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Politik

Mangelernährung bei Kindern: Große Defizite trotz eines positiven Trends

Dienstag, 21. Juni 2016

/dpa

Berlin – Mangelernährung ist ein weit verbreitetes und oft noch unterschätztes Problem. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Bericht von Save the Children „Mangeler­nährung beenden – Jedes Kind zählt“, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Der weltweite Kampf gegen Mangelernährung stockt trotz aller bisher – langsamen und ungleich verteilten – erzielten Fortschritte“, sagte Katherine Richards, Koautorin des Berichts und Expertin für Ernährungspolitik bei Save the Children in Großbritannien. Millionen Kindern stehe in Folge von Diskriminierung und Ausgrenzung keine ausreichende Ernährung zur Verfügung.

Dem Bericht zufolge sterben jedes Jahr 3,1 Millionen Kinder an Unterernährung. Fast ein Viertel aller Kinder unter fünf Jahren leidet unter Wachstumsverzögerungen (stunting), wobei Kinder in ländlichen Gegenden besonders häufig davon betroffen sind. „Wenn wir nicht sofort handeln, wird die Zahl im Jahr 2030 immer noch bei 129 Millionen liegen, auch deshalb, weil ganze Bevölkerungsgruppen systematisch von jedem Fortschritt ausgegrenzt werden“, erläuterte Julia Schilling von Save the children Deutschland.

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Die Kinderrechtsorganisation fordert deshalb konkrete Handlungsstrategien, um das im Rahmen der Agenda 2030 verabschiedete nachhaltige Entwicklungsziel zur Beendigung von Mangelernährung zu erreichen. „Im November 2014 richtete die Weltgesundheits­organisation (WHO) gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen die 2. Internationale Ernährungskonferenz aus, die zu 60 Empfehlungen für die Bekämpfung von Mangelernährung führte“, berichtete Schilling.

Deren Umsetzung sei allerdings nicht rechtlich bindend, sondern freiwillig. Insbesondere einer der Kernaspekte der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, der Kampf gegen Mangelernährung, bliebe bisher unberücksichtigt. „Save the Children wird alles dafür tun, das Blatt zu wenden, damit eine bessere Welt für alle Kinder möglich ist“, so Schilling.

Konkret fordert die Organisation eine gerechtere Ressourcenverteilung, die es Kindern ermöglicht, der Armut zu entkommen. Sie sei notwendige Voraussetzung, um Diskri­minierung und Ausgrenzung beenden zu können. Ferner müsse besonders Unterer­nährung bei Frauen bekämpft werden, die zu schlechterer Kindesentwicklung im Mutterleib, Todesfällen bei Neugeborenen und – bei den überlebenden Kindern – zu Wachstumsverzögerungen bereits vor dem zweiten Lebensjahr führen würde. „Mangelernährung wird von einer Generation auf die nächste übertragen“, erläuterte Richards. Wenn Ernährung von Frauen und Mädchen erst dann verbessert werde, wenn sie schwanger sind, sei es bereits zu spät.

Auch an die deutsche Bundesregierung appellierte Save the Children und forderte eine Erhöhung der Mittel im Kampf gegen Mangelernährung, einen gezielten Einsatz der Mittel zur Umsetzung der Globalen Ernährungsziele der Weltgesundheitsversammlung, die Umsetzung der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung sowie einen verstärkten Fokus auf Frauen und Kinder bei der Bekämpfung von Mangelernährung.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) habe seit 2013 konsequent die Investitionen in diesen Bereich erhöht, sagte Heike Lenn, Referatsleiterin „Ernährungssicherung“ beim BMZ. Dennoch sei noch Spielraum nach oben, räumte sie ein. „Das Thema gehört ganz nach oben auf die Agenda“, sagte sie. Ein „weiter so“ könne es nicht geben, wenn man die Ziele der Agenda 2030 erreichen wolle. © er/aerzteblatt.de

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