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Medizin

Leichte Risikoerhöhung von Herzrhythmus­störungen durch Methylphenidat

Freitag, 24. Juni 2016

Adelaide – Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung werden häufig mit Methylphenidat behandelt. Diese Behandlung könnte jedoch für einige Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen bedeuten. Im British Medical Journal berichten Nicole Pratt und Kollegen am Quality Use of Medicines and Pharmacy Research Center an der University of South Australia (2016; doi: 10.1136/bmj.i2550).

Methylphenidat ist ein schwach wirksames Amphetamin mit zentralnervöser Wirkung. Es hemmt im Gehirn die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt. Wie alle Amphetamine geht von der Substanz mindestens ein theoretisches Risiko für das kardiovaskuläre System aus. Wie hoch dieses jedoch tatsächlich ist, lässt sich laut der Arbeitsgruppe mit den bisherigen Studien nicht eindeutig beantworten. Bluthochdruck, Arrhythmien, Palpitationen und selten Angina-Pectoris-Beschwerden gehören zu den dokumentierten Nebenwirkungen.

Die Daten von 1.224 Kindern und Jugendlichen aus der South Korea National Health Insurance Database konnten die Forscher in ihre Analyse einbeziehen. Die Probanden waren höchstens 17 Jahre alt, hatten alle ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten und hatten zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens Methylphenidat eingenommen. Durch intraindividuelle Analysen untersuchten die Wissenschaftler einen möglichen Zusammenhang zwischen den Ereignissen und der Medikamenteneinnahme.

Sie stellten fest, dass durch Methylphenidat das Risiko für Arrhythmien um 61 Prozent anstieg. Diese Risikoerhöhung war insbesondere für die ersten zwei Monate der Einnahme von Relevanz und für Kinder, die unter kongenitalen Herzfehlern litten. Eine leichte, jedoch statistisch nicht signifikante Erhöhung für Myokardinfarkte war laut der Wissenschaftler ebenfalls feststellbar. Für Schlaganfälle, Hypertonie und Herzversagen konnten die Forscher kein erhöhtes Risiko feststellen.

Insgesamt ist das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei Kindern äußerst gering, so dass trotz der relativen Risikoerhöhung das absolute Risiko gering bleibt, meinen die Forscher. Bei kardial vorerkrankten Kindern sollten Ärzte den Nutzen einer Medikation jedoch kritisch abwiegen. © hil/aerzteblatt.de

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