Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Technologischer Fortschritt im Gesundheitssystem ausgebremst

Montag, 20. Juni 2016

Gelsenkirchen – Einen Innovationsstau im deutschen Gesundheitswesen kritisiert das Institut Arbeit und Technik (IAT)/Westfälische Hochschule. E-Health, Telemedizin und altersgerechte Assistenzsysteme eröffneten zwar viele neue Möglichkeiten für die Prävention und die Versorgung, „aber vor allem bei deren Finanzierung gibt es noch massive Probleme“, sagte der Direktor des Instituts, Josef Hilbert, im Vorfeld einer Veranstaltung der Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Telemedizin und altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben seien in Deutschland zwar gut erforscht, „aber wir – als der größte und vielversprechendste Markt in Europa – haben enorme Probleme mit der Umsetzung“, warnt Hilbert. Der Rück­stau beeinträchtige die internationale Wettbewerbsfähigkeit der einschlägigen Anbieter aus Deutschland und Europa mittlerweile massiv.

„Bislang läuft der Diskurs zur Digitalisierung in Deutschland nach dem traditionellen Muster: Erst werden die Herausforderungen verdrängt, und wenn es fast zu spät für eine rationale Steuerung des Prozesses ist, setzt Panik ein“, schreibt er in einer Publikation „Digitalisierung und Gesundheit: Transforming the way we live.“

Hilbert nennt drei Gründe für die zögerliche Umsetzung der neuen Technologien im Gesundheitswesen: Informationsdefizite über die neuen Möglichkeiten in der Bevölke­rung und der Fachwelt – etwa bei ärztlichem und pflegerischem Personal oder Geronto­logen und Sozialarbeitern. Außerdem sollte die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Entwicklung und potenziellen Nutzern noch intensiver werden. „Darüber hinaus gibt es in Deutschland für viele der neu entstanden Techniken beziehungsweise technik­ge­stützten Dienstleistungen bislang keine flächendeckenden Erstattungsmöglichkeiten“, kritisierte der Institutsleiter.

Hilbert lobte den gerade gestarteten Innovationsfonds für die Entwicklung neuer und integrierter Versorgungsstrukturen. „Um die Digitalisierung für mehr Gesundheit, Lebens­qualität und aktives Altern nutzen zu können, müssen in Deutschland Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durchstarten“, forderte der IAT-Direktor.

Die Bevölkerung steht neuen Technologien im Gesundheitswesen grundsätzlich offen und positiv gegenüber. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov. Besonders hoch ist die Zustimmung, wenn es um vernetzte Gesundheitsgeräte geht, die älteren Menschen oder chronisch Kranken die Aussicht bieten, länger im gewohnten Umfeld zu leben. 72 Prozent der Deutschen halten derartige Geräte im Falle einer eigenen Pflegebedürftigkeit für ansprechend. Im Falle von pflege­bedürftigen Angehörigen steigt der Anteil der Interessierten laut der Umfrage sogar auf 80 Prozent. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18. Mai 2018
Leipzig – Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer in Deutschland (GKV und PKV) setzen zunehmend auf digitale Informations- und Kommunikationstechnologien. Das berichten Wissenschaftler des
Digitalisierung wird Patienten stärker in den Mittelpunkt rücken
16. Mai 2018
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt eine Anbindung von Gesundheitsdaten an ein geplantes zentrales Bürgerportal. „Wir brauchen die konsequente Digitalisierung von Verwaltung – und
Merkel für Anbindung von Gesundheitsdaten an „Bürgerportal“
15. Mai 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hält am Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) und an der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) fest. Das hat das Bundesministerium für Gesundheit
Spahn hält an Tele­ma­tik­infra­struk­tur und elektronischer Gesundheitskarte fest
15. Mai 2018
Jena – Der Medizintechnikhersteller Carl Zeiss Meditec hat trotz Gegenwind vom starken Euro weiter zugelegt. Im ersten Geschäftshalbjahr (Ende März) kletterte der Umsatz um 4,5 Prozent auf 613,7
Carl Zeiss Meditec von starkem Euro gebremst
14. Mai 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sucht als Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nach einer einfachen Lösung für das Handy. Die Karte sei nicht die attraktivste
Handy könnte neue Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte werden
14. Mai 2018
Kiel – Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Schleswig-Holstein hat die von der Kammerversammlung der Lan­des­ärz­te­kam­mer beschlossene Änderung der Berufsordnung zur Fernbehandlung genehmigt. Damit ist es Ärzte
Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Schleswig-Holstein macht Weg für Fernbehandlung frei
14. Mai 2018
Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will auf die Umbrüche durch das Internet reagieren. „Wir brauchen so etwas wie eine Ethik der Digitalisierung“, sagte Steinmeier gestern auf dem 21.

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige