Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Erster Einsatz der „Gen-Schere“ CRISPR bei Krebs geplant

Mittwoch, 22. Juni 2016

CRISPR-Komplex /dpa

Philadelphia - US-Forscher wollen die „Gen-Schere“ CRISPR zur Behandlung des malignen Melanoms einsetzen. Geplant sind drei Änderungen am Genom von T-Zellen, die die Immunabwehr des Körpers gegen den Tumor verstärken sollen. Ein Bera­tergremium der National Institutes of Health hat der Phase 1-Studie zugestimmt.

Das CRISPR/Cas-System gehört zu einer Gruppe von Genom-Editoren, die Gene nach Wunsch im Erbgut aufsuchen, herausschneiden und durch ein anderes Gen ersetzen. Dies ermöglicht im Prinzip eine Vielzahl von therapeutischen Eingriffen. Erste Behand­lungsversuche mit weniger exakt arbeitenden Gen-Scheren wurden bereits unter­nommen. Als Pionier gilt Carl June von der Perelman School of Medicine in Philadelphia.

Ihm ist es gelungen, mit einem anderen Genom-Editor, der Zinkfingernuklease, die CD4-Zellen von HIV-Infizierten mit einer Variante des Gens CCR5 zu versehen, das die Abwehrzellen unangreifbar für HI-Viren macht. Im Prinzip könnten HIV-Infizierte dadurch in ähnlicher Weise von der HIV-Infektion geheilt wie der „Berliner“ Patient, der die CCR5-Variante bei einer Stammzelltherapie erhalten hat. Der „genchirurgischen" Behandlung von June war indes kein nachhaltiger Erfolg beschieden. Die Patienten benötigten wegen einer steigenden Viruslast schon bald wieder antiretrovirale Medikamente (NEJM 2014; 370: 901-910).

Der Forscher ist inzwischen dazu übergegangen, die Technologie für die Behandlung von Krebserkrankungen zu erproben. In einer ersten klinischen Studie wurden 20 Patienten mit multiplem Myelom mit T-Zellen behandelt, die auf ihrer Oberfläche Rezeptoren tragen, die die Antigene NY-ESO-1 und LAGE-1 auf Tumorzellen erkennen können. Bei 16 Patienten wurden Remissionen erzielt, die nach den im letzten Jahr in Nature Medicine (2015; 21: 914-921) veröffentlichten Ergebnissen im Mittel über 19,1 Monate anhielten.

Jetzt wollen die Forscher eine verbesserte Version ihrer Immuntherapie an 18 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom testen. Dieses Mal soll als Gen-Editor CRISPR zum Einsatz kommen. Die Gen-Schere soll zum einen ein Gen für den T-Zell-Rezeptoren von NY-ESO-1 in die T-Zellen integrieren. Zum zweiten soll der natürliche T-Zell-Rezeptor entfernt werden, um die Aktivität der Abwehrzellen auf eine Aufgabe (die Zerstörung der Melanomzellen) zu konzentrieren.

Als dritte Maßnahme soll das CRISPR-System das Gen für den Rezeptor PD-1 entfernen. Er ist Bindungsstelle von Substanzen, mit denen einige Tumore das Immunsystem „besänftigen“ (PD 1-Inhibitoren wie Ipilimumab oder Nivolumab, die dies verhindern, werden bereits mit Erfolg in der Behandlung von Melanom-Patienten eingesetzt).

Ob die mit der „Gen-Schere“ CRISPR modifizierten T-Zellen die Behandlungsergebnisse verbessern werden, bleibt abzuwarten. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen in einer Phase 1-Studie zunächst 18 Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem malignem Melanom behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13.12.17
Wie Zellen stillgelegte Gene wieder aktivieren
München – Einen neuen Weg, wie die Zelle stillgelegte Gene wieder aktivieren kann, ohne die DNA zu beschädigen, haben Wissenschaftler um Thomas Carell von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)......
12.12.17
DNA-Netze können Blutgefäße verstopfen
Hamburg – Auslöser für Gefäßverschlüsse sind nach bislang gültiger medizinischer Lehrmeinung hauptsächlich zwei Mechanismen: das Verklumpen von Blutplättchen und die Blutgerinnung, die zusammen zur......
17.11.17
Amische: Defekt in Gerinnungs-Gen schützt vor Diabetes und vorzeitigem Tod
Chicago – Der Ausfall eines Gens für den Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1 ist in der Gemeinschaft der Amischen, deren Genpool infolge der religiös-kulturellen Isolation begrenzt ist, mit einem......
26.10.17
Genetik: Neue Basen-Editoren reparieren DNA und RNA mit hoher Effizienz
Cambridge – US-Forscher haben neue Werkzeuge zur Veränderung des Erbguts in lebenden Zellen entwickelt. Die in Nature (2017 doi: 10.1038/nature24644) und Science (2017; doi: 10.1126/science.aaq0180)......
25.10.17
Brustkrebs: 65 plus sieben neue Risikogene
Cambridge - In einer Studie der Superlative, die 275.000 Frauen auf 11,8 Millionen Erbgutvarianten untersucht hat, wurden 65 neue Risikogene gefunden, die laut einem Bericht in Nature (2017; doi:......
25.10.17
Max-Dellbrück-Zent­rum leitet Teilprojekt beim „Human Cell Atlas“
Berlin – Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) übernimmt ein Teilprojekt im Rahmen des „Human Cell Atlas“. Die Berliner Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auf Zellen des Herzens.......
16.10.17
Welche Gene (und welcher Lebensstil) die Lebensdauer bestimmen
Edinburgh – Eine genomweite Assoziationsstudie findet Varianten in sieben Genen, die die Lebenserwartung des Menschen beeinflussen. Größere Auswirkungen hatten laut der Publikation in Nature......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige