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Politik

Technologischer Fortschritt im Gesundheitssystem ausgebremst

Montag, 20. Juni 2016

Gelsenkirchen – Einen Innovationsstau im deutschen Gesundheitswesen kritisiert das Institut Arbeit und Technik (IAT)/Westfälische Hochschule. E-Health, Telemedizin und altersgerechte Assistenzsysteme eröffneten zwar viele neue Möglichkeiten für die Prävention und die Versorgung, „aber vor allem bei deren Finanzierung gibt es noch massive Probleme“, sagte der Direktor des Instituts, Josef Hilbert, im Vorfeld einer Veranstaltung der Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Telemedizin und altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben seien in Deutschland zwar gut erforscht, „aber wir – als der größte und vielversprechendste Markt in Europa – haben enorme Probleme mit der Umsetzung“, warnt Hilbert. Der Rück­stau beeinträchtige die internationale Wettbewerbsfähigkeit der einschlägigen Anbieter aus Deutschland und Europa mittlerweile massiv.

„Bislang läuft der Diskurs zur Digitalisierung in Deutschland nach dem traditionellen Muster: Erst werden die Herausforderungen verdrängt, und wenn es fast zu spät für eine rationale Steuerung des Prozesses ist, setzt Panik ein“, schreibt er in einer Publikation „Digitalisierung und Gesundheit: Transforming the way we live.“

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Hilbert nennt drei Gründe für die zögerliche Umsetzung der neuen Technologien im Gesundheitswesen: Informationsdefizite über die neuen Möglichkeiten in der Bevölke­rung und der Fachwelt – etwa bei ärztlichem und pflegerischem Personal oder Geronto­logen und Sozialarbeitern. Außerdem sollte die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Entwicklung und potenziellen Nutzern noch intensiver werden. „Darüber hinaus gibt es in Deutschland für viele der neu entstanden Techniken beziehungsweise technik­ge­stützten Dienstleistungen bislang keine flächendeckenden Erstattungsmöglichkeiten“, kritisierte der Institutsleiter.

Hilbert lobte den gerade gestarteten Innovationsfonds für die Entwicklung neuer und integrierter Versorgungsstrukturen. „Um die Digitalisierung für mehr Gesundheit, Lebens­qualität und aktives Altern nutzen zu können, müssen in Deutschland Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durchstarten“, forderte der IAT-Direktor.

Die Bevölkerung steht neuen Technologien im Gesundheitswesen grundsätzlich offen und positiv gegenüber. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov. Besonders hoch ist die Zustimmung, wenn es um vernetzte Gesundheitsgeräte geht, die älteren Menschen oder chronisch Kranken die Aussicht bieten, länger im gewohnten Umfeld zu leben. 72 Prozent der Deutschen halten derartige Geräte im Falle einer eigenen Pflegebedürftigkeit für ansprechend. Im Falle von pflege­bedürftigen Angehörigen steigt der Anteil der Interessierten laut der Umfrage sogar auf 80 Prozent. © hil/aerzteblatt.de

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