NewsAuslandUN-Menschenrechts­ausschuss fordert von Irland Änderung des Abtreibungsgesetzes
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

UN-Menschenrechts­ausschuss fordert von Irland Änderung des Abtreibungsgesetzes

Freitag, 10. Juni 2016

Genf – Der UN-Menschenrechtsausschuss hat Irland die „inhumane“ Behandlung einer Schwangeren mit einem todkranken Fötus vorgeworfen und das Land zur Änderung seines restriktiven Abtreibungsgesetzes aufgerufen. Der Ausschuss veröffentlichte am Donnerstag in Genf seine Bewertung des Falles einer Irin, die im November 2011 in der 21. Schwangerschaftswoche erfahren hatte, dass ihr ungeborenes Kind wegen schwerer Erbschäden noch im Mutterleib oder unmittelbar nach der Geburt sterben würde.

Da sie in Irland keine Abtreibung vornehmen lassen durfte, reiste die Frau auf eigene Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch nach Großbritannien. Bereits zwölf Stunden nach dem Eingriff kehrte sie zurück, weil sie sich einen längeren Aufenthalt nicht leisten konnte. Die eingeäscherten sterblichen Überreste des Fötus wurden ihr „drei Wochen später unerwartet per Post zugestellt“, legte der Menschenrechtsausschuss dar.

Die UN-Experten kritisierten, dass die Frau aufgrund der Rechtslage in Irland die Abtreibung nicht „unter der Obhut von medizinischem Personal, das sie kannte und dem sie vertraute“, habe vornehmen lassen können. Das Leid der Frau sei noch dadurch vergrößert worden, dass es ihr erschwert worden sei, Informationen über ihre medizinischen Optionen zu erhalten.

Anzeige

In Irland darf medizinisches Personal zwar über Abtreibungen informieren. Es riskiert allerdings Strafen, wenn ihm dies als Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch ausgelegt wird. Dies habe „eine abschreckende Wirkung“ auf medizinisches Personal, das Mühe habe, die Unterstützung von betroffenen Frauen von der straf­baren „Förderung“ einer Abtreibung abzugrenzen. Dass Irland Abtreibungen nur erlaube, wenn nicht nur die Gesundheit, sondern das Leben der Mutter in Gefahr sind, führe zu „Diskriminierung und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung“ von Frauen, kritisierte der Menschenrechtsausschuss.

Das katholisch geprägte Land müsse daher sein Abtreibungsgesetz ändern – auch wenn dies eine Verfassungsänderung erfordere, forderte der Ausschuss. Außerdem müsse es die Frau des erörterten Falles unterstützen. Die irische Regierung hatte gegenüber dem Menschenrechtsausschuss erklärt, die Abtreibungsgesetzgebung verfolge einen „nuancierten und angemessenen Ansatz“ in einer „zutiefst moralischen“ Frage.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte vergangenes Jahr berichtet, dass seit 1971 insgesamt 177.000 Frauen und Mädchen aus Irland für eine Abtreibung nach England oder Wales gereist seien. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2020
Berlin – Fast Rücken an Rücken haben in diesem Jahr in Berlin Gegner und Befürworter eines Rechts auf Abtreibung für ihre Positionen geworben. Die Teilnehmer des alljährlichen „Marsches für das Leben“
Mit Maske und Abstand gegen Abtreibung und Suizidbeihilfe
15. September 2020
Birmingham – Eine Vorbehandlung mit Mifepriston hat in einer randomisierten Studie die Erfolgsrate einer Behandlung der verhaltenen Fehlgeburt („Missed Abortion“) mit Misoprostol deutlich verbessert.
Mifepriston plus Misoprostol mit besseren Behandlungsergebnissen bei Missed Abortion
31. August 2020
Rio de Janeiro – Brasilien hat seine strengen Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen weiter verschärft. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium erließ am vergangenen Freitag neue Vorschriften für Frauen, die die
Brasilien verschärft strenge Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen
24. August 2020
Hamburg – Das Landgericht Hamburg hat dem Betreiber der Internetseite „Babykaust“ untersagt, bei Äußerungen über die Gießener Ärztin Kristina Hänel Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust zu
Gericht untersagt Abtreibungsgegnern Äußerungen über Gießener Ärztin
21. August 2020
Hamburg – Die Gießener Ärztin Kristina Hänel wird mit ihrer Unterlassungsklage gegen den Betreiber der Internetseite „Babykaust“ wohl in weiten Teilen Recht bekommen. Die zuständige Kammer des
Holocaust-Vergleiche eines Abtreibungsgegners unzulässig
19. August 2020
Berlin – Für Schwangerschaftsabbrüche soll es künftig eine Leitlinie geben. Auf die Beratung von betroffenen Frauen wird ein verstärktes Augenmerk gelegt. Das sieht ein Konzept vor, das
Leitlinie für Schwangerschaftsabbrüche geplant
10. August 2020
Rom – Die jüngsten Pläne der italienischen Regierung, den Einsatz der Pille „RU486“ für Schwangerschaftsabbrüche auch ohne Kranken­haus­auf­enthalt zu erlauben, stoßen auf Kritik. Vorgestern hatte
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER