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Politik

Krankenhäusern geht es finanziell etwas besser

Freitag, 10. Juni 2016

dpa

Berlin – Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2014 leicht verbessert. Lag die Anzahl der Krankenhäuser mit erhöhtem Insolvenzrisiko im Jahr 2013 noch bei 11,2 Prozent, sank sie im Jahr 2014 auf 10,8 Prozent. Die Zahl der Krankenhäuser mit geringem Insolvenzrisiko stieg demgegenüber von 76 auf 78 Prozent. Zudem stieg die Zahl der Krankenhäuser, die im Jahr 2014 einen Überschuss erwirtschafteten, von 70 auf 77 Prozent. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2016 hervor, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das Institute for Healthcare Business (hcb) und das Unternehmen Philips heraus­gegeben haben und der heute in Berlin auf dem Hauptstadtkongress vorgestellt wurde.

Das Insolvenzrisiko wird im Krankenhaus Rating Report mit der sogenannten Ausfallwahrscheinlichkeit gemessen. Diese gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krankenhaus innerhalb eines Jahres seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Von einem hohen Insolvenzrisiko gehen die Autoren des Reports bei einer Ausfallwahrscheinlichkeit von über 2,6 Prozent aus. Ein geringes Insolvenz­risiko haben Krankenhäuser mit einer Ausfallwahr­scheinlichkeit von unter einem Prozent. Grundlage des Reports sind 517 Jahresabschlüsse aus dem Jahr 2013 sowie 333 Abschlüsse aus dem Jahr 2014.  

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Krankenhäusern im Osten geht es besser
Wie schon in den Vorjahren, geht es den Krankenhäusern in Ostdeutschland wirtschaftlich deutlich besser als den Krankenhäusern im Westen. Während 2,2 Prozent der ostdeutschen Krankenhäuser im Jahr 2014 ein erhöhtes Insolvenzrisiko hatten, waren es in Westdeutschland 13,8 Prozent. Am besten ging es dabei den Kranken­häusern in Sachsen (keines von ihnen hatte ein erhöhtes Insolvenzrisiko), am schlechtesten in Niedersachsen und Bremen (23 Prozent mit erhöhtem Insolvenzrisiko) und Baden-Württemberg (24 Prozent).

Deutliche Unterschiede gibt es auch zwischen den Trägern. Den Krankenhäusern in privater Trägerschaft geht es dem Report zufolge am besten (3 Prozent mit erhöhtem Insolvenzrisiko), gefolgt von den freigemeinnützigen (10 Prozent) und den kommunalen (21 Prozent) Krankenhäusern. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Lage der kommunalen Krankenhäuser in Ost und West. Während 27 Prozent der kommunalen Krankenhäuser in Westdeutschland im Jahr 2014 ein hohes Insolvenzrisiko aufwiesen, lag es in Ostdeutschland bei 0 Prozent. 

„Auch kleine Häuser können sehr wirtschaftlich sein“
Sebastian Krolop von Philips Healthcare fasste weitere Trends zusammen:  „Es gibt keine Korrelation zwischen der Größe eines Krankenhauses und seiner Wirtschaft­lichkeit. Auch kleine Krankenhäuser können sehr wirtschaftlich sein.“ Auch die Lage in einer ländlichen Region sei kein Nachteil. Schwierig sei es allerdings für Krankenhäuser der Grundversorgung. Richtige Probleme hätten grundversorgende Solisten auf dem Land. „Verbünde sind wirtschaftlicher als Solisten“, fuhr Krolop fort. Nur bei den Kommunalen sei dies anders. Hier schnitten die Verbünde schlechter ab als die Solisten.

