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Medizin

Liraglutid verringert Herz-Kreis­lauf-Risiko bei Typ-2-Diabetes

Mittwoch, 15. Juni 2016

Chapel Hill/North Carolina – Das Inkretin-Mimetikum Liraglutid, das neben dem Blutzucker auch Blutdruck und Körpergewicht geringfügig reduziert, hat in einer sogenannten Endpunktstudie das kardiovaskuläre Erkrankungs- und das Gesamt­sterberisiko gesenkt. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in New Orleans vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1603827) publiziert.

Die LEADER-Studie (Liraglutide Effect and Action in Diabetes – Evaluation of Cardiovascular Outcome Results) gehört zu den klinischen Studien, die die Arzneimittelagenturen von den Herstellern aller neuen Antidiabetika einfordern, nachdem es in früheren Studien (etwa der ACCORD-Studie) trotz einer guten Blutzuckersenkung zu einem Anstieg der Herzkreislauf-Ereignisse gekommen war. 

Diese sogenannten Endpunktstudien untersuchen, ob die Behandlung langfristig das Risiko von schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen (Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder Schlaganfall, MACE) verändert. Inzwischen liegen die Ergebnisse für mehrere Wirkstoffe vor. Die DDP4-Inhibitoren Alogliptin (EXAMINE-Studie), Saxagliptin (SAVOR-TIMI-Studie) und Sitagliptin (TECOS-Studie) und das Inkretin-Mimetikum Lixisenatid (ELIXA-Studie) zeigten keine positiven oder negativen Auswirkungen. Der SGLT2-Hemmer Empagliflozin senkte das primäre Endpunktrisiko (EMPA-REG OUTCOME-Studie) dagegen signifikant um 14 Prozent.

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Ein ähnliches Ergebnis wurde jetzt in der LEADER-Studie für Liraglutid erzielt, das wie Lixisenatid zu den GLP-1-Agonisten gehört, jedoch eine längere Halbwertzeit hat. An der randomisierten, doppelblinden Studie nahmen an 410 Zentren in 32 Ländern (darunter Deutschland) 9.340 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und einem HbA1c von merh als 7,0 Prozent teil. Sie waren ausgewählt worden, weil Alter oder Vorerkran­kungen auf ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinwiesen. Damit bestand eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der primäre Endpunkt auftritt und es war die Chance gegeben, dass Nutzen oder Gefahr des Medikaments in einer vertretbaren Behandlungsdauer von durchschnittlich 3,8 Jahren erkannt werden.

Wie das Team um John Buse vom Diabetes Care Center der University of North Carolina in Chapel Hill jetzt mitteilte, senkte Liraglutid das Risiko auf den primären Endpunkt (MACE) von 14,9 auf 13 Prozent. Die Hazard Ratio von 0,87 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,78 bis 0,97 signifikant. Auf 66 Patienten kommt einer, der durch die Behandlung mit dem Antidiabetikum im Verlauf von drei Jahren einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen Herz-Kreislauf-Tod vermeiden kann (Number needed to Treat, NNT). Liraglutid senkte darüber hinaus auch die kardiovaskuläre Sterblichkeit von 6,0 auf 4,7 Prozent (Hazard Ratio 0,78; 0,66-0,93) und die Gesamtsterblichkeit von 9,6 auf 8,2 Prozent (Hazard Ratio 0,85; 0,74-0,97). Darüber hinaus wurde die Zahl der Nephropathien von 1,9 auf 1,5 Ereignisse pro 100 Patientenjahre (Hazard Ratio 0,78; 0,67-0,92) gesenkt.

Auch wenn ein Vergleich über die Studiengrenzen problematisch ist, übertreffen die Ergebnisse von Liraglutid nach Ansicht von Buse die Vorteile, die für Empagliflozin in der EMPA-REG OUTCOME-Studie erreicht wurden. Empagliflozin erzielte dort nur einen marginalen Einfluss auf das Herzinfarktrisiko und keine Schutzwirkung gegen Schlaganfälle. Dass für Liraglutid jetzt sogar eine „nephroprotektive“ Wirkung nachgewiesen wurde, wirft für Buse die Frage auf, ob Liraglutid mit Empagliflozin kombiniert werden sollte. Empagliflozin erzielt seine Wirkung in der Niere, wo es den Rücktransport von Glukose in den Tubuli hemmt.

Für viele Diabetologen ist Liraglutid bereits jetzt eine bevorzugte Substanz, da es neben dem Blutzucker auch den Blutdruck und das Körpergewicht senkt. In den USA ist das Mittel sogar zur Behandlung der Adipositas zugelassen. Hinzu kommt, dass Liraglutid relativ gut verträglich ist und in der Studie das Risiko von Hypoglykämien signifikant senkte (Rate Ratio 0,69; 0,51-0,93).

Bei Patienten ist das Mittel weniger beliebt, da es anders als die meisten anderen Antidiabetika nicht oral verfügbar ist, sondern täglich subkutan injiziert werden muss.

Die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME-Studie und der LEADER-Studie dürften dazu führen, dass Empagliflozin und Liraglutid in der Hierarchie der Diabetes-Typ2-Behandlung hochgestuft werden. Mittel der Wahl dürfte allerdings Metformin bleiben, das ebenfalls einen günstigen Einfluss auf das Körpergewicht hat. © rme/aerzteblatt.de

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