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Politik

Ärzte erhielten 2015 rund 575 Millionen Euro von Pharmafirmen

Montag, 20. Juni 2016

Berlin – 575 Millionen Euro haben Ärzte im Jahr 2015 im Rahmen von Kooperationsver­ein­­barungen von den Mitgliedsunternehmen des Verbandes Forschender Arzneimittel­her­steller (vfa) erhalten. Das erklärte vfa-Hauptgeschäftsführerin, Birgit Fischer, heute in Berlin. Die 54 Mitgliedsunternehmen des vfa decken nach eigenen Angaben 75 Prozent des deutschen Marktes für verschreibungspflichtige Medikamente ab.

Zum Hintergrund: 2012 gab der europäische Arzneimittelverband EFPIA bekannt, im Rahmen des Transparenzkodex' der Pharmaindustrie Zuwendungen der Arzneimittel­hersteller an Ärzte, Apotheker und andere Gesundheitsberufe sowie an medizinische und wissenschaftliche Organisationen und Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Fach­gesellschaften publizieren zu wollen.

Diese Veröffentlichungen sollten zum einen alle Zuwendungen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung umfassen, zu dem auch die Anwendungsbeobachtungen gehören. Zum anderen wollten die Firmen auch alle Spenden, Fortbildungs­veranstaltungen sowie Dienstleistungs- und Beratungshonorare an einzelne Ärzte veröffentlichen und diese Ärzte dabei namentlich nennen – vorausgesetzt, diese stimmen zu. Stimmen Ärzte nicht zu, sollten die an sie geflossenen Zahlungen als Gesamtsumme genannt werden.

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Gemäß Transparenzkodex wollen die vfa-Mitglieder bis zum 1. Juli alle Zuwendungen auf ihren Internetseiten veröffentlichen. Vorab nannte der Verband heute erste Zahlen: Demnach flossen 64 Prozent der Zuwendungen im Jahr 2015 in den Bereich Forschung und Entwicklung, wie der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA), Holger Diener, erklärte. Das entspricht 366 Millionen Euro. Wie hoch der Anteil für Anwendungsbeobachtungen dabei ist, wurde im Rahmen des Transparenzkodex' nicht erhoben.

Ein Drittel der Ärzte stimmt Veröffentlichung ihres Namens zu
21 Prozent der Zuwendungen, also 119 Millionen Euro, gingen an einzelne Personen für Vortragshonorare oder Fortbildungsveranstaltungen. Ein Drittel der Ärzte, die Geld für diese Leistungen erhielten, stimmten der Veröffentlichung ihres Namens dabei zu. Ab dem 1. Juli werden die Namen der Ärzte auf den Internetseiten der Pharmafirmen bekannt­gegeben, von denen sie das Geld erhalten haben. Weitere 15 Prozent, also 90 Millionen Euro, flossen an medizinische Organisationen und Stiftungen sowie für das Sponsoring von Veranstaltungen.

„Ich gehe davon aus, dass es in der Ärzteschaft künftig eine Diskussion über die Veröffentlichung der Namen von Ärzten im Rahmen des Transparenzkodex' geben wird und dass im nächsten Jahr schon mehr Ärzte dieser Veröffentlichung zustimmen werden“, sagte Fischer. „Ich finde, ein Drittel ist für den Anfang ein ganz guter Wert – schließlich ist der gesamte Prozess vollkommen neu, und die Ärzte können noch nicht einschätzen, welche Wirkung die Veröffentlichung ihrer Namen haben wird.“ Die Ärzte, die nicht zugestimmt hätten, hätten Gebrauch von ihrem Datenschutzrecht gemacht. Sie seien dafür nicht zu kritisieren.

Bundes­ärzte­kammer begrüßt Initiative der Pharmaindustrie
„Die Bundes­ärzte­kammer begrüßt diese Initiative“, betonte der Präsident der Bundes­ärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes. „Die übergroße Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte lässt sich nichts zu Schulden kommen und muss deshalb Transparenz nicht fürchten. Sie möchte auch nicht von den wenigen schwarzen Schafen in Misskredit gebracht werden.“

Montgomery äußerte den Wunsch, dass prospektiv die Veröffentlichung der Zuwendungen unab­hängig von der Zustimmung des Empfängers erfolgen kann. Alternativ sollten Pharmaunternehmen auf die Zusammen­arbeit mit Ärzten verzichten, die nicht genannt werden wollten, so der BÄK-Präsident.

Im Übrigen befürworte die Ärzteschaft seit langem eine gesetzliche Regelung nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Physicians Payment Sunshine Act“. „Danach müssen alle finanziellen Leistungen und Sachleistungen sowie Name, Adresse, Anbieter, Wert, Datum und Art der Zuwendung offengelegt werden“, erklärte Montgomery. „Der Transparenzkodex der Pharmaindustrie ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.“ © fos/aerzteblatt.de

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