NewsAuslandKritik an Flüchtlingspolitik: Ärzte ohne Grenzen verzichtet auf EU-Zuschüsse
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Kritik an Flüchtlingspolitik: Ärzte ohne Grenzen verzichtet auf EU-Zuschüsse

Freitag, 17. Juni 2016

Berlin – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat die Flüchtlingspolitik der EU scharf kritisiert. Sie kündigte an, künftig kein Geld mehr von EU-Institutionen und Mit­glieds­ländern der Europäischen Union anzunehmen. Damit verzichtet die Organisation auf Finanzierungen in Höhe von derzeit rund 50 Millionen Euro und will stattdessen noch stärker auf Privatspender setzen. Bereits im vergangenen Jahr stammten mehr als 93 Prozent der Einnahmen in Höhe von insgesamt 125,1 Millionen Euro aus Spenden und Zuwendungen.

„Die EU und ihre Mitgliedstaaten torpedieren das Grundrecht eines jeden, vor Gewalt zu fliehen und außerhalb des Heimatlandes Schutz zu suchen“, monierte Geschäftsführer Florian Westphal bei der Jahrespressekonferenz von Ärzte ohne Grenzen Deutschland in Berlin. So seien als Folge der Flüchtlingspolitik seit Jahresbeginn bereits fast 3.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. „Das ist einer alle 80 Minuten“, so Westphal. Vor diesem Hintergrund forderte er von der EU legale Fluchtwege, mehr Einsatz bei der Seenotrettung sowie würdige Aufnahmebedingungen in Griechenland und Italien.

Anzeige

In bewaffneten Konflikten werden laut Hilfsorganisation zugleich immer öfter medizinische Einrichtungen angegriffen. 2015 gab es außer dem in der Öffentlichkeit stark wahrge­nommenen Angriff auf das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kundus mehr als 100 Angriffe auf von der Organisation betriebene und unterstützte Einrichtungen in Syrien, der Zentralafrikanischen Republik, der Ukraine sowie im Süd­sudan und im Jemen.

„Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und humanitäre Helfer darf es nicht mehr geben“, unterstrich Volker Westerbarkey, Vorstandsvorsitzender von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. Er forderte die Bundesregierung auf, die Anfang Mai verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrates zum Schutz medizinischer Hilfe zügig in die Tat umzusetzen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Washington – Mehrere reiche Nationen, die zusammen nur 13 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, haben sich laut einem Bericht der Hilfsorganisation Oxfam bereits mehr als die Hälfte der angekündigten
Reiche Länder sichern sich Löwenanteil an Coronaimpfstoff
17. September 2020
Athen – Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisiert die Anwendung von Zwangsmaßnahmen bei der Umsiedlung von Geflüchteten auf der griechischen Insel Lesbos. Die Polizei
Ärzte ohne Grenzen kritisiert Zwangsmaßnahmen bei der Umsiedlung von Geflüchteten in Moria
14. September 2020
Insel Lesbos – Vier Tage nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria haben die ersten Migranten auf der Insel Lesbos ein neues provisorisches Zeltlager bezogen. Nach Behördenangaben von gestern
Erste Flüchtlinge beziehen provisorisches Lager auf Lesbos
11. September 2020
Berlin – Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen geht nicht davon aus, dass es nach dem Brand in Moria eine gesamteuropäische Reaktion geben wird. Die Blockadehaltung einzelner EU-Mitglieder in der
Röttgen glaubt nicht an gesamteuropäische Lösung nach Moria-Brand
11. September 2020
Lesbos – Das Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos war 2015 ursprünglich für knapp 3.000 Menschen ausgelegt. Zuletzt lebten dort mehr als 12.000. Mehrere Brände haben das Lager nun
„In Moria herrscht eine extrem gefährliche Stimmung“
10. September 2020
Berlin/Athen – Nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria herrscht in Deutschland weiter Uneinigkeit darüber, ob im Alleingang Migranten aufgenommen werden sollen. Die Bundesregierung
Ringen um Hilfe nach Brand im Flüchtlingslager Moria
9. September 2020
New York – Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef weltweit so wenige Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Ursachen gestorben wie nie zuvor seit Beginn der
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER