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Medizin

Plötzlicher Herztod: Molekulare Autopsie findet häufig genetische Ursachen

Dienstag, 28. Juni 2016

Sydney – Wenn eine konventionelle Autopsie die Ursache eines plötzlichen Herztodes nicht aufklären kann, ist ein Gentest häufig aufschlussreich. In einer prospektiven Studie aus Australien und Neuseeland konnte in jedem vierten Fall eine genetische Ursache gefunden werden, wie die Autoren im New England Journal of Medicine (2016; 374: 2441-2452) berichten.

Ein plötzlicher Herztod ist bei äußerlich gesunden jüngeren Menschen selten. In Australien und Neuseeland wurden in den Jahren 2010 bis 2012 nur 490 Fälle bei Menschen unter 35 Jahren bekannt, was einer jährlichen Inzidenz von 1,3 auf 100.000 Personen entspricht. Eine frühere Untersuchung aus Dänemark kam auf 2,8 plötzliche Todesfälle auf 100.000 Einwohner unter 35, beziehungsweise 1,9 auf 100.000, wenn nur Fälle berücksichtigt wurden, in denen eine Autopsie durchgeführt wird.

Die Autopsie konnte in der aktuellen Fallserie immerhin bei 60 Prozent die Ursache klären. Die Pathologen diagnostizierten koronare Herzkrankheiten, verschiedene Formen einer Kardiomyopathie, Myokarditiden oder auch einige Aortendissektionen. Bei 40 Prozent der Patienten waren Herzmuskel und angrenzende Gefäße jedoch unverändert. In diesen Fällen wird heute eine „molekulare Autopsie“ durchgeführt.

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Sie besteht üblicherweise im Nachweis von Mutationen in vier Genen (KCNQ1, KCNH2, SCN5A und RYR2), die tödliche Herzrhythmusstörungen auslösen können. Das Team um Chris Semsarian von der Universität Sydney konnte mit diesen Tests jedoch nur in 3 von 113 unklaren Fällen eine sichere Ursache finden. In weiteren sieben Fällen wurde eine Genvariante als wahrscheinliche Ursache eingestuft. Damit waren jedoch erst 9 Prozent (10 von 113 Fällen) geklärt.

Die Forscher führten dann sukzessive weitere Gentests durch: Zunächst suchten sie nach Varianten in 16 Arrhythmie-Genen. Dann wurde ein Panel mit 16 häufigen Kardiomyopathie-Genen untersucht. Zum Abschluss wurde noch einmal auf 23 seltene Kardiomyopathie-Gene getestet. Zum Schluss stand bei 27 Prozent (31 von 113 Patienten) eine definitive oder wahrscheinliche Ursache für den plötzlichen Herztod fest.

Bei einigen unklaren Fällen wurde sogar eine Exom-Sequenzierung, also die Entschlüsselung aller protein-kodierenden Gene, durchgeführt. Dabei wurden bei weiteren 6 Prozent der Verstorbenen Genveränderungen gefunden, die über einen epileptischen Anfall einen plötzlichen Tod auslösen können. Insgesamt konnten die Forscher damit in 33 Prozent der in der konventionellen Autopsie unklaren Fälle eine Todesursache bestimmen. Man darf annehmen, dass der Anteil nach der Entdeckung weiterer genetischer Ursachen in Zukunft noch weiter ansteigen wird.

Interessant sind auch die näheren Umstände der Todesfälle. Anders als vielfach angenommen traten nur 15 Prozent der Todesfälle nach körperlichen Anstrengungen auf. Insgesamt 58 Prozent starben in der Zeit zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens, bei 38 Prozent trat der Tod im Schlaf ein. © rme/aerzteblatt.de

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