„Es gibt zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung“, heißt es weiterhin in dem Report. „Gerade ein hoher Spezia­lisierungsgrad ist jedoch in wirtschaftlicher und qualitativer Hinsicht vorteilhaft.“

Solisten in ländlicher Grundversorgung geht es schlecht
Einen Schwerpunkt im Rating Report bilden in diesem Jahr die ländlichen Grund­versorger. Davon gab es dem Report zufolge im Jahr 2014 insgesamt 231 mit einer Bettenzahl von 133 je Einrichtung. Durchschnittlich 60 dieser Betten entfielen auf Innere Abteilungen, weitere 40 auf die Chirurgie. „Die Häuser in diesem Sektor haben sich wirtschaftlich verbessert; sie stehen gar nicht so schlecht da. Das hat uns überrascht“, sagte Krolop. Die Ausfallwahrscheinlichkeit dieser Häuser lag dem Report zufolge im Jahr 2014 bei 1,27 Prozent. 2012 lag sie noch bei 1,73 Prozent. Wenn man jedoch die Lage der Solisten in der ländlichen Grundversorgung gesondert betrachte, sehe die Sache anders aus, so Krolop. Bei ihnen habe die Auswahlwahrscheinlichkeit 2012 bei 2,81 Prozent und 2014 bei 2,06 Prozent gelegen.

„Insbesondere in schrumpfenden ländlichen Regionen sollten neue Gesundheits­angebote geschaffen werden“, raten die Autoren des Reports den Leitern dieser Häuser. „Diese sollten zum einen Kapazitäten zentral und sektorenübergreifend bündeln, zum anderen durch mobile Dienste und moderne Technik die Fläche abdecken und insbesondere die Notfallversorgung sicherstellen.“

Investitionsstau bleibt hoch
Weil mehr Krankenhäuser im Jahr 2014 einen Überschuss erwirtschafteten, stieg die Zahl der Krankenhäuser, die voll investitionsfähig waren, von 52 Prozent im Jahr 2013 auf 58 Prozent im folgenden Jahr. Nach wie vor sei die Kapitalausstattung der Kranken­häuser aber unzureichend, so die Autoren des Reports. Die Häuser, die nicht inves­tierten, bauten „langsam, aber sicher ihre Unternehmenssubstanz ab“, warnte Boris Augurzky vom RWI. „Bei den Investitionen merkt man das nicht von Jahr zu Jahr. Das ist wie bei den Brücken. Jahrelang wird nicht investiert und plötzlich sind sie nicht mehr befahrbar.“

„Wenn man zu wenig investiert, baut man einen Investitionsstau auf“, so Augurzky weiter. Wenn man die Krankenhäuser in Ostdeutschland als Benchmark nehme, betrage der Investitionsstau für ganz Deutschland 28 Milliarden Euro. Dieser Betrag müsse demnach investiert werden, um deutschlandweit auf das Niveau der ostdeutschen Krankenhäuser zu kommen. „Die Investitionsfinanzierung wird ein Thema der nächsten Legislaturperiode werden“, meinte Augurzky und forderte: „Wir brauchen einen Investitionspakt zwischen Bund, Ländern und Krankenkassen.“ Dabei werde es dann auch um die Mitspracherechte bei der Krankenhausplanung gehen.  

Kostendämpfungsgesetz nach der Bundestagswahl erwartet
Die finanziellen Probleme der gesetzlichen Krankenkassen werden steigen, prognos­tizierten die Autoren des Reports. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Gesundheits­leistungen tue sich nunmehr eine „Kosten-Erlös-Schere“ auf. Es sei davon auszugehen, dass sich die beitragspflichtigen Einnahmen der Kassen in diesem Jahr um 4,3 Prozent erhöhen, ihre Ausgaben aber um 5,4 Prozent wachsen würden. „Die Finanzierungslücke dürfte sich in den kommenden Jahren und besonders in den 2020er-Jahren vergrö­ßern“, heißt es in dem Report. „Schon nach der Bundestagswahl 2017 könnte es zu Kostendämpfungsgesetzen kommen, die die derzeit stabilen Aussichten für Kranken­häuser gefährden könnten.“ © fos/aerzteblatt.de

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