Donnerstag und gab nur seinen Nachnamen an. Bei den Bombardierungen auf den von Rebellen gehaltenen Osten Aleppos waren am Donnerstag mindestens 15 Menschen getötet worden. Die Bomben schlugen nahe von drei Krankenhäusern ein, die im Umkreis von wenigen hundert Metern liegen.

Die Pfleger im Al-Hakim-Krankenhaus sorgten sich, die Neugeborenen könnten den Trümmerstaub einatmen, sagte Hatem. „Während das Personal die Brutkästen holte, ging ich zu den Menschen im Warteraum und rief sie auf, dringend nach Hause zu gehen. Ich befahl ihnen, sofort zu gehen, weil ein zweiter Einschlag folgen könnte.“

Alle Neugeborenen überlebten den Angriff, aber die Klinik kann vorerst nicht weiterar­beiten. „Wir haben erwartet, dass es eines Tages geschehen würde, nun ist der Tag da“, sagte der Kinderarzt. In Ost-Aleppo gebe es jetzt nur noch 18 Brutkästen.

Die Al-Hakim-Klinik wurde 2012 gegründet und wird unter anderem von der Hilfsorga­nisa­tion Malteser International unterstützt. Die Einrichtung musste in den vergangenen vier Jahren aus Angst vor Bombardierungen mehrfach ihren Sitz verlegen. Jeden Monat wurden dort 3.800 Patienten versorgt.

Chefarzt Hatem kündigte an, die Klinik wieder aufbauen zu wollen, und er richtete einen verzweifelten Appell an Machthaber Baschar al-Assad und die Staatengemeinschaft. „Ich will, dass jeder Präsident sich vorstellt, eines dieser Neugeborenen wäre seine eigene Tochter oder sein Sohn.“ Was auch immer sie tun würden, sollten ihre eigenen Kinder bombardiert werden, „sie müssen es auch für andere Kinder tun“. © afp/aerzteblatt.de

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