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Medizin

Empagliflozin bremst Nephropathie bei Typ-2-Diabetes

Donnerstag, 16. Juni 2016

Würzburg – Der SGLT2-Hemmer Empagliflozin, der in der Niere die Resorption von Glukose und Natrium hemmt, hat in einer sogenannten Endpunktstudie an Patienten mit Typ-2-Diabetes das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie verzögert. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in New Orleans vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1515920) publiziert.

Bei vielen Typ-2-Diabetikern kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem zunehmen­den Verlust der Nierenfunktion, der allmählich zum chronischen Nierenversagen und schließlich zur Dialysepflicht führen kann und ein wichtiger Grund für die erhöhte Sterblichkeit von Diabetikern ist. In der EMPA-REG OUT-COME-Studie, die die Arzneimittelbehörden dem Hersteller von Empagliflozin zur Prüfung der kardiovas­kulären Sicherheit des Wirkstoffs auferlegt hat, wurde deshalb auch der Einfluss des Wirkstoffs auf die Nierenfunktion untersucht.

Da Empagliflozin seine blutzuckersenkende Wirkung in den Nieren erzielt – durch die Hemmung des Natrium/Glucose-Cotransporter 2 wird die Reabsorption von Glukose im proximalen Tubulus des Nephrons gehemmt – war ein Einfluss auf die Nierenfunktion zu erwarten. Es war aber nicht klar, in welche Richtung Empagliflozin die Nierenfunktion verschiebt.

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Nach den jetzt von Christoph Wanner, Leiter der Abteilung Nephrologie und Hypertonie des Universitätsklinikums Würzburg, vorgestellten Daten kommt es in den ersten Wochen der Behandlung mit Empagliflozin zu einem vorübergehenden Abfall der glomerulären Filtrationsrate (eGFR), also einer leichten Verschlechterung der Nierenfunktion. Dieser Trend war allerdings schon bei der zweiten Nachuntersuchung in der 12. Woche gestoppt. Danach blieb die eGFR bis zum Ende der 192-wöchigen Behandlungsphase erstaunlich konstant. Laut Wanner betrugt der jährliche Rückgang der eGFR in den beiden Dosierungen von Empagliflozin nur 0,19 ml/min/1,73m2, während es im Placebo-Arm zu einem Rückgang um 1,67 ml/min/1,73m2 kam. Interessanterweise kam es nach dem Absetzen von Empagliflozin (nicht aber von Placebo) zu einem Anstieg der eGFR, so dass es sich um ein reversibles Phänomen handeln dürfte.

Der weitgehende Erhalt der Nierenfunktion hatte zur Folge, dass es in der Empagliflozin-Gruppe deutlich seltener zur Neudiagnose einer Nephropathie oder einer Verschlech­terung der Nephropathie kam. Dieser Endpunkt wurde unter der Therapie mit Empagliflozin von 525 von 4.124 Patienten (12,7 Prozent) erreicht gegenüber 388 von 2.061 Patienten (18,8 Prozent) in der Placebo-Gruppe. Die Autoren errechnen eine Hazard-Ratio von 0,61, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,53 bis 0,70 statistisch signifikant war.

Unter der Behandlung mit Empagliflozin kam es auch seltener zu einer Verdoppelung des Serum-Kreatinins (1,5 versus 2,6 Prozent) und zur Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie (0,3 versus 0,6 Prozent), so dass an den klinischen Vorteilen der Nephroprotektion von Empagliflozin nicht zu zweifeln ist, auch wenn es zwischen den Gruppen keine Unterschiede in der Häufigkeit der Albuminurie gab, die ein wichtiger Marker einer Nierenschädigung ist.

In beiden Studienarmen waren die meisten Patienten mit ACE-Hemmern oder AT1-Antagonisten behandelt worden. Diese Medikamente verfügen über eine nachgewiesene nephroprotektive Wirkung. Sie gehören deshalb beim Typ-2-Diabetes zur empfohlenen Standardtherapie. Empagliflozin erzielte damit eine zusätzliche nephroprotektive Wirkung, die dazu beitragen könnte, dass einigen Patienten ein Nierenversagen und eine Dialyse erspart bleibt.

Die Ergebnisse dürften den Stellenwert von Empagliflozin in der Behandlung des Typ-2-Diabetes stärken. Eine ähnlich protektive Wirkung wurde in der Leader-Studie, die ebenfalls in New Orleans vorgestellt wurde, für das Inkretin-Mimetikum Liraglutid gefunden. Die Liste der nephroprotektiven Mittel könnte sich noch verlängern, da in den nächsten Jahren Ergebnisse aus Endpunktstudien zu weiteren Mitteln erwartet werden. © rme/aerzteblatt.de

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