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Medizin

Geburtshilfe: US-Fachgesellschaft rät grundsätzlich von Episiotomie ab

Freitag, 24. Juni 2016

/dpa

Washington – Obwohl es bei den meisten vaginalen Entbindungen zu Verletzungen des Geburtskanals kommt, rät die US-Fachgesellschaft ACOG in einer aktuellen Leitlinie grundsätzlich von einer Episiotomie ab. Die Frauenärzte sollten andere Maßnahmen ergreifen, um Verletzungen im Dammbereich zu vermeiden, heißt es in einem aktuellen „Practice Bulletin“.

Die Episiotomie gehört zu den häufigsten und gleichzeitig am meisten umstrittenen Maßnahmen bei einer vaginalen Entbindung. Seit den 1920er-Jahren wurde sie mehr oder weniger regelmäßig bei Entbindungen im Krankenhaus durchgeführt. Anfangs wurde dies mit Vorteilen für den Fetus begründet, der durch die Beschleunigung der Austreibungsphase vor der Gefahr einer Asphysie bewahrt werde.

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Diese Gefahr droht allerdings nicht, solange die Nabelschnur den Fetus mit Sauerstoff versorgt. Später wurde die Vermeidung eines Dammrisses als Argument genannt. Dies ist jedoch umstritten, da die Episiotomie auch „Sollbruchstelle“ eines schweren Damrisses (III. oder IV. Grades) sein kann. Befürchtet wird hier vor allem eine Beschädigung der analen Schließmuskulatur: Diese Obstetrical Anal Sphincter Injury (OASIS) kann eine Inkontinenz zur Folge haben.

Zu einer OASIS kann es indes auch ohne Episiotomie kommen. Die Gefahr ist aus Sicht des American Congress of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) jedoch gering. Laut der Leitlinie kommt es zwar bei 53 bis 79 Prozent aller vaginalen Geburten zu einer Verletzung des Dammbereichs, die OASIS trete jedoch nur in etwa 11 Prozent auf. Einfache Maßnahmen können nach Einschätzung der ACOG eine OASIS verhindern.

Die US-Geburtshelfer empfehlen perineale Massage, die entweder antepartal oder während des zweiten Stadiums der Geburt durchgeführt werden sollten. Eine weitere Maßnahme sei die Verwendung von warmen Kompressen auf den Damm während der Austreibungsphase der Geburt. Eine endoanale Sonografie nach der Geburt zur Diagnose einer OASIS lehnt der US-Verband übrigens ab. Eine klinische Untersuchung sei völlig ausreichend.

Eine OASIS ist für den ACOG auch keine zwingende Indikation für einen Kaiserschnitt bei weiteren Geburten. Die meisten Frauen könnten erneut vaginal entbinden. Als Ausnahme von dieser Regel sieht der ACOG bei einer fortbestehenden analen Inkontinenz oder wenn die OASIS nach der vorherigen Geburt mit schweren Wundheilungsstörungen einherging oder zu einer psychischen Traumatisierung geführt habe. Frauen, die auf einen Kaiserschnitt drängen, sollten jedoch auf die erhöhte Morbidität dieser Entbindung hingewiesen werden.

Der ACOG hatte bereits in einer früheren Leitlinie 2006 von der routinemäßigen Anwendung der Episiotomie abgeraten. Diese Empfehlung zeigte Wirkung. Der Anteil der Geburten, in denen eine  Episiotomie durchgeführt wird, ist von 33 Prozent im Jahr 2000 auf 12 Prozent im Lahr 2012 zurückgegangen. © rme/aerzteblatt.de

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