NewsVermischtesFachverband warnt vor Hürden zu einer Suchttherapie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Fachverband warnt vor Hürden zu einer Suchttherapie

Mittwoch, 15. Juni 2016

dpa

Bonn – In Deutschland sind die Hürden für eine professionelle Suchtbehandlung – vor allem bei Alkoholkrankheit – zu hoch. Das kritisiert der Fachverband Sucht. Laut Verband standen im Jahr 2014 rund 340.000 Krankenhausfällen mit einer Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ lediglich 35.423 Entwöhnungs­behandlungen mit Leistungsträgerschaft der Deutschen Renten­versicherung gegenüber. 

„Viele alkoholabhängige Menschen erreichen von daher nicht oder viel zu spät eine qualifizierte Behandlung“, folgert der Verband. Die mittlere Abhängigkeitsdauer vor Antritt einer stationären Entwöhnungsbehandlung für Alkohol- und Medikamenten­abhängige betrage nach der Basisdokumentation des Verbandes 14,3 Jahre. Nur rund zehn Prozent der Betroffenen mit einer entsprechenden Diagnose nähmen im Anschluss an eine Behandlung im Krankenhaus wegen anderer somatischer Beschwerden eine stationäre Entwöhnungsbehandlung in Anspruch.

Anzeige

Der Verband weist darauf hin, dass Studien die Wirksamkeit der Suchtbehandlung ein Jahr nach Behandlungsende belegten: Im Bereich der Fachkliniken für Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit betrage die Erfolgsquote je nach Berechnungsform zwischen 77,7 und 40,9 Prozent, wobei bei letzterer Berechnung alle Nichtantworter als rückfällig gewertet würden. Der sozialmedizinische Verlauf nach stationärer Alkoholentwöhnung belege nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung ebenfalls den hohen Erfolg: Zwei Jahre nach erfolgter Entwöhnungsbehandlung seien 88 Prozent der Frauen und 89 Prozent der Männer im Erwerbsleben tätig.

Der Fachverband Sucht fordert daher unter anderem, die öffentlichen Mittel für Suchtberatungsstellen nicht zu kürzen, sondern diese weiter auszubauen. Außerdem müsse es flächendeckend möglich werden, Patienten aus dem qualifizierten Entzug (QE) in die Suchtrehabilitation zu überführen. Zudem sollte die Früherkennung und Frühinterventionen bei substanzbezogenen Störungen durch den niedergelassenen Arzt verbessert und zudem gesondert vergütet werden. Der Verband fordert weiterhin, die Früherkennung einer Suchtproblematik sollte integraler Bestandteil von Gesundheits­untersuchungen durch Werks- und Betriebsärzte werden.

Der Fachverband Sucht ist ein bundesweit tätiger Verband, in dem Einrichtungen zusammengeschlossen sind, die sich der Behandlung, Versorgung und Beratung von Suchtkranken widmen. Er wurde 1976 gegründet und vertritt heute rund 95 Mitgliedseinrichtungen mit über 6.500 stationären und ambulanten Therapieplätzen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. September 2020
Berlin/Köln – In Berlin wurden gestern elf Kommunen für ihre vorbildlichen und wirkungsvollen Aktivitäten zur Suchtprävention ausgezeichnet. Die Preisverleihung war der Abschluss des 8. bundesweiten
Elf Kommunen für Suchtprävention ausgezeichnet
21. September 2020
Berlin – Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2020 nach Recherchen von Welt am Sonntag weiter gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitum starben mit 662 Menschen demnach
Zahl der Drogentoten steigt um 13 Prozent
21. September 2020
Tübingen – Wissenschaftler der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung an der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie haben eine neue Beratungsplattform „KonsumKontrolle“
Neue Online-Beratungsplattform zu Tabak- und Alkoholsucht
15. September 2020
Bethesda/Maryland – Patienten mit einer Abhängigkeit von Alkohol, Tabak, Cannabis, Opioiden oder Kokain haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu
Opioide und andere Substanzabhängigkeiten erhöhen Erkrankungsrisiko an COVID-19
8. September 2020
Berlin – Die Gesellschaft muss ihre Scheu ablegen, über Suchterkrankungen zu sprechen. Das hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), heute in Berlin angemahnt. „Sucht ist
Rauschgiftkriminalität: Mehr Prävention und mehr Hilfsangebote
3. September 2020
Berlin – Zu einem verantwortungsvollen Verhalten in der Schwangerschaft haben heute die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela
Appell an Schwangere: Alkoholkonsum kann fatale Folgen haben
2. September 2020
Berlin – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), hat sich dafür eingesetzt, dass das Kinderhilfsprojekt „KidKit“ der Drogenhilfe Köln eine umfassende finanzielle Unterstützung
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER