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Neue Vorwürfe gegen Chefarzt nach Bandscheiben-Skandal

Dienstag, 14. Juni 2016

Emden – Nach dem Skandal um Operationen mit defekten Bandscheibenprothesen am Klinikum im ostfriesischen Leer sind neue Vorwürfe gegen den entlassenen Chefarzt bekannt geworden. Er soll mehrere Jahre zwischen 60.000 und 80.000 Euro jährlich durch Nebentätigkeiten für Medizinprodukthersteller verdient haben, lautet der Vorwurf des Krankenhauses. Der frühere Chefarzt wehrt sich seit heute vor dem Arbeits­ge­richt Emden gegen seine Kündigung. Der Richter kündigte für morgen eine Erklärung an.

Das Klinikum hatte den Mann im September 2015 nach dem Rückruf von fehlerhaften Prothesen entlassen. Zuvor sollen mindestens 48 Patienten defekte Implantate des britischen Hersteller Ranier eingesetzt bekommen haben. Zahlreiche Patienten mussten erneut operiert werden, um ihnen die schadhaften Prothesen zu entfernen. Das Kranken­haus hatte nach eigenen Angaben erst zu spät erfahren, dass der inzwischen insolvente Hersteller die Prothesen für den Vertrieb gesperrt hatte.

Bei den Untersuchungen kamen auch Hinweise auf verdeckte Provisionen aus den Jahren zwischen 2010 bis 2014 ans Licht. Allein in einem Fall könnte es einen Rückzahlungsanspruch der Klinik in Höhe von 39.000 Euro geben, sagte deren Anwalt.

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Derzeit laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Osnabrück und Aurich wegen Bestechlichkeit und Körperverletzung. Dabei geht es auch um die Frage, ob der Arzt Provisionen für den Einsatz von bestimmten medizinischen Produkten bekommen hat. Zudem ist bisher unklar, ob Provisionen im Zusammenhang mit den defekten Prothesen geflossen sind.

Ein Patientenanwalt hatte Anfang Juni die Aufklärungsarbeit des Klinikums kritisiert und eine Klagewelle betroffener Patienten angekündigt. Viele von ihnen seien vor Operatio­nen falsch informiert worden. Seine Mandanten hätten ein anderes Implantat bekommen als zunächst angekündigt. © dpa/aerzteblatt.de

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