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Politik

Heil- und Hilfsmittel­versorgung: Kassen müssen Verzeichnis zügig überarbeiten

Montag, 13. Juni 2016

/dpa

Berlin – Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) soll verpflichtet werden, bis zum Juni 2018 ein aktualisiertes Hilfsmittelverzeichnis vorzulegen und dieses systematisch zu prüfen. Das Verfahren dazu soll bis zum Juni 2017 vom Verband vorgeschlagen werden. Das geht aus einem Referentenentwurf für das „Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittel“ hervor. Mit dem Gesetz reagiert die Bundesregierung auf die Klagen und Berichte von Versicherten über mangelhafte Qualität bei Heil- und Hilfsmitteln.

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Patienten sollen künftig eine Wahl zwischen mehreren Produkten bekommen – ohne dafür zusätzlich zu zahlen. Entweder muss der Ausschreibungsgewinner in einer Sparte eine Mindestanzahl von mehrkostenfreien Hilfsmitteln vorhalten oder die Kasse vergibt den Zuschlag an mehrere Leistungserbringer. Auch müssen Kassen Versicherte darüber informieren, welche Vertragsinhalte mit Leistungserbringern abgesprochen wurden. Mit dem Gesetz sollen die Kassen verpflichtet werden, die gesetzlichen und vertraglichen Pflichten der Leistungserbringer zu überwachen und das dazugehörige Verfahren vorzuschlagen. Außerdem sollen neben dem Preis der Produkte künftig auch andere Kriterien für den Zuschlag gelten: Vorgesehen ist, dass die Zweckmäßigkeit, der technische Wert, die Lieferbedingungen, die Organisation, die Qualifikation des betreuenden Personals sowie der Zugang der Leistung speziell für Menschen mit Behinderung zur Beurteilung herangezogen werden. In dem Gesetz wird außerdem der G-BA beauftragt, Regelungen zur Versorgung von chronischen Wunden festzulegen. © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Montag, 13. Juni 2016, 21:14

der Heilimittelkatalog war von Begin an eine Farce ...


... eine Überarbeitung erscheint zwingend notwendig. Allerdings frage ich mich als Arzt und Heilmittelverordner, warum man die Aufgabe der Überarbeitung den Gesetzlichen Krankenkassen übertragen will. Den Bedarf an indizierten Heilmittelkatalogen können doch nicht die Kassen definieren, sondern in erster Linie die, die Heilmittel brauchen, weil sie leiden, und die, die Heilmittel als therapeutisches Handwerkszeig brauchen.

Der jetzige Heilmittelkatalog ist ein einziger Offenbarungseid des mangelnden Fachwissens seiner Erbauer.

So fehlen ganze Bereiche, etwa die kardiologische Rehabilitation. Wir Verordner sind gezwungen, Pseudodiagnosen zu konstruieren, dabei kommt es darauf an, ein geschwächtes Herz zu trainieren. Es fehlt der große Bereich der Atenmtherapie. Es fehlen echte Präventionsbereiche, so ist es z.B. nicht möglich, Physiotherapie zu verordnen, um damit fragwürdige Operationen zu verhindern.

Bei den Indikatiosbeschreibungen finden sich merkwürdige Formukierungen, wie den "obligatorischen Matthiaßtest", aber es ist nicht möglich, Heilmittel im Hinblick auf konkrete Defizite zu definieren. Beispielsweise ist es nicht möglich, eine Streck- oder Beugehemmung in einem Gelenk als zu behandelndes Therapieziel zu finden.
Es fehlt an der Möglichkeit einen Befund zu Beginn zu beschreiben und in weklcher Richtung man ihn verbessert haben will.
Chronische Krankheitsbilder, wie z.B. eine Bechterew'sche Krankheit werden als Indikation für eine längerfristige Behandlung angesehen, während tatsächlich längerfristige Krankheitsbilder, Fehlhaltungen der Wirbelsäule, als kurzzeittherapeutisch eingestuft werden.
Skoliosen sind dann längerfristig behandelbar, wenn sie korsettversorgt sind. Korsettagen gelten aber als Methoden des vorletzten Jahrhunderts und sind keineswegs anstrebenswert.

Die Liste der echten Stilblüten und eines pseudomedizischen Geredes ist lang.
So werden als Indikationen und als Therapieziele "Verquellungen" der Muskulatur beschrieben und eine "Behandlung discoligamentärer Strukturen" wird in den Raum gestellt, als könne ein Therapeut damit etwas anfangen.

Dabei gäbe es durchaus Begriffe aus der Praxis, wie Dehnen, Arbeiten gegen Widerstand, postisometrische Relaxation, Querdehnen und was sonst noch alles.

Der Katalog ist erkennbar selbstgestrickt, und die innere Logik mit "Regelfällen" und Behandlungen "außerhalb des Regelfalls" ist so haarsträubend wirklichkeitsfremd, daß man als Therapeut und Verordner gezwungen ist, einen Gutteil (bei mir sind es drei Viertel!) der Verordnungen außerhalb des Regelfalls zu definieren.

Dieser Kommentar könnte seitenlag weitergehen, sich damit beschäftigen, wer die Zahl 6 für die Zahl der Erstbehandlungen eingeführt hat, und auf welchen unerklärlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen sie beruht.
Man könnte sich fragen, warum bei denselben Diagnosen bei Schmerzen Massagen und bei segmentalen Störungen Physiotherapie vorgesehen ist, warum man Massagen nicht mit Physiotherapie kombinieren kann, und warum es bei gewissen Komplexverodnungen geht.

Es istb ein Chaos und eine Unlogik, mit der wir uns tagtäglich herumzuschlegen haben. Und jetzt kommt ein "Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittel" und man will die Krankenkassen dazu herholen, wie diese Stärkung aussehen soll und nicht die tatsächlich Betroffenen?

Dr.Karlheinz Bayer
LNS

